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Lange geschlafen und trotzdem nicht erholt? Woran es liegen kann, dass du immer noch erschöpft bist

Erholungstyp: Frau sitzt müde im Bett
Und welcher Erholungstyp bist du? 
© Drobot Dean / Adobe Stock
Erst wenn ihr wisst, wodurch ihr euch ausgelaugt fühlt, kann richtige Erholung gelingen. Eine Expertin hat nun verraten, welche Erholungstypen es gibt und worauf es ankommt. 

Ihr glaubt zu wissen, was euch zurzeit stresst und auslaugt? Ahnt ihr auch, welcher Erholungstyp ihr seid? Ich wusste es lange nicht. Und ich vermute, dass es vielen so geht: Man ruht sich aus und fühlt sich trotzdem nicht entspannt. Wie kann das sein? Laut einer Expertin kann es daran liegen, dass es verschiedene Erholungstypen gibt. Bedeutet: In manchen Erschöpfungsphasen fördern gewisse Dinge unsere Erholung mehr. Also lasst uns herausfinden, was zu eurer Erschöpfung beiträgt, um zu erkennen, wie ihr euch in Zukunft effektiver erholen könnt.

Ich bemerkte, irgendetwas stimmt nicht mit mir… 

Vor einigen Monaten hatte ich von einem auf den anderen Tag das Bedürfnis, mein Handy aus dem Fenster zu werfen. Ich zog mich zurück und verabredete mich nur für maximal zwei Stunden mit Freundinnen – längere Treffen überforderten mich. Kam ich abends nach Hause, musste ich erst einmal runterfahren, bevor ich schlafen konnte. WhatsApp-Nachrichten beantwortete ich teilweise wochenlang nicht und auch Instagram ignorierte ich problemlos. Ich merkte, dass irgendetwas nicht stimmte. Heute weiß ich, ich hatte eine sogenannte soziale Erschöpfung. Diese ist nur eine von sieben verschiedenen Erschöpfungsbereichen.

In einem Interview mit der Zeit erklärt die US-amerikanische Internistin und Autorin Dr. Saundra Dalton-Smith, wie sich die Erschöpfungsbereiche unterscheiden und vor allem, wie wir die sieben verschiedenen Erholungsarten anwenden können. Sie ist der Meinung, dass es nicht nur darum gehe, "sich bei einem Urlaub oder auf der Couch zu entspannen, sondern darum, gezielt auf der Ebene anzusetzen, auf der wir ein Erholungsdefizit haben." Anhand ihrer Recherchen und ihrer Patient:innengespräche erkannte sie, dass Erschöpfungssymptome oft gleich aufgebaut sind.

Die 7 Erholungstypen:

Dalton-Smith sagt, dass es folgende sieben Arten der Erholung gibt. Die körperliche, mentale, spirituelle, emotionale, soziale, sensorische und kreative Erholung. In jedem dieser Bereiche könne man laut der Expertin erschöpft sein und eine bestimmte Art der Erholung brauchen. 

1. Der körperliche Erholungstyp 

Nacken-, Rücken- oder Kopfschmerzen können zum Beispiel auf ein körperliches Erholungsdefizit hindeuten. Wer einen Bürojob ausübt und viele Stunden am Tag sitzt, wird das Gefühl kennen, sich nach der Arbeit erschöpft und ausgelaugt zu fühlen, aber sich eigentlich nicht viel bewegt zu haben. In dem Fall heißt es: auspowern! Sport und Bewegung tun gut. Wer allerdings einen Beruf ausübt, bei dem er:sie körperlich viel leisten muss, sollte viel schlafen und sich nach der Arbeit nicht überanstrengen. Lange Duschen, Badewannen-­Ses­sions oder Saunagänge können in diesem Fall entspannend wirken. 

2. Der soziale Erholungstyp 

In meinem Fall war ich eine Zeit lang umgeben von zu vielen Menschen, die zu viel von mir wollten. Das musste ich reduzieren. Ich fühlte mich mehr zu den Freundinnen hingezogen, bei denen ich ich selbst war, die nichts forderten und die mir aufrichtig zuhörten. Bei denen ich mich fallen lassen konnte. Mittlerweile weiß ich genau, mit wem sich die gemeinsame Zeit wie Erholunganfühlt. Ob Freund:innen oder die Familie – soziale Erholung ist also oft Zeit mit den Liebsten zu verbringen. 

