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Alkoholsucht Neurowissenschaftler warnt: Über diese 5 Warnzeichen redet niemand

Alkoholsucht: Es gibt bestimmte Warnzeichen, die vielen nicht auffallen
Alkoholsucht: Es gibt bestimmte Warnzeichen, die vielen nicht auffallen
© Gregory Lee / Adobe Stock
Es gibt nicht nur die eine Form von Alkoholsucht. Ein Neurowissenschaftler nennt fünf Warnzeichen, die viele Menschen gar nicht erkennen.

"Alkohol ist das Drahtseil, auf dem Du stehst / Alkohol ist das Schiff, mit dem Du untergehst" – nicht nur Herbert Grönemeyer hat das Hochprozentige besungen. Täglich gibt es in Deutschland etwas zu feiern: den Geburtstag, die Beförderung, das Jubiläum, die Eröffnung, die Schließung, den Beginn des einen, das Ende des anderen. Einen Anlass zum Anstoß gibt es immer, irgendwo auf der Welt ist schließlich gerade Happy Hour. 

Alkoholsucht hat viele Gesichter

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, die zu funktionieren hat, nicht nur deswegen ist Alkoholsucht ein schwieriges Tabuthema. Laut dem Bundesministerium für Gesundheit konsumieren 6,7 Millionen Menschen der 18- bis 64-Jährigen in Deutschland Alkohol in gesundheitlich riskanter Form. Redet man da schon von Alkoholiker:innen? Nein, wie aus einer Studie der Epidemologischen Suchtsurvey (ESA) hervorgeht, gelten von den 6,7 Millionen Menschen 1,6 Millionen als alkoholabhängig.

Alkoholsucht hat viele Gesichter, wie es das Suchtportal erklärt: "Die Grenzen zwischen einem riskanten Alkoholkonsum, bei dem regelmäßig große Mengen Alkohol getrunken werden, und dem 'ganz normalen' Genuss verlaufen fließend." Elvin Morton Jellinek war einer der Erforscher der Alkoholkrankheit und entwickelte fünf Kategorien von Personen mit Alkoholproblemen:

  • Alpha-Trinker:innen sind Erleichterungstrinker:innen, die versuchen, mit Alkohol ihre Probleme zu lösen. Sie halten ihren Konsum unter Kontrolle.
  • Beta-Trinker:innen sind Gelegenheitstrinker:innen. Sie leiden vor allem unter Folgekrankheiten durch den Konsum wie bspw. Leberschäden.
  • Gamma-Trinker:innen sind Suchtkranke, die vom Alkohol seelisch wie auch körperlich abhängig sind.
  • Delta-Trinker:innen sind seelisch, aber nicht körperlich abhängig. Sie können ihren Konsum relativ lange unter Kontrolle halten.
  • Epsilon-Trinker:innen sind mitunter wochenlang abstinent und trinken dann vollkommen unkontrolliert tagelang.

Die Gesellschaft hat ein klares Bild von einer alkoholkranken Person: Sie ist beispielsweise äußerlich verwahrlost, redet nur noch undeutlich und sinnentleert, hat eine aufgequollene Nase und ist gesellschaftlich am Boden. Aber dem muss nicht so sein. Viele alkoholsüchtige Menschen "funktionieren" sehr lange und sehr gut. Die Entwicklung der Alkoholsucht ist ein langer und oftmals schleichender Prozess, bei dem einige Warnsignale mitunter gar nicht als solche wahrgenommen werden.

Alkoholismus: Die Grauzone, über die niemand spricht

Dr. Daniel Amen, Psychiater und Neurowissenschaftler, postet regelmäßig auf Instagram und TikTok Beiträge über gesundheitliche Themen. In einem aktuellen Post spricht er über die "Grauzone des Alkoholkonsums", über die selten gesprochen werde. "Es ist dann so, dass Sie nicht vollkommen süchtig sind, aber auch nicht wirklich von einem gesunden Umgang mit Alkohol gesprochen werden kann", erklärt er in seinem Video. Folgende Anzeichen sind für ihn ein Warnsignal:

  • Das Trinken bringt dich in Schwierigkeiten: Das kann sich auf die Gesundheit, Beziehungen, Probleme mit dem Gesetz, oder Finanzen beziehen. "Wenn Sie trotzdem noch einmal trinken, haben Sie ein Problem", so der Wissenschaftler.
  • Filmrisse: Auch bekannt als "Blackouts". Diese entstehen, wenn Alkohol die Kommunikation der Gehirnzellen untereinander stört – neue Informationen werden aus diesem Grund schlechter im Kurzzeitgedächtnis gespeichert. Experimente an Nagetieren konnten feststellen, wie hoch die Blutalkoholkonzentration sein muss, um einen solchen Filmriss auszulösen: Sie liegt etwa bei 2,4 Promille. Sich nicht an den Vorabend erinnern zu können, das eigene Gehirn derart vergiftet zu haben – und trotzdem wieder zu trinken – sei für den Wissenschaftler ein klares Warnsignal.
  • Giftige Worte gegen das soziale Umfeld: Wer trinkt und dann das eigene Umfeld (Freund:innen, Familie, Partner:in) verbal attackiert, befindet sich laut dem Psychiater bereits nicht mehr in einer Grauzone – "hier wird es schwarz".
  • Probleme mit der Aussprache: "Wenn Sie das Gefühl haben, Ihnen fehlen die Worte, kann das ein Zeichen dafür sein, dass der Alkohol für Sie zum Problem geworden ist", warnt Dr. Amen.

An wen können sich Betroffene wenden?

Wenn du feststellst, dass es so nicht weiter geht und du Hilfe brauchst, hast du mehrere Möglichkeiten: Der Hausarzt kann zum Beispiel erklären, wie ein Entwöhnungsprozess abläuft und auf Wunsch eine Überweisung in ein Krankenhaus ausstellen. Dort wird der Körper zunächst entgiftet. Zudem gibt es bundesweit mehr als 1.300 psychosoziale und Sucht-Beratungsstellen, die dir helfen können, den für dich richtigen Weg zu finden. Gefährlich ist eine Entgiftung auf eigene Faust: Entzugserscheinungen wie Krampfanfälle können lebensbedrohlich sein und müssen dann schnell von einem Arzt behandelt werden.

Verwendete Quellen: lifeline.de, dassuchtportal.de, instagram.com, spektrum.de, dhs.de, bundesgesundheitsministerium.de, esa-survey.de, apotheken-umschau.de

cs Brigitte

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