Wii und Co.: Spielend trainieren!

Sport mit der Spielkonsole? Klingt ein bisschen wie Vollwertkost von der Pommesbude. Fünf BRIGITTE-Mitarbeiterinnen probierten es aus und testeten Wii, Playstation und Co.

Die Aerobic-Stunde zum Mitnehmen, das Tanzstudio im Wohnzimmer, der Tennisplatz im Einbauschrank. Für alle Spielkonsolen gibt es mittlerweile Sportprogramme. Und im Vergleich zu Workout-DVDs sind die einen entscheidenden Schritt weiter: Wir sind nicht mehr allein. Kamera und Sensoren beobachten unsere Bewegungen, und virtuelle Trainer tadeln misslungene Übungen und loben Erfolge. Das weckt den spielerischen Ehrgeiz weitaus stärker als eine hüpfende Jane Fonda vom Band, haben Experten festgestellt. Und so boomt der Cyber-Heimsport bereits. "Dieser Trend erklärt sich auch durch den allgegenwärtigen Zeitmangel", meint Antje Schünemann vom Hamburger Trendbüro. "Jeder ist sieben Tage in der Woche 24 Stunden verplant. Zur Fitness kommen wir nur, wenn wir Zeitlücken zwischendurch nutzen." Aber ist das wirklich Sport, wenn man mit einer Art Fernbedienung hin und her fuchtelt, als wäre sie ein Tennisschläger? "So kritisch braucht man nicht zu sein. Dass die Spiele die Lust an Bewegung wecken, ist ein sehr positiver Effekt", sagt Felix Matthäi von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Wer also beim Fitness-Daddeln Spaß hat, der sollte sich ruhig mal zu einem ganz realen Trainingskurs anmelden. Denn das Konsolen- Workout allein macht uns noch nicht zum Sport-Profi, sondern ist vor allem ein Spiel: Man würde ja auch nicht denken, dass man das Zeug zum Immobilienhai hat, wenn man beim Monopoly gewinnt.

Das ist ganz schön motivierend

Anne Otto, freie Journalistin, testet Yoga mit der DS-Konsole

Wie ein Brillenetui sieht die kleine Konsole aus, und genauso gut passt sie in meine Handtasche. So ist sie immer dabei, ich klappe im Büro, im Park und zu Hause den kleinen Computer auf. Meistens für 20 Minuten, mittleres Level. Die Yogalehrerin auf dem Bildschirm wirkt zwar ein bisschen wie die esoterische Schwester von Lara Croft, doch das Entscheidende ist: Sie ist da. Sie turnt mir vor, gibt Yoga-Übungen einen Rhythmus, atmet mit mir ein und aus, lobt meine Versuche mit "gut gemacht". Ob das wirklich stimmt, kann sie nicht wissen. "Let's Yoga" ist ein simples Computerspiel, das nicht misst, ob man eine Übung durchgehalten oder auf der Hälfte die Balance verloren hat. Motivierend ist es trotzdem, man sammelt Punkte für Beweglichkeit, Energie und Balance, und die Grafik ist so perfekt, dass man schnell viel lernt. Einziger Nachteil: Die Stimme mit den Yoga-Anweisungen ist in Englisch.

Nach dem Training bin ich jünger

Antje Kunstmann, BRIGITTE-Mitarbeiterin, testet das WiiFit Balance Board

"Ich liege dir zu Füßen", begrüßt mich die Plastikscheibe und wird dann schnell frech: 54 beträgt mein WiiFit-Alter - gut zwei Jahrzehnte mehr, als ich zähle! Dabei habe ich beim ersten Gleichgewichtstest nur kurz gewackelt, die Drucksensoren haben's trotzdem gemerkt. Ich muss also was für meine Balance tun. Mein Mii, das ist mein Alter Ego auf dem Bildschirm, darf deswegen skispringen, joggen, seine, also auch meine Muskeln trainieren und den Yoga-Sonnengruß einstudieren. Ohne mich groß anzustrengen, spüre ich irgendwann auf angenehme Weise meinen Körper. Und lustig ist es auch, wenn ich mal wieder den Absprung verpasse und mein Mii in einer Schneekugel die Skischanze herunterpoltert. Aber möchte ich so wirklich dauerhaft trainieren? Der schlechten Grafik wäre ich bald überdrüssig. Doch mein sportlicher Ehrgeiz schwindet eh schon früher: Nach vier Tagen ist mein Mii nämlich bereits jünger als ich.

