Reiten macht glücklich! Was Anfänger wissen sollten

Sie wollen als Anfänger im Reiten Ihr Glück versuchen? Nur zu! Lesen Sie hier, wie Sie eine gute Reitschule finden und was Sie dort erwartet.

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Wer einmal mit dem Reiten angefangen hat, hört so schnell nicht mehr auf. Rund die Hälfte der Reiter und Reiterinnen bleibt ihrem Sport mindestens 10 Jahre lang treu, viele von ihnen bringen es sogar auf 20 Jahre und mehr - das ist deutlich länger als bei anderen Sportarten. Dazu kommt: Wenn ein Reiter aufhört, dann meist nicht, weil er keine Lust mehr habt, sondern weil Job oder Familie ihm keine Zeit mehr lassen.

Fit in 15 Minuten

Was macht die Faszination an diesem Sport aus? Vor allem der intensive Kontakt zum Tier und die Naturverbundenheit begeistern die mehr als 1,6 Millionen aktiven Reiter in Deutschland. Nach wie vor halten vor allem Frauen und Mädchen die Zügel in der Hand. Mehr als zwei Drittel der Reiter sind weiblich.

Reiten ist übrigens keineswegs nur ein Teeniesport: Zwar fangen die meisten Pferdesportler früh an, aber die Zahl der Späteinsteiger steigt.

Auch sonst brauchen sich erwachsene Reiter in der Reithalle nicht als Exoten zu fühlen: fast jeder zweite Pferdebegeisterte ist 40 Jahre und älter.

Wie finde ich eine gute Reitschule?

Sie wollen das Glücksgefühl nach einer Reitstunde oder einem Ausritt selbst erleben? Dann mal los! Wichtig ist, dass Sie eine gute Reitschule finden. Sehen Sie sich den Betrieb vorher in Ruhe an. Auf diese Punkte sollten Sie achten:

Die Reitschule Haben die Pferde Auslauf auf der Weide und im Paddock (Pferdekoppel, die nicht als Weide bepflanzt ist) oder stehen sie nur im Stall? Ist der Stall hell und gut belüftet? Sind die Boxen großzügig bemessen? Machen Stall und Sattelkammer einen ordentlichen Eindruck und wird täglich frisch eingestreut? Werfen Sie auch einen Blick auf den Reitplatz: Ist er sauber und ohne größere Löcher? Ist der Hufschlag (die Linie am Rand der Reitbahn, auf der man überwiegend entlang reitet) nicht zu sehr ausgetreten? Für alle, die auch im Winter reiten wollen: Gibt es eine Reithalle?

Die Pferde Glänzt das Fell? Sind die Tiere gut ernährt oder kann man die Rippen zählen? Sind die Hufe intakt oder ausgefranst? Sind Sattel und Trense heil und gepflegt? Gibt es Scheuerstellen in der Sattellage? Fragen Sie, ob die Pferde regelmäßig Korrektur geritten werden.

Der Reitlehrer Rumschreien war gestern! Ein moderner, guter Reitlehrer soll nicht nur kritisieren, sondern vor allem auch loben und motivieren. Der Unterricht soll systematisch aufgebaut, Lernziele erkennbar sein. Fragen Sie nach der Ausbildung des Reitlehrers: Die höchste Qualifikation haben Pferdewirte. Sie können eine mehrjährige Lehre mit anschließender Prüfung vorweisen. Neben diesen Profis gibt es Amateurreitlehrer (Trainer) mit unterschiedlicher Qualifikation. Alle Trainer müssen regelmäßige Fortbildungen nachweisen. C-Trainer unterrichten vor allem Einsteiger. Sie können sich zum B- und A-Trainer hocharbeiten. Berittführer sind die besten Lehrmeister, wenn es ums Geländereiten geht.

in Ihrer Umgebung können Ihnen die Landesverbände der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. nennen.

Was erwartet mich als Anfänger?