3. Der sensorische Erholungstyp 

Von einer sensorischen Überreizung spricht man, wenn mehr Sinnesreize empfangen werden, als das Gehirn verarbeiten kann. Gerüche, Geräusche, Bilder, Gefühle, Gedanken oder Bewegungen können beispielsweise eine sensorische Erschöpfung auslösen. Dies kennen viele Eltern. Ist plötzlich ein Baby im Haus oder hat die Familie sogar mehrere Kinder, ist es oft laut und wild zu Hause. Auch in manchen Berufen können mehrere Sinnesreize überfordern und ein Stressfaktor sein. Zum Beispiel im Großraumbüro. Um spontane Wutausbrüche oder Gereiztheit zu vermeiden, empfiehlt es sich beispielsweise Ohrstöpsel zu tragen, wenn man in einer lauten Geräuschkulisse arbeitet und sich damit überfordert fühlt. Regelmäßige Bildschirmpausen oder generell digitale Auszeiten sind das A und O bei sensorischer Erholung

4. Der emotionale Erholungstyp 

Wer zum Beispiel im Berufsalltag unter hohem Druck steht, sich immer verstellt, täglich freundlich und angepasst sein muss, könnte sich irgendwann auf der emotionalen Ebene erschöpft fühlen. In dem Fall kann ein Spaziergang mit der:dem beste:n Freund:in guttun oder dem:der Partner:in. Das Wichtige sei, dass man sich öffne und über die Dinge spreche, die einen bewegen. Alles einfach mal rauslassen. Unterstützend kann auch ein Tagebuch sein, in das man seine Gefühle schreibt. 

5. Der mentale Erholungstyp 

Ob Schlafstörungen, Vergesslichkeit oder eine auffällige Konzentrationsschwäche – von einer mentalen Erschöpfung kann man sich erholen! Die systemische Coachin, Gedächtnistrainerin und Autorin Lena Wittneben plädiert für Musik, um sich mental zu erholen. Ihr Tipp: 10 Lieblingshits zusammenstellen und regelmäßig anhören. Zudem soll laut Dalton-Smith auch Sport sehr hilfreich sein, um den Kopf freizubekommen. Also worauf wartest du? Ab in die Laufschuhe! 

6. Der spirituelle Erholungstyp 

Seit der Pandemie hinterfragen viele Menschen ihren Beruf oder ihren Alltag. Manche stellen dabei fest, dass sie auf der Suche nach mehr Sinn im Leben sind. Die Frage danach sei auch eine Art der Erholung, meint Dalton-Smith. Religion oder eine Glaubensgemeinschaft könnten bei einer solchen Art von Stress hilfreich sein. Wobei nicht nur der Glaube etwas verändert, auch soziales Engagement wie beispielsweise ehrenamtliche Tätigkeiten können Kraft geben. 

7. Der kreative Erholungstyp 

Für manche wirkt ein Theaterabend oder ein Museumsbesuch entspannend. Andere sehnen sich danach, Musik oder einen Podcast zu hören und wieder andere nehmen den Pinsel in die Hand und malen drauf los, um herunterzufahren. Aber nicht nur kulturelle Beschäftigungen können kreative Erholung schaffen, auch Zeit in der Natur wie ein langer Spaziergang im Wald, am Strand oder in den Bergen sorgt für einen Ausgleich.  

Fazit: Wenn wir das nächste Mal lange geschlafen haben und uns trotzdem nicht erholt fühlen, sollten wir tief in uns hinein hören. Was gibt uns Kraft? Vielleicht tut uns eher ein Konzert, ein ausgiebiger Spaziergang mit Freund:innen oder eine Doku zur intellektuellen Stimulation gut. Die Expertin meint, dass es besonders wichtig sei, "bewusst zu planen, wie man seine Zeit für Ruhe und Erholung nutzt".

Ich werde in Zukunft intensiv auf eine gute Balance achten. Von Ruhe und Gelassenheit bis hin zu Anspannung und Anstrengung – ich werde die goldene Mitte für mich finden.

Verwendete Quellen: zeit.de, hrtoday.ch, utopia.de, capital.de

Brigitte

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