Ein nörgelnder Pixelhaufen

Annette Simons, stellvertretende BRIGITTE-Art-Directorin, testet "Eye Toy Kinetic-Kombat" für die Play-Station

Der Anfang geht noch: Schwungvoll versuche ich, die gleichen Bewegungen zu machen wie der computeranimierte Kampfsportler vor mir. Eine Kamera projiziert meine Versuche auf den Bildschirm, so dass ich mich mit meinem Vorbild immer sofort vergleichen kann. Mein Eindruck: Das geht gut. Doch der Trainer ist da anderer Meinung: schlecht! Als ich schließlich völlig fertig und verschwitzt vor dem Fernseher liege, macht mein Coach, der eben noch versprach, mich zu motivieren, dann noch abschätzige Bemerkungen. Mein Verhältnis zu dem nörgelnden Pixelhaufen verschlechtert sich mit jedem Trainingstag, auch nachdem meine computerbegeisterten Kinder Technik und Kamera geprüft haben. Dabei habe ich es beim realen Karate immerhin schon bis zum grünen Gürtel gebracht. Übrigens: Die höchste Punktzahl erreiche ich dann irgendwann im Zweikampf, als ich eher wahllos in der Luft rumboxe . . .

Nicht denken, tanzen!

Nikola Haaks, BRIGITTE-Ressortleiterin Gesundheit, Diät, Fitness, testet "Dancing Stage Universe" für die X-Box

Was will eigentlich dieser schlechte James- Brown-Verschnitt von mir? "Don't think, just dance", quäkt eine Stimme, und James wackelt lasziv mit seinem Computerhintern. Ich stehe vor meinem Fernseher auf einer knisternden Plastikmatte mit aufgemalten Feldern, in die ich nach Anweisung meine Füße setzen soll. Der virtuelle James macht es am Bildschirm vor bzw. von unten nach oben sausende Pfeile illustrieren die Schrittfolge. Ich stehe mit lockeren Hüften da und beginne mit dem Modus Basic-Edition. Tritt man zufällig zur richtigen Zeit ins richtige Feld, gibt es ein "Perfect!", ist man zu langsam, gibt es ein "Boo". Mit Tanzen hat das aber nicht viel zu tun. Die Pfeile sind viel zu schnell, meine Bewegungen holzschnittartig, das Programm ist zu unübersichtlich. Vielleicht braucht man viel Training - wie im echten Leben. Ich resigniere. "What are you waiting for?", ruft die Quäkstimme. Ach, lass mich in Ruhe, James!

Ich bekomme eine Silbermedaille

Sinja Schütte, Redaktionsleiterin BRIGITTE Balance, testet die WiiFit Golf, Tennis, Boxen

Ich schaffe es nicht! Nicht das Training ist so anstrengend - an die Wii zu kommen schafft mich. Immer ist mein Mann schon da. Aber Männer sind eitel, und so lässt er mich schließlich ran bei der Aussicht, mich zu besiegen. Ich nehme die Wii-Fernbedienung, lege die Schlaufe um mein Handgelenk und trete auf den virtuellen Golfplatz. Ich kann meine Schläger wählen und mache ein paar Probeschwünge. Die Wii zeigt mir dabei mit Grafik und akustischem Signal, wie schief und weit mein Schlag ist - sehr schief und nicht sehr weit. Doch als es ernst wird, fliegt mein Ball kerzengerade und wunderbar weit aufs Fairway, wo er hinsoll! Jetzt ist der Mann an meiner Seite dran, eigentlich ein deutlich besserer Golfer als ich, und er verpatzt es, der Ball landet im Gras, der nächste Schlag geht zu weit und so fort. Am Ende überreicht mir die Wii eine Silbermedaille, und mein Mann fordert Revanche - diesmal will er Tennis spielen . . .

Texte: Anne Otto, Antje Kunstmann, Annette Simons, Nikola Haaks, Sinja Schütte Ein Artikel aus der BRIGITTE 19/08

Wer hier schreibt:

Antje Kunstmann Anne Otto
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