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Taijiball: Ballwechsel mit Yin und Yang


In diesen Wochen blicken alle nach China. Wir haben mal geschaut, was aus China kommt. Zum Beispiel ein neuer Trendsport, der Tennis mit Tai-Chi mixt. BRIGITTE-Mitarbeiterin Irene Stratenwerth ist begeistert.

Das erste Mal sah ich sie an einem Sonntagnachmittag an der Hamburger Alster: ein Badminton-Netz, ein paar Männer und Frauen mit bunten Schlägern. Auf den ersten Blick wirkte es wie neue Variante von Tennis oder Federball. Aber wie sie es taten! Mit weichen, fließenden, eleganten Bewegungen schwangen sie ihre Rackets, konzentriert und sehr aufeinander bezogen. Nur für kurze Zeit glitt der Ball durch die Luft, um dann auf unbegreifliche Weise am Schläger kleben zu bleiben und in kreisförmigen Bahnen um die Mitspieler zu ziehen. Das kleine Spektakel machte neugierig, und ich wusste sofort: Das will ich auch.

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Der neue Trendsport aus China heißt Taiji Bailong Ball. Tai-Chi hatte ich schon mal probiert. Es fühlte sich sehr gesund an - und sterbenslangweilig. Der Taijiball-Kurs beginnt dann leider genauso. Xiaofei Sui, unser Trainer, holt uns in einen Kreis, lässt uns Aufwärm-, Dehn- und Lockerungsübungen machen. Alles dreht sich hier um den Kreis. Wir nehmen einen halb mit Sand gefüllten Tennisball, lassen die Arme kreisen, lockern die Schultern, werfen und fangen. Dann kommt das Racket dazu und die Bewegungen, die uns Xiaofei mit einem Ziffernblatt erklärt: "Wir fangen den Ball auf elf Uhr!" Wir lernen die Zentrifugalkraft nutzen, während Schläger und Ball in großen Bögen um uns herum schwingen. Es dauert noch, bis wir uns die ersten Bälle gegenseitig zuspielen.

In China tun es schon zwei Millionen. Dort wurde das Spiel in den 90er Jahren von dem Sportprofessor Bai Rong erfunden. Xiaofei Sui, der als Sohn chinesischer Mediziner in Hamburg aufwuchs, lernte es im Gesundheitszentrum seiner Eltern kennen. Und war fasziniert: Ball und Schläger, so glaubt er, erleichtern uns Westlern den Zugang zur fernöstlichen Bewegungskunst. Weil wir immer etwas bewegen und im Wettbewerb stehen wollen.

Allerdings ist in unserem Kurs noch recht oft das harte Ploppen zu hören, das entsteht, wenn ein Ball zu Boden fällt. Obwohl wir mit Anfänger-Rackets üben, deren weiche Silikon-Bespannung viele Fehler verzeiht. Später benutzt man härtere Schläger, doch harte Bewegungen bleiben verboten. "Schlagen ist in diesem Spiel ein Ausdruck von Ratlosigkeit und Unüberlegtheit", erklärt Xiaofei. Wir sollen vielmehr lernen, die natürliche Flugbahn des Balles aufzunehmen, in fließende Schwünge umzusetzen. Man kann diese Sportart allein oder zu mehreren betreiben, kann gegeneinander und miteinander spielen. Drinnen und draußen, auf Plätzen und in Parks, angeblich sogar im eigenen Wohnzimmer.

Es gibt tänzerische Solo-Formationen: In Japan treffen sich hunderte Frauen in Turnhallen, um die Bewegungsabläufe zu üben. Und es gibt Wettkämpfe, bei denen übers Netz gespielt wird: eine Variante, die bei den westlichen Anhängern beliebter ist. Als Xiaofei für ein paar Wochen nach China verreist, treffen wir uns ohne ihn zum Spielen. Und kommen bald an unsere Grenzen, weil wir versuchen, uns um die langwierigen Bewegungsübungen herumzumogeln, die den Körper erst mal in Balance bringen.

Wenn man es richtig macht, fordert Taiji Bailong Ball alle Muskeln gleichermaßen und bringt einen damit ganz schön schnell ins Schwitzen. Nach den ersten Kursabenden tut mein ganzer Körper weh. Aber am nächsten Morgen ist alles wie weggeblasen, und mir geht's einfach nur gut. Studien, die die gesunden Effekte von Taiji Bailong Ball belegen, für Herz und Kreislauf, Muskeln und Gelenke, für Konzentration und Koordination, gibt es zwar noch nicht. Aber sie werden nicht auf sich warten lassen, wenn Xiaofei Sui, der im Hauptberuf zum Botschafter des "Weißen Drachen" (Bailong) in Europa wurde, so weitermacht: mit einem ersten Buch über den neuen Sport, mit offenen Spielertreffs und Workshops in immer mehr Städten und mit einer Europameisterschaft im September in Bonn.

"Du musst unbedingt schreiben, dass Taiji Bailong Ball auch gut für Bauch und Po ist", gibt mir mein Trainer zum Schluss noch mit. Was hiermit erledigt wäre.

Sanfte Schwünge

Infos über Kurse, Spielertreffs und Ausrüstung: taijiball.com

Buchtipp

Xiaofei Sui, "Taiji Bailong Ball. Kraft und Entspannung mit der Trend-Sportart aus China" (16,90 Euro, O. W. Barth)

BRIGITTE 18/08 Fotos: Silke Goes

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