Trainieren mit der Wii Fit U: Ein Selbstversuch

Spielerisch fit werden: Die Wii Fit U verspricht, Fitness, Spiel und Kalorienverbrauch zusammenzubringen. Ob's klappt? Ein Selbstversuch von BRIGITTE-Mitarbeiterin Luisa Köneke.

Fit durch Videospiele - kann das funktionieren?

Schon länger versucht der Nintendo-Konzern, durch unterhaltsame Spiele für mehr Fitness zu sorgen: 2008 erschien Wii Fit auf dem deutschen Markt für die Nintendo-Wii-Konsole, nur ein Jahr später Wii Fit Plus. Beide funktionieren mit einem Balance Board (eine Art Waage, auf der die Spiele durch Verlagerung des Gewichtes gesteuert werden), das als Sportgerät dient, und einem Fitnessprogramm, das auf den Fernseher übertragen wird. Nun hat auch die Wii U, Nachfolgegerät vom Nintendo Wii, ein eigenes Fitnessprogramm. Neu an Wii Fit U ist vor allem das Fit Meter: ein Schritt- und Kalorienzähler, den man bei sich trägt. Die Daten können an die Konsole übermittelt und ausgewertet werden.

Wii U Selbstversuch: Erster Eindruck

Es geht schnell ans Eingemachte. Einmal auf dem Balance Board angekommen, fragt mich das Programm ohne Umschweife nach Alter, Körpergröße und Gewicht meiner Kleidung. Ich ahne Böses und überlege kurz, zu flüchten. Doch zu spät - das Balance Board weiß bereits, wieviel ich wiege, und berechnet meinen BMI.

Möchte ich abnehmen? Na klar. Ich stelle Zeitraum und Wunschgewicht ein. Dann folgen kleine Balanceübungen. Mein erster Aha-Moment: Ich stehe offenbar mehr auf dem linken als auf dem rechten Bein. Daran solle ich arbeiten, sagt die Konsole. Mit all diesen Ergebnissen erfasst das Programm mein Wii Fit - Alter. Zehn Jahre mehr als mein richtiges Alter. Womöglich ist das reine Taktik? Bei mir wirkt es jedenfalls, mein Ehrgeiz ist geweckt.

Fünf Programme, aufgeteilt auf 77 Übungen

Auch in der Programmaufteilung ähnelt die Wii Fit U den Vorgängern. So besteht das Training aus fünf Kategorien. Neben Yoga, Aerobic, Muskel- und Balanceübungen gehört nun aber auch Tanzen dazu. Die meisten Übungen sind clever in Spielen verpackt. Ich merke kaum, wie ich mich verausgabe. Mit meinem "Mii", einer knuddeligen Cartoon-Version von mir, die ich vorher zusammengebastelt habe, jogge ich durch bunte Landschaften oder stehe beim Step-Kurs neben anderen Miis auf einer Bühne. Als Kellner balanciere ich ein Tablett durch einen Speisesaal, tanze Salsa, gleite auf Skiern im Slalom einen Berg hinab und fange als Pinguin auf einer Eisscholle Fische.

Insgesamt stehen hier 41 Spiele zur Auswahl. Beim Antippen sehe ich nicht nur, worum es geht, sondern auch, welche Geräte ich brauche. Das kann neben dem Balance Board auch das Game Pad sein oder ein bis zwei Controller. Außerdem sehe ich bei jeder Übung anhand des sogenannten MET (Metabolischer Äquivalenzwert), wie hoch mein Energieverbrauch hier im Vergleich zu anderen Übungen ist.

Wer vor allem daran interessiert ist, viele Kalorien zu verbrennen, kann seine Übungen also nach einem hohen MET auswählen. Die Erklärungen fallen, von dem Tanztraining abgesehen, leider oft spärlich aus. Bei der einen oder anderen Übung frage ich mich, was ich hier eigentlich tue und brauche einen zweiten oder dritten Anlauf, bis ich Sinn und Zweck durchblickt habe.

