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Klettern: Herausforderung am Fels


Berge? Brauchen wir nicht! Seit man auch in der Halle ganz unkompliziert klettern kann, boomt der Kletter-Sport. Alles, was Sie für einen gelungenen Einstieg wissen müssen.

Sie tun es alle: In den Kletterhallen trainiert heute die Manager-Gruppe neben der Schulklasse und der Sport-Student neben der Familie mit kleinen Kindern. Bis zu einer halben Millionen Menschen klettern inzwischen in Deutschland, fast die Hälfte davon regelmäßig. In jeder größeren Stadt gibt es inzwischen mindestens eine Kletterhalle. Und die Zahl steigt. Klettern - was früher bei der Besteigung schwer zugänglicher Gipfel schlicht eine Notwendigkeit war, ist heute ein beliebter Freizeitsport. Sie wollen auch? Hier finden Sie alle Infos, die Sie für den Einstieg, pardon, den Aufstieg, brauchen.

Was ist Klettern?

Freeclimbing, Sportklettern, Bouldern - Sie verstehen nur Bahnhof? Keine Sorge, so kompliziert ist es nicht.

Beim Freeclimbing (Freiklettern) darf nur der Fels und die eigene Körperkraft zur Fortbewegung genutzt werden. Es gibt keine künstlichen Hilfsmittel. Sie haben aber ein Seil gesehen? Stimmt, das dient aber genau wie andere Hilfsmittel nur zur Sicherung, nicht zur Fortbewegung.

Sportklettern ist nichts anderes als Freeclimbing auf Kletterrouten, meist mit zahlreichen Sicherungspunkten. Sportkletterer trifft man sowohl in der Kletterhalle als auch im Klettergarten (ein Felsbereich mit vorhandenen Haken).

Wer keine Lust auf aufwändige Sicherungstechnik hat, ist beim Bouldern richtig. Bouldern bedeutet Klettern in Absprunghöhe ohne Sicherung. Es gibt inzwischen sogar reine Boulderhallen. Zur Dämpfung von Stürzen dienen Matten, so genannten Crashpads. Der Sicherungspartner (Spotter) sorgt dafür, dass der Kletterer auch wirklich auf dem Crashpad landet.

Warum ist Klettern toll?

  • Beim Klettern wird der ganze Körper trainiert. Alle Muskeln arbeiten, nicht nur die Arme. Vor allem Bauch und Rücken werden ordentlich gefordert - ideal für rückengeplagte Schreibtischtäter. Neben der Kraft werden beim Klettern auch Beweglichkeit und Koordination trainiert. Nur die Ausdauer kommt etwas kurz. Tipp: Als Ergänzung zum Klettern mindestens einmal pro Woche zusätzlich Laufen oder Fahrradfahren.
  • Klettern ist ein Sport für Körper und Geist. Da Sie sich beim Klettern wirklich konzentrieren müssen, können Sie an nichts anderes mehr denken. Sie schalten ab, der Alltagsstress ist schnell vergessen.
  • Auch um Freunde zu treffen und neue Leute kennenzulernen, ist Klettern ideal. Man klettert immer mindestens zu zweit, oft auch in der Gruppe. Und in den Kletterpausen ist viel Zeit zum Erfahrungsaustausch.
  • Wer sich überwunden hat, eine schwierige Stelle zu klettern, wird mit einem unvergleichbaren Hochgefühl belohnt.

Kletterhalle oder echter Fels - was ist besser?

Am schönsten ist Klettern natürlich draußen, am echten Fels im Mittelgebirge oder in den Alpen - mit Wind und Sonne auf der Haut und einem tollen Blick von oben. Dafür ist es draußen aber auch riskanter. Es kann zu Steinschlägen oder im schlimmsten Fall zu gefährlichen Stürzen kommen. Und gerade Anfänger kommen oft schnell an ihre Grenzen, denn gerade in Deutschland gibt es viele schwierige Klettergebiete, die nicht nach "Hallenstandards" abgesichert sind.

, Dozent für Bergsport an der Sporthochschule Köln, warnt: "In Deutschland gibt es durchaus Routen, bei denen die Hakenabstände so sind, dass ein Verletzungsrisiko besteht." Wie kommt das? "Es gibt keinerlei Normen für das Haken-Setzen", erklärt er. "Der Erstbegeher setzt die Haken und jeder Kletterer entscheidet selbst, ob sein Können reicht und er das Risiko eingeht und die Route klettern will." (Tipp: Die Schwierigkeitsgrade der einzelnen Klettergebiete in Deutschland findet man zum Beispiel unter www.dav-felsinfo.de). Trotzdem empfiehlt der Experte allen, die die Möglichkeit haben, draußen unter Anleitung am Fels klettern zu lernen. "Dort gibt es keine farbigen Griffe, keine festgelegten Tritte und viel mehr Formenvielfalt. Man muss sich seine Haltepunkte selbst suchen und lernt dadurch besser klettern."

