Transalp mit dem Mountainbike

Beim Transalp-Wettbewerb müssen die Teilnehmer in acht Tagen 600 Kilometer und 20 000 Höhenmeter überwinden, von Füssen bis an den Gardasee. Es ist das härteste Mountainbike-Rennen der Welt. Esther, 35, war dabei und erlebte auf dem Mountainbike alle Höhen und Tiefen der Transalp mit.

Wechselbad der Gefühle beim Transalp-Wettbewerb

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Es ist ein verregneter Sonntag. Die Physiotherapeutin Esther Stockhofe sitzt mit ihrem Freund beim Frühstück. In der Zeitung entdeckt sie einen Artikel. Es gibt sechs Plätze für die begehrte Bike-Transalp zu gewinnen, inklusive Profi-Betreuung durch Peter Schlickenrieder, ehemaliger Silbermedaillengewinner im Skilanglauf, und einem Trainingscamp im Fünf-Sterne-Hotel.

Esther will die Transalp mitfahren, mit Hilfe eines Profis

Grenzerfahrung Transalp: Esther nahm die Herausforderung an.

Esther packt die Abenteuerlust. Seit drei Jahren fährt sie Mountainbike und auch sonst ist sie mit Joggen, Reiten und Skifahren ziemlich sportlich. Ihr Freund und ihr Schwager haben sich bereits als Team für die Bike-Transalp angemeldet. Esther wollte eigentlich nur zum Anfeuern mit dabei sein. Doch Profi-Betreuung und Trainingscamp klingen verlockend. Sie bewirbt sich - und gewinnt.

Nach nur 80 Tagen Training startet sie im Sommer 2008 zu ihrer großen Herausforderung, der "Jeantex Bike Transalp". Im Interview mit BRIGITTE.de erzählt sie von dem großen Gefühls-Auf-und-Ab, das sie während der Transalp erlebt hat.

BRIGITTE.de: Bei der längsten Etappe der Tour musstet ihr fast 4000 Höhenmeter am Tag überwinden. Du bist 8 Stunden und 50 Minuten quasi nonstop auf dem Mountainbike gesessen. Im Ziel hast du geweint. Was ging in dem Moment in dir vor?

Esther: Ich habe vor Erschöpfung geweint und weil ich so froh war, dass es vorbei ist. Ich war körperlich und mental am Ende. Das Schlimme waren gar nicht die Anstiege. Was mich richtig geschafft hatte, auch mental, waren die schwierigen Abfahrten. Es waren schmale Wege, man konnte niemanden vorbei lassen. Viele Männer sind trotzdem volles Risiko bergab gefahren. Ich wollte eigentlich bedachter fahren, aber dadurch, dass ich die Leute hinter mir nicht vorbei lassen konnte und immer im Nacken wusste, baute sich Druck auf. Ich war viel zu schnell und habe unterwegs auch einige Stürze gesehen. Die Gefahr war mir dadurch sehr bewusst.

BRIGITTE.de: Wie verrückt muss man eigentlich sein, um sich für so ein Rennen anzumelden?

Esther: Mir war nicht richtig bewusst, was da auf mich zukommt. Ich bin zwar sportlich, aber keine große Wettkampf-Sportlerin. Ich habe vorher höchstens mal einen kurzen Silvesterlauf mitgemacht. Ich wusste nicht, wie ich auf die extreme Belastung reagieren würde und was ich mache, wenn es mir zu viel wird. Ob ich zum Beispiel aggressiv werden oder den Wettkampf abbrechen würde.

BRIGITTE.de: Und wie hast du reagiert, als es hart wurde?

Esther: Ich wurde wütend. Das hat mir wieder Kraft gegeben. Das Schwierige für mich waren ja nicht die Anstiege, sondern die Abfahrten. Wenn ich ängstlich oder unsicher war, habe ich meine Wut einfach auf den Rennleiter projiziert und gedacht 'Wie kann der solche Wege aussuchen?'. Durch diese Wut habe ich wieder Kraft bekommen.

BRIGITTE.de: Trotzdem, acht Tage lang jeden Tag wieder aufs Mountainbike zu steigen und Höchstleistungen zu bringen klingt ganz schön hart. Wie hast du dich motiviert?

