"So fühlt es sich an, im Koma zu liegen"

Claire Wineland lag zwei Wochen im künstlichen Koma. Wie es ist, im Koma zu liegen, und was sie mitbekommen hat, erzählt sie im Video.

Sich nicht mitteilen zu können, nicht mehr ansprechbar zu sein, nichts mehr von der Umwelt mitzubekommen - diese Vorstellung jagt wohl jedem von uns eine Heidenangst ein.

Claire Wineland (17) lag zwei Wochen in einem künstlichen Koma und bringt nun in einem Video auf ihrem Youtube-Kanal "The Clairity Project" Licht ins Dunkel.

"Du hörst und bekommst alles mit"

"Alles, was in der realen Welt passiert, hörst du und bekommst du mit. Du weißt ungefähr, was los ist", erzählt Claire. Nur die Wahrnehmung sei eine andere – wie durch einen Filter. Mit "Filter" meint sie die Medikamente, die ihr verabreicht wurden. Dadurch würden Worte und Handlungen aus der realen Welt in unterschiedlichster Weise Einfluss auf Gedanken und Träume nehmen.

Wahrnehmung im künstlichen Koma

"Ich war noch nie in Alaska. Hatte eigentlich nie Interesse an diesem Land. Doch während des Komas hatte ich immer wieder diese Vorstellung, wie ich durch Alaska laufe. Es war wunderschön. Ich habe über Stunden die wundervolle Landschaft beobachtet, trotz der klirrenden Kälte."

Nachdem Claire aus dem Koma erwachte, erklärten ihre Eltern, was wirklich geschehen war. Wegen eines starken Fiebers war sie mit Kühl-Packs behandelt worden, um die Temperatur zu senken. "Aus dem Fakt, dass mein Körper gekühlt werden musste, hat mein Gehirn irgendwie den Schluss gezogen: Eis. Alaska. Das ist total logisch."

Stimmen - und was sie im Koma bedeuten können

Im Dämmerschlaf bekommt Claire mit, wie sich ihre Mutter darüber unterhält, was die Krankenschwestern über ihren Zustand sagten.

"Ich habe gehört, was gesagt wurde, aber mein Kopf hat etwas ganz anderes daraus gemacht. Ich war in einem Mädchen-Sommercamp und alle haben gelästert – und ich habe mitgemacht, mich mit ihnen unterhalten."

Claire beschreibt, dass sie im Koma bekannte Stimmen wie die ihrer Eltern mit einem wunderschönen Ort verband, an dem sie sicher und geborgen war. Stimmen von Menschen, die sie nicht kannte, versetzten sie dagegen an einen fremden Ort, an dem sie sich verloren fühlte.

Künstliches Koma: Was Claire Wineland gelernt hat

Claire Wineland ist eine starke Persönlichkeit. Sie hat zystische Fibrose – eine angeborene und bisher unheilbare Stoffwechselerkrankung, bei der der Salz- und Wassertransport in den Zellen gestört ist und übermäßig produzierter Schleim in den inneren Organen nur schwer abgebaut werden kann.

Für Claire bedeutet das Leben mit der Krankheit vor allem unzählige Krankenhausaufenthalte, an die 30 Operationen und tägliche Atemübungen. Auf ihrem Blog berichtet sie über das Leben mit der Krankheit und ermutigt andere, positiv zu denken und das Leben in vollen Zügen zu leben.

"Im Koma zu sein, ist wie eine vergrößerte, intensive Version unserer eigenen Träume."

Und die soll man bekanntlich leben.

KG
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