Gebärmutterhalskrebs: Was bringt der "Pap-Test"?

Nachdem er schon lange ein Standard ist, sind sich Mediziner nicht mehr einig: Ist der regelmäßige Abstrich wirklich ein guter Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs?

"Pap-Test" oder HPV-Screening - was ist besser?

Seit über vierzig Jahren ist der Abstrich ein Standard in deutschen Arztpraxen: Einmal pro Jahr, so war bisher Konsens, sollten Frauen sich ein paar Zellen vom Gebärmutterhals entnehmen lassen, die dann im Labor getestet werden. Gebärmutterhalskrebs lässt sich so schon im Frühstadion feststellen, wo er noch sehr gute Heilungschancen hat. Trotzdem ist Gebärmutterhalskrebs mit knapp 1500 Todesfällen pro Jahr immer noch eine der verbreitetsten Krebserkrankungen für Frauen.

Obwohl die Zahl der Erkrankungen durch die Einführung der regelmäßigen Tests dramatisch reduziert werden konnte, ist nun im Gespräch, auf eine andere Methode umzusteigen. Peter Hillemans ist Direktor der Klinik für Frauenheilkunde an der Medizinischen Hochschule Hannover und Leiter einer Kommission, die bis zum Herbst eine neue Leitlinie zur Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung festlegen soll. Gegenüber der SZ sagte er: "Studien zeigen, dass sich mit einem anderen Testverfahren die Häufigkeit von Gebärmutterhalskrebs weiter senken lässt."

Gemeint ist ein Test auf HPV-Viren: Da Gebärmutterhalskrebs nur durch sexuellen Kontakt entsteht, könnte so ein Test den regelmäßigen Abstrich ersetzen, wenn die betreffende Frau in einer monogamen Beziehung lebt. Laut einer Studie ist dieses Testverfahren deutlich effektiver bei der Krebs-Prävention als der jährliche Abstrich. Tatsächlich sehen Experten in dem jährlichen Test auch zusätzliche Risiken: Wenn häufig getestet wird, kommt es auch zu vielen positiven Befunden, die weitere Behandlungen nach sich ziehen. Manche Experten meinen jedoch, dass viele dieser Behandlungen überflüssig seien, und selbst neue Risiken für die Gebärmutter mit sich brächten.

Deutschland ist tatsächlich in der Häufigkeit, mit der getestet wird, auch im internationalen Vergleich Spitzenreiter: In einem BRIGITTE-Interview sagte die Gesundheitswissenschaftlerin Ingrid Mühlhauser, dass andere europäische Länder mit größeren Abständen (bis zu fünf Jahre) zwischen den Screenings praktisch die gleichen Erfolge in der Früherkennung hätten wie Deutschland. Eine Alternative könnte das so genannte "Wolfsburger Modell" sein: In dieser Studie wurden Pap-Abstrich und HPV-Test erfolgreich kombiniert.

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Dem neuen Testverfahren widerspricht allerdings der Bundesverband der Frauenärzte, der mittlerweile nicht mehr Teil der Kommission ist. Dort vermutet man wirtschaftliche Interessen hinter dem Kurswechsel: Hillemanns, so der Vorwurf, stehe in Verbindung mit den Produzenten der von ihm gepriesenen HPV-Tests. Umgekehrt erheben HPV-Test-Befürworter den Vorwurf, dass Frauenärzte natürlich auch ein wirtschaftliches Interesse daran haben, weiter die regelmäßigen Abstriche durchzuführen.

Bis zum Herbst soll die von Dr. Hillemanns geleitete Kommission neue Leitlinien erstellen - bis dahin könnte es noch neue Erkenntnisse und Studien geben. Bis endlich eine Entscheidung gefallen ist, sollten Sie allerdings nicht auf den regelmäßigen Pap-Abstrich verzichten. Umstritten ist schließlich nur, ob es vielleicht eine noch bessere Früherkennungs-Methode geben könnte - niemand bestreitet, dass der "Pap-Test" effektiv ist und schon Tausende von Leben gerettet hat.

heh
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