Esther: Ich fand es in der Vorbereitungszeit viel schwieriger, mich zu motivieren. Ich wohne in Nordhein-Westfalen und habe keine Berge vor der Tür. Nur zwei kleine, die sind 80 Meter hoch. Die musste ich dann zehn Mal rauf und runter fahren, um überhaupt ein paar Höhenmeter zu schaffen. Und dann standen jede Woche 10 bis 12 Stunden Fahrradfahren auf dem Trainingsplan und ich konnte keinen anderen Sport mehr machen. Das war hart für mich. Während des Rennens selbst war es kein Problem, sich zu motivieren. Aussteigen war für mich keine Alternative. Ich wusste, wenn ich aufhöre, scheidet mein Teampartner Christoph automatisch mit aus. Natürlich habe ich auch mal so Sätze gesagt, wie 'Ich habe keine Lust mehr zu fahren. Ich steige jetzt ab und schiebe'. Dann hat Christoph mich wieder motiviert und gesagt 'Ach komm, fahr doch noch 'ne Runde'. Am Berg kann man sich auch daran berauschen, dass man selbst noch auf dem Fahrrad sitzt, während die Ersten schon absteigen und schieben. Manchmal hat mich auch Christoph ein Stück den Berg hochgeschoben.

BRIGITTE.de: Was war dein schönstes Transalp-Erlebnis?

Esther: Das kann ich gar nicht sagen. Die ganze Transalp war so eine Reizüberflutung. Mir geht es wie einem Kind, dass am Sonntag erst in den Zoo darf, danach zum Kindergeburtstag und dann noch zum Grillen und nach diesem Überangebot gar nicht mehr sagen kann, was ihm am besten gefallen hat. Ich habe alles an Gefühlen mitgemacht, was man sich vorstellen kann. Erst die Trauer und Fassungslosigkeit, als sich mein erster Teampartner bei einem Sturz im Training verletzt hat und nicht mehr teilnehmen konnte. Und dann die Erschöpfung und Freude während des Rennens. Sonst plätschert das Leben ja einfach so dahin. Dass ich so etwas Besonderes machen konnte, ist auch ein Schatz für mich persönlich. Wenn es später im Leben mal nicht so gut laufen sollte, kann ich immer auf dieses Erlebnis zurückgreifen.

BRIGITTE.de: Was ging in dir vor, als du über die Ziellinie in Riva gefahren bist?

Esther: Es war keine pure Freude. Ich war zwar einerseits erleichtert, es geschafft zu haben. Aber ich dachte auch 'Jetzt siehst du die Leute nie wieder'. Kein Teamkoch mehr, kein Fotograf, kein Trainer, kein Teampartner und all die anderen. Wir hatten ein sehr enges Verhältnis. Es war unglaublich, wie sehr sich alle mit uns gefreut haben. Aber trotz des nahenden Abschieds war es ein schöner Moment. Ich wollte einfach feiern.

Zum Weiterlesen

Sie wollen mehr über die Transalp-Vorbereitungen der Hobbybiker mit Profi Peter Schlickenrieder und über den Ablauf der Jeantex-Bike-Transalp lesen? Einen ausführlichen Bericht und viele tolle Fotos gibt es in:

Peter Schlickenrieder: Transalp - Hobbybiker auf der härtesten Tour der Welt. Südwest- Verlag, September 2008, 19,95 Euro.

Anmeldung zur Transalp 2009

Sie wollen im nächsten Jahr auch dabei sein? Dann tragen Sie sich schon mal den 7. Dezember 2008, 12 Uhr, in den Kalender ein und machen Sie sich am besten gleich auf die Suche nach einer Teampartnerin oder einem Teampartner. Die Transalp wird immer im Zweierteam gefahren.

Anmelden können Sie sich unter www.bike-transalp.de. Achtung! Die Plätze sind begehrt: Rund 40.000 Interessenten bewerben sich für gut 1000 Startplätze.

Tipp: Am besten melden sich beide Teampartner seperat an. Auch eine schriftliche Anmeldung vorab und gleichzeitig eine Online-Anmeldung am 7. Dezember sind laut Veranstalter in Ordnung.

Die wichtigsten Fakten der Transalp 2009

  • Termin: 18. bis 25. Juli 2009
  • Startgeld pro Person: 595 Euro
  • ca. 600 Kilometer und 19.500 Höhenmeter in 8 Tagen über die Alpen
Interview: Monika Herbst Fotos: Sammy Minkoff, Peter Schlickenrieder

Wer hier schreibt:

Monika Herbst
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