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Reiten: Das kommt als Anfänger auf Sie zu

Rauf aufs Pferd

Wenn man vor dem Pferd steht und aufsitzen soll, sieht das Tier auf einmal riesengroß aus. Keine Angst, Sie schaffen das! Zunächst müssen Sie die Steigbügel auf Ihre Größe anpassen. Bestimmen Sie die Länge, indem Sie den Bügel unter den Arm halten: Ihre Fingerspitzen sollen genau bis zum Ende des Riemens reichen. Zum Aufsteigen stellen Sie sich neben die linke Schulter des Pferdes, treten mit dem linken Fuß in den Steigbügel und drücken sich mit dem rechten Bein ab. Dann das rechte Bein langsam über den Sattel schwingen und möglichst sanft in den Sattel gleiten. Geschafft. Jetzt müssen Sie nur noch die Steigbügel jeweils unter dem Fußballen platzieren. Absitzen funktioniert genauso, nur andersrum. Vergessen Sie nicht, vor dem Absitzen beide Füße aus den Steigbügeln zu nehmen. Achtung, nicht zu viel Schwung nehmen, sonst landen Sie auf dem Po.

Die ersten Übungen an der Longe

Damit Sie sich bei Ihren ersten Reitversuchen ganz auf Ihren Sitz konzentrieren können - ohne das Pferd antreiben oder bremsen zu müssen und ohne selbst die Zügel in der Hand zu halten - beginnen die ersten Reitstunden an der Longe. Das Pferd läuft an einer rund acht Meter langen Leine in einem Zirkel. Ihre Aufgabe ist es, nicht zu verkrampfen und möglichst locker zu sitzen. Haben Sie sich an den Sitz gewöhnt, folgt vielleicht schon der erste Trab, am Anfang ist das in der Regel das so genannte Leichttraben. Dabei steht der Reiter im Takt des Trabes auf und setzt sich wieder - immer im Wechsel. Schwieriger wird es später, beim Aussitzen. Dann bleibt der Po des Reiters im Sattel, die Bewegungen des Pferdes werden beim Trab "ausgesessen". Auch wenn es sich nicht so anhört ist das Aussitzen gerade am Anfang um einiges schwieriger als das Leichttraben.

Der erste Galopp

Träumen Sie schon davon, im Galopp über die Wiesen zu fliegen? Der Traum rückt schneller näher, als Sie glauben - wenn auch zunächst in der Halle oder auf dem Reitplatz. Der Galopp ist eine schwungvolle Gangart. Die Herausforderung am Anfang ist es, den Po im Sattel zu halten und den Bewegungen des Pferdes geschmeidig zu folgen. Da hilft nur: locker bleiben und viel üben. Und auf Maria vertrauen, genauer gesagt, auf den "Maria-Hilf-Riemen". Dieser Riemen ist bei vielen Sätteln vorne an der Sattelkammer befestigt. Wenn Sie sich daran festhalten, brauchen Sie nicht zu befürchten, beim ersten Angaloppieren vom Pferd zu fallen.

Die erste Abteilungsstunde

Sie können in allen drei Gangarten - Schritt, Trab und Galopp - ausbalanciert sitzen? Dann wird es Zeit für den Unterricht in der Abteilung, einer Gruppe mit mehreren Reitern, in der die Pferde hintereinander herlaufen. Sie lernen, wie Sie dem Pferd bei verschiedenen Hufschlagfiguren wie "Zirkel", "Schlangenlinien'" oder "Durch die halbe Bahn wechseln" die richtigen Zügel-, Schenkel-, Gewichtshilfen zu geben.

Halfter anlegen

Zum Reiten lernen gehört es auch, ein Pferd richtig zu putzen und zu satteln. Als Erstes werden Sie vermutlich lernen, ein Halfter anzulegen. Ihr Auftrag: Holen Sie das Pferd vor der Stunde aus der Box oder vom Paddock. Gehen Sie entschlossen zur Tür, sprechen Sie das Pferd in normaler Lautstärke an, damit es sich nicht erschreckt. Sie haben Halfter und Führstrick in der Hand und stellen sich neben die linke Schulter des Pferdes (Die "Bedienseite" des Pferdes ist immer links, die offene Schnalle des Halfters zeigt ebenfalls immer nach links). Dann den Nasenriemen des geöffneten Halfters über das Maul ziehen, den Genickriemen über die Ohren. Vorsicht, an den Ohren sind Pferde oft empfindlich. Haken Sie den Führstrick in den Ring des Halfters unter dem Kinn ein. Wenn Sie das Pferd aus der Box herausführen, achten Sie darauf, dass die Boxentür komplett geöffnet ist. Gehen Sie beim Herausführen auf der linken Seite etwas vor dem Pferd durch die Tür.