Ganz anders ist das beim Yoga und bei den Muskelübungen. Jeweils 18 Stellungen, Positionen oder Schritte sind im Angebot und zeigen mir schon in der Voransicht, was mich erwartet - etwa Liegestütze oder die Baum-Stellung. Wahlweise steht mir eine Trainerin oder ein Trainer zur Seite. Ich fühle mich angenehm umtüdelt. Meine computeranimierte Trainerin im knappen Oberteil macht mir geduldig jede Übung vor, erzählt mir, ob ich damit meine Beine straffen kann oder eher meine Haltung verbessere. Und ich kann mir sogar aussuchen, ob ich sie dabei lieber von hinten oder von vorne sehe. "Vergiss nicht, zu atmen!", oder "Du machst das klasse, weiter so!" ruft sie mir zu, während ich konzentriert auf den Punkt im Fernseher blicke, der bei jeder meiner Bewegungen umherwandert, und mir zeigen soll, ob ich mich richtig bewege.

Alle Übungen können nicht nur einzeln aufgerufen, sondern auch individuell zusammengestellt werden. Mit der Option "Meine Programme" bastele ich mir ein eigenes Programm aus den Übungen aller fünf Kategorien. Angepasst an Kalorienverbrauch oder Zeitpensum kann ich aber auch einen Personal Trainer beauftragen, mir ein Workout vorzugeben, wahlweise aus einer der fünf Kategorien oder aus allen zusammen.

Darüber hinaus sind auch Programme nach bestimmten Gesichtspunkten möglich. Mit dem Programm "Vitalität" trainiere ich beispielsweise gezielt meinen Kreislauf, mit dem Programm "Gesundheit" arbeite ich mithilfe von Ausdauerübungen besonders am Bauch.

Wii Fit U unterwegs

Die wichtigste Neuheit bei der Wii Fit U ist wohl das Fit Meter: ein Schritt- und Kalorienzähler, der nicht nur vom Format, sondern auch in seiner Akustik an ein Tamagotchi erinnert. Doch das Fit Meter will nicht mit digitaler Nahrung, sondern mit Schritten gefüttert werden. So bleibe ich auch unterwegs sportlich.

Abends übertrage ich die Daten per Infrarot auf das Gamepad und kann mir auf einer Grafik ansehen, was ich geleistet habe. Bei regelmäßiger Nutzung sind auch Vergleiche mit anderen Tagen möglich. Das zeigt im besten Fall Erfolge - im schlimmsten Fall dokumentiert es die eigene Faulheit. Doch Wii Fit U hat sich auch hier etwas zur Motivation einfallen lassen: acht unterschiedliche Höhen- und Distanztouren kann ich über das Menü auswählen und visualisiere so, wie viel ich mit meinen täglichen Schritten schaffe. So wandere ich zum Beispiel quer durch Italien oder durch die Straßen Manhattans, erklimme den Eiffeltum oder den Fuji.

Mein Fazit

Die Wii Fit U hat sich einiges einfallen lassen, um Sportmuffeln Fitness schmackhaft zu machen. Mit 77 Übungen ist die Auswahl an Sport, Spaß und Spiel groß. Dabei ist sicher nicht jedes Spiel für jeden auch das richtige. So manche Übung wirkt etwas albern und hat nur einen geringen Trainingseffekt. Die Yoga- und Muskelübungen sind jedoch großartig. Da die Trainer umfangreich erklären und vorturnen, sind auch Anfänger bestens aufgehoben.

Dank der verschiedenen Trainingspläne und der vielen kleinen Mittelchen zur Motivation macht Bewegung hier Spaß, kann aber bei viel Disziplin auch Erfolge erzielen - nicht nur um Gewicht zu verlieren, sondern auch, um die Körperhaltung und die Ausdauer zu verbessern, Körperpartien zu straffen und die Kräfte zu testen.

Positiv sind auch die Anmerkungen zwischendurch. Sie klingen vernünftig, ohne zu bevormunden: Die Nutzer mögen an Pausen denken und daran, genug Wasser zu trinken. Beim Laufen sollte man nicht zu schnell werden, um den Kreislauf nicht zu überfordern. Und: Abnehmziele sollten nicht zu schnell erzwungen werden. Na ein Glück!

Luisa Köneke

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