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Schweißausbrüche Das kann hinter extremem Schwitzen stecken

Schweißausbrüche: Frau kann nicht schlafen
© stokkete / Adobe Stock
Schweißausbrüche sind nervig und haben auch im mittleren Alter nicht immer mit der hormonellen Umstellung zu tun. Wir besprechen die wichtigsten Ursachen und was unbedingt ärztlich abgeklärt werden sollte.

Das sind die Wechseljahre! Ein naheliegender Gedanke, wenn man jenseits der 40 ist und das Nachthemd schweißnass am Körper klebt oder die Tropfen den Rücken hinunterrinnen, während man sich die Jacke vom Leib reißt. 

Die Sache ist aber: Hinter Schweißausbrüchen können auch ganz andere Gründe stecken. Aufmerksam sollte man werden, wenn nächtliches Schwitzen ohne erkennbare Ursache über einen längeren Zeitraum regelmäßig und intensiv auftritt, also Kleidung, Kissen und Decke richtiggehend durchnässt sind, sagt Professor Dr. Petra-Maria Schumm-Draeger, Fachärztin für Innere Medizin aus München.

Ursachen für Schweißausbrüche

Selten gibt es Zusammenhänge mit neurologischen Erkrankungen (z. B. Parkinson) oder Krebserkrankungen. "Vor allem wenn das Schwitzen zusammen mit unklarer Gewichtsabnahme auftritt oder von neurologischen Ausfällen begleitet wird, ist ein gründlicher medizinischer Check-up wichtig", so Schumm-Draeger. In den allermeisten Fällen sind die Auslöser aber weniger dramatisch – und dennoch ist es wichtig, sie auf dem Zettel zu haben.

Botenstoffe in Aktion: Schilddrüsenerkrankungen

Kleines Organ, große Wirkung: Unsere Schilddrüse mischt bei vielen Körpervorgängen mit. "Besteht eine Hyperthyreose, produziert die Schilddrüse zu viele Schilddrüsenhormon-Botenstoffe. Das kann tagsüber und auch nachts verstärktes Schwitzen auslösen", erklärt die Internistin. "Gerade bei jüngeren Frauen ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, die Basedow-Erkrankung, denkbar, am häufigsten wird eine Schilddrüsenüberfunktion in Deutschland aber von überfunktionierenden (,heißen‘) Schilddrüsenknoten ausgelöst."

Was untersucht wird: Die Blutwerte zeigen eine erhöhte Produktion von Schilddrüsenhormonen an, im Ultraschall erkennt man Auffälligkeiten des Organs.

Was man dagegen tun kann: Mit Medikamenten lässt sich eine Überproduktion von Schilddrüsenhormonen in der Regel bremsen. In manchen Fällen ist eine Operation oder Radiojodtherapie notwendig.

Abwehr auf Hochtouren: Infektionskrankheiten

Sobald der Organismus das Abwehrsystem und die Körpertemperatur zur Bekämpfung eines Infekts hochfährt, ist nächtliches Fiebern und Schwitzen sogar erwünscht. "Auch eine bakterielle Erkrankung wie eine eitrige Mandelentzündung strengt den Körper an und geht häufiger mit Nachtschweiß einher", sagt Petra-Maria Schumm-Draeger. Und selbst wenn der Infekt bereits überstanden ist, leistet der Körper in der Erholungs- und Stabilisierungsphase noch Höchstarbeit – das Schwitzen kann also auch in den Tagen und Wochen danach auftreten.

Was untersucht wird: Akut erhöhte Entzündungswerte zeigen sich im Blutbild, zum Beispiel durch Rachen- oder Nasenabstriche können Viren und Bakterien nachgewiesen werden.

Was man dagegen tun kann: Viel trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, sowie Schonung. Gegen bakterielle Entzündungen werden teilweise Antibiotika verschrieben, bei Kopf- und Gliederschmerzen helfen Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen.