Striegeln

Die meisten Pferde mögen es, wenn sie gebürstet werden. Für Pferd und Reiter ist das eine gute Aufwärmübung vor dem Reiten. Als erstes wird mit dem Gummistriegel der grobe Schmutz entfernt. Immer in Fellrichtung arbeiten, falls nötig kreisenden Bewegungen einsetzen. Mit der Kardätsche (einer etwas feineren Bürste) wird das Fell dann auf Hochglanz gebracht. Besonders in der Sattel- und Gurtlage den verbliebenen Staub sorgfältig entfernen, da sonst schnell Scheuerstellen entstehen. Kopf und Beine werden mit einer extra weichen Bürste gereinigt, die Mähne mit einer speziellen Mähnenbürste. Hängt im Schweif Stroh, zupfen Sie es vorsichtig mit dem Finger raus. Sie haben Stroh im Schweif vergessen? Dumm gelaufen, das kostet Sie eine Runde im Reiterstübchen. Wichtig: Ein Pferd nie in der Box putzen, damit es den Dreck nicht hinterher einatmet oder mit dem Futter frisst.

Hufe auskratzen

Die Hufe sollten vor und nach dem Reiten ausgekratzt werden. Beginnen Sie mit den Vorderbeinen. Stellen Sie sich neben das Pferd und greifen Sie das Bein etwa 10 Zentimeter oberhalb des Hufes. Die meisten Pferde heben das Bein dann schon automatisch, sonst hilft ein Kommando wie "Huf!" oder "Gib Huf!". Klappt immer noch nicht? Lehnen Sie sich gegen die Pferdeschulter, dann entlastet das Tier sein Bein und Sie können es anheben. Mit dem Hufkratzer räumen Sie als erstes den losen Dreck aus dem Huf. Dann werden die äußeren diagonalen Strahlfurchen gereinigt. Seien Sie beim Hufstrahl, dem Dreieck in der Hufmitte, besonders vorsichtig. Im Gegensatz zum Horn ist diese Stelle weich und empfindlich und darf nur abgebürstet werden. Wenn Sie bei den Hinterbeinen angelangt sind, ziehen Sie das abgehobene Bein vorsichtig nach hinten. So kann das Pferd nicht mehr ausschlagen. Um Ihren Rücken zu entlasten, stützen Sie den Huf am besten auf Ihrem Knie ab.

Satteln

Gehen Sie beim Satteln sorgfältig vor. Liegt der Sattel falsch, kann das für das Pferd sehr schmerzhaft sein. Der Sattel wird eine Handbreit hinter dem Widerrist (die Erhöhung, die beim Pferd den Übergang vom Hals zum Rücken bildet) aufgelegt. Die Satteldecke ist bereits am Sattel befestigt und wird gleichzeitig aufgelegt. Wichtig: Den Sattel nie gegen die Fellrichtung schieben, das Fell muss unter der Satteldecke glatt sein. Den Sattelgurt locker schließen. Die Steigbügel nach oben schieben. Wichtig: Vor dem Aufsteigen den Sattel nachgurten. Nach den ersten Minuten im Schritt und gegebenenfalls nach dem ersten Trab erneut nachgurten.

Trensen

Sie stehen neben der linken Pferdeschulter und legen als erstes die Zügel über den Hals des Pferdes. Legen Sie die rechte Hand, in der Sie auch die Trense halten, auf den Kopf des Pferdes. So kann das Pferd den Kopf nicht nach oben strecken. Schieben Sie mit der linken Hand das Gebissstück in das Pferdemaul. Das Tier öffnet sein Maul nicht freiwillig? Drücken Sie Ihren linken Daumen in die zahnlosen Laden des Pferdemauls und schieben Sie gleichzeitig das Gebissstück rein. Dann ziehen Sie das Genickstück über die Ohren. Schließen Sie erst Kopf- und Nasenriemen, dann den Kehlriemen (von oben nach unten arbeiten). Beim Kopf- und Nasenriemen sollte jeweils ein Finger zwischen Trense und Tier passen, beim Kehlriemen eine Handbreite.

Zum Weiterlesen:

Anja Schriever: Das 1 mal 1 des Reitens. So gelingt der Einstieg mühelos. Kosmos-Verlag 2009. 94 Seiten, 9,95 Euro.

Text: Monika Herbst Fotos: Fotolia.com (1), iStockphoto (3) Horst Streitferdt / Kosmos Verlag (5), Zoonar (1)

Wer hier schreibt:

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