Aber auch Hallenklettern hat unbestreitbare Vorteile: Man geht ein geringeres Sicherheitsrisiko ein und ist zudem orts- und witterungsunabhängig. So können auch Flachland-Bewohner nach der Arbeit noch schnell zum Klettern gehen - und das selbst, wenn es draußen in Strömen regnet. Aber man muss sich auch nicht unbedingt zwischen drinnen und draußen entscheiden: Viele Kletterer fangen in der Halle an und klettern später auch im Freien. Oder sie nutzen die Halle nur im Winter.

Klettern kann jeder, oder?

Im Prinzip ja, mit zwei Ausnahmen:

  • Wer wirklich schlimme Höhenangst hat, sollte lieber die Finger vom Fels lassen. Ansonsten gilt: Leichter Höhenschwindel ist normal, der Umgang mit der Angst bis zu einem bestimmten Grad trainierbar. "Man lernt, die Angst in den Griff zu bekommen" sagt Jakob. Und: "Wer überhaupt keine Angst hat, wird unvorsichtig".
  • Auch für Menschen mit starkem Übergewicht ist Klettern kein idealer Sport, da das Verhältnis von Kraft zu Gewicht nicht passt.

Wie und wo kann ich Klettern lernen?

Die Sicherungs- und Klettertechniken lernt man am besten in einem Kurs in einer Kletterhalle oder am Fels.

Kletterhallen gibt es von Vereinen, wie dem Alpenverein (DAV), und von kommerziellen Anbietern. Eine Kletteranlage in Ihrer Nähe finden Sie zum Beispiel unter www.dav-kletteranlagensuche.de oder www.citysports.de. Oder Sie versuchen es an der nächstgelegenen Uni. Die Kurse dort sind in der Regel auch für Externe offen. Wichtig: Achten Sie darauf, dass der Trainer eine offizielle Ausbildung vorweisen kann, zum Beispiel den Trainer-C-Schein vom DAV oder die Ausbildung zum Klettertrainer vom Deutschen Kletterhallenverband.

Wer lieber in der Natur klettern möchte, wendet sich am besten vor Ort an die entsprechende Sektion des Alpenvereins www.alpenverein.de oder eine Bergschule. Man kann sich zum Einstieg auch verlässlichen, klettererfahrenen Freunden anschließen.

Tipp: Geklettert wird immer zu zweit, einer klettert, der andere sichert. Melden Sie sich deshalb am besten gleich zu zweit zu einem Kletterkurs an oder halten Sie im Kurs Ausschau nach einem möglichen Kletterpartner, dem Sie Ihre Sicherheit später auch anvertrauen möchten.

Wie teuer ist Klettern?

  • Schnupperkurse (ein bis zwei Stunden): 15 bis 25 Euro.
  • Anfänger-Grundkurse (sechs bis acht Stunden, in der Regel verteilt auf zwei bis drei Tage): inklusive Eintritt, Trainer und Leihausrüstung zwischen 45 und 85 Euro.
  • Eintrittspreise: Zwischen 8,50 Euro und 12,50 Euro, in der Regel ohne zeitliche Begrenzung. Dauerkarten kosten zwischen 25 und 45 Euro im Monat.
  • Kletterausrüstung: Eine Einsteiger-Ausrüstung (Kletterschuhe, Gurt, Karabiner, Chalkbeutel und Sicherungsgerät) gibt es ab etwa 100 Euro. In manchen Kletterhallen sind bereits Seile vorhanden, wenn nicht, gibt es Standard-60-Meter-Seile ab etwa 80 Euro. Übrigens: Einen Helm braucht man in der Halle nicht, am Fels wird er jedoch empfohlen - vor allem, um den Sichernden vor herabfallenden Steinen zu schützen (ab circa 40 Euro).

Buchtipps

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Richtig Klettern von Stefan Winter. BLV-Verlag, Mai 2010, 14,95 Euro.

Kletter-Grundwissen kompakt: Alle Inhalte für den Kletterschein des Deutschen Alpenvereins - für Halle und Fels.

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Besser Klettern: Ausrüstung, Technik, Training und Sicherheit von Olaf Perwitzschky. BLV-Verlag, August 2009, 19,95 Euro.

Vom Einsteiger zum Könner: Ausrüstung, alle Klettertechniken, neueste Erkenntnisse der Sicherungstechnik, Trainingsmethoden - in diesem Buch finden Sie alle Infos für die Halle, den Klettergarten und das Hochgebirge.

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Alpin-Lehrplan 2a: Sicherung und Ausrüstung von Chris Semmel und dem Deutschen Alpenverein. 29,90 Euro.

Egal ob Einsteiger, Fortgeschrittene oder Könner: Wer sich wirklich umfassend über das Thema Klettern informieren will, liegt mit den Alpin-Lehrplänen 2a und 2b richtig. Inklusive Infos über Wettkampf-Taktik, mentales Training, Tourenplanung und Rettungsmethoden.

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Alpin-Lehrplan 2b: Klettern - Technik, Taktik, Psyche von Michael Hoffmann und dem Deutschen Alpenverein. 29,90 Euro.

Text: Monika Herbst Fotos: Birgit Gelder/ BLV, Xandi Kreuzender, Henri Heckmair/ Salewa, Thomas Ulrich/ BLV, Stefan Winter/ BLV

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