Schlaf-Saboteure: Schnarchen & Atemaussetzer

Beides bedeutet für den Körper Stress, auf den er häufig mit schweißgebadetem Erwachen reagiert. "Wird der Nachtschweiß von Erschöpfung und Tagesmüdigkeit begleitet und ist Schnarchen bekannt, sollte man einen Schlafmediziner aufsuchen", rät Petra-Maria Schumm-Draeger.

Was untersucht wird: Im Schlaflabor werden unter anderem Schlaftiefe und -dauer sowie Sauerstoffversorgung gemessen, in der HNO-Praxis lässt sich feststellen, ob die Atemwege verengt sind.

Was man dagegen tun kann: Gewichtsabnahme und der Verzicht auf Alkohol bringen oft schon eine Verbesserung. Nachts die Rückenlage zu vermeiden reduziert ebenfalls das Schnarchen. Bei ausgeprägter Schlaf-Apnoe wird eine Überdruckbehandlung mit einer Schlafmaske notwendig.

Stressbedingte Schweißausbrüche: Psychische Erkrankungen

"Krankhaft übersteigerte Angstgefühle im Rahmen einer Angst- oder Panikstörung lösen häufig Schwitzattacken im Verbund mit weiteren Stresssymptomen aus", sagt die Internistin. Dann fließt also nicht nur der Schweiß, sondern auch das Herz rast. Auch eine vorübergehende hohe familiäre oder berufliche Belastung kann übermäßiges Schwitzen auslösen, weil das sympathische Nervensystem sich dann in Dauererregung befindet.

Was untersucht wird: In einer gründlichen ärztlichen Befragung werden Stressfaktoren abgeklärt, Blutuntersuchung und Elektrokardiogramm (EKG) geben Hinweise auf möglicherweise bestehende Herz-Kreislauf-Probleme.

Was man dagegen tun kann: Stressabbau, zum Beispiel durch konkrete Entspannungstechniken, regelmäßigen Ausdauersport und gezielte Ruhephasen. Wird eine Angsterkrankung diagnostiziert, kann diese durch eine Psychotherapie und eventuell auch mit Medikamenten behandelt werden.

Übermäßige Schweißproduktion: Hyperhidrose

Manche Menschen schwitzen einfach viel mehr als andere. Das kann sehr belastend und qualvoll sein und gilt als Krankheit, wenn es das tägliche Leben einschränkt. Dann spricht man von der Hyperhidrose, dem übermäßigem Schwitzen ohne einen erkennbaren Grund. Eine Hyperhidrose kann zum Beispiel die Hände, die Füße oder auch die Achseln ("primäre axiliäre Hyperhidrose") betreffen.

Was untersucht wird: Spezialisierte Hautärzt:innen – in Praxen oder in den Schwitzambulanzen von Universitätskliniken – testen, wo übermäßig viel Schweiß fließt und wie viel es ist. Und natürlich müssen alle anderen möglichen Ursachen der Schweißausbrüche für die Diagnose "Hyperhidrose" ausgeschlossen werden.

Was man dagegen tun kann: Bei Schweißhänden und -füßen ist die sogenannte Leitungswasser-Iontophorese ein vielversprechendes Verfahren. Dabei wird das betroffene Körperteil in ein Bad getaucht, durch das schwacher Gleichstrom fließt, dieser kann dann die Schweißdrüsen runterfahren. An den Achseln kommt neuerdings eine Creme mit einem (verschreibungspflichtigen) Arzneistoff zum Einsatz. Er blockiert bestimmte Rezeptoren, die Schweißdrüsen aktivieren. Eine Hoffnung für Betroffene, denn die bisherigen Behandlungsmöglichkeiten sind schmerzhaft: Das Nervengift Botulinumtoxin wird mit etwa 25 Piksern pro Achsel und Sitzung gespritzt. Es kann nicht nur Falten, sondern auch Schweißdrüsen lahmlegen – und ist für viele immer noch angenehmer, als sich diese herausoperieren zu lassen.

Brigitte

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