Allergie: Überraschung beim Waschen

Produkte für Allergiker und Neurodermitis-Kranke gibt es viele. Doch wie soll man sich bei den vielen Angeboten zurecht finden? Hier der Erfahrungsbericht einer Betroffenen, zu dem eine Expertin Stellung nimmt.

Sonja Feldmann (23) leidet seit Ihrer Geburt an Neurodermitis und einer Allergie gegen verschiedene Obst- und Gemüsesorten. Seit einigen Jahren reagiert sie auch auf Konservierungsstoffe mit Ausschlag. Wie geht sie damit um? Und was kann sie verbessern? Dr. Antonie Roll vom Hamburger Dermatologikum gibt Tipps.

Sonjas Allergie-Geschichte

"Eigentlich wäre es fast schon leichter, die Dinge aufzuzählen, gegen die ich nicht allergisch bin, so viele Allergien habe ich. Da wären zum Beispiel zahlreiche Obst- und Gemüseallergien, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben. Ich reagiere schon so lange überempfindlich auf Äpfel, dass ich gar nicht mehr weiß, wie ein frischer Apfel schmeckt. Vor vier Jahren habe ich erfahren, dass ich gegen einen bestimmten Konservierungsstoff allergisch bin - er heißt Natriumbenzoat und ist in vielen Cremes und Lebensmitteln enthalten. Dazu kommt eine Allergie gegen ein Tensid (Cocamidopropylbetain). Tenside werden zum Beispiel in Waschmitteln, Spülmitteln und Shampoos verwendet, um Schmutz besser lösen zu können.

Seit meiner Geburt habe ich Neurodermitis, die aber immer unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Wenn ich irgendwas esse, gegen das ich allergisch bin, jucken meine Lippen, mein Mund und mein Hals. Manchmal rötet sich die ganze Haut, oft auch wenn ich nervös oder aufgeregt bin.

Mit meinen Obst- und Gemüseallergien komme ich recht gut klar, da ich die meisten Sachen im gegarten Zustand essen kann. Bei den beiden anderen Allergien ist es komplizierter. In vielen Shampoos und Flüssigseifen ist dieses Tensid mit dem unaussprechlichen Namen enthalten. In Getränken und Fertigsalaten findet man oft Konservierungsstoffe.

Wenn ich mir ein neues Shampoo, eine Seife, Zahnpasta, Spülmittel oder einen Kartoffelsalat aus der Kühltheke kaufen will, muss ich immer auf die Liste der Inhaltsstoffe schauen. Blöd ist, wenn in Restaurants auf der Speisekarte nur steht "enthält Konservierungsstoffe" und nicht genau angegeben ist, welche verwendet wurden. Meistens ist es mir unangenehm, nachzufragen, auch, weil viele Kellner es sowieso nicht wissen. Wenn ich mir irgendwo die Hände waschen will und nicht weiß, was in der Seife enthalten ist, versuche ich, die Seife nur mit den Handinnenflächen in Kontakt kommen zu lassen, dort ist meine Haut nicht so empfindlich.

Meine Neurodermitis habe ich ganz gut im Griff, seit mein Hausarzt mir vor sieben Jahren eine Kortisoncreme verschrieben hat. Die benutze ich, wenn es mal wieder schlimm wird. Es heißt ja oft, dass man von Kortison pergamentartige Haut bekommt. In den sieben Jahren ist meine Haut aber überhaupt nicht dünner geworden. Ich bin richtig froh, dass mein Arzt mir zu Kortison geraten hat, denn dadurch verheilt meine Haut sehr schnell, wenn ich sie aufgekratzt habe.

Nachdem ich erfahren hatte, dass ich gegen dieses Tensid und den Konservierungsstoff allergisch bin, musste ich fast alle Pflegeprodukte wegwerfen, die ich zu Hause hatte. Ich war erstaunt, wie viele Produkte mindestens einen der beiden Stoffe enthalten. Die Suche nach neuen Mitteln, die keine Allergie auslösen, war schwierig. Auch wenn viele Produkte als "für Allergiker geeignet" angepriesen werden, war das Allergen oft trotzdem drin. Außerdem hat mein Arzt gesagt, dass ich möglicherweise noch gegen andere Inhaltsstoffe allergisch bin. Also half nur Ausprobieren. Ich musste auch viele Waschmittel testen, bis ich das richtige für mich gefunden habe. Es gab Waschpulver, die keinen der beiden Stoffe enthielten, von denen ich aber trotzdem Ausschlag bekam.

Eine gute Hilfe für mich war die Beratung in der Apotheke. Ich habe dem Apotheker meinen Allergiepass gezeigt, und er hat mir eine Duschlotion empfohlen. Gut sind auch die Tipps anderer Betroffener, zum Beispiel in Internetforen."

Produkte

Das sind die Produkte, mit denen ich gut klar komme:

  • Linola Shampoo
  • Menalind derm Duschlotion
  • Menalind derm Pflegelotion
  • Physiogel Creme
  • Balea Med Gesichtswasser
  • Denkmit Colorwaschmittel Pur
  • Fenistilgel und Ecuralsalbe

Letztlich muss aber jeder selbst herausfinden, was gut für ihn ist.

Die Expertin meint

"Sonja hat ihre Neurodermitis gut im Griff. Für die tägliche Basisbehandlung sollte sie eine rückfettende Pflege verwenden und daneben eine stadiengerechte Behandlung, je nachdem, wie ausgeprägt ihre Neurodermitis gerade ist. Generell gilt, dass Menschen mit Neurodermitis schneller auf äußere Reize reagieren als gesunde Menschen. Deshalb ist es notwendig, diese Reize zu vermeiden, bei Sonja zum Beispiel die Kontaktallergene

Natriumbenzoat dient als Konservierungsmittel in Seifen und Cremes, Nahrungsmitteln, Gemüse- und Obstkonserven, Käse und Fruchtsäften und ist deklarationspflichtig. Es kann Hautreaktionen auslösen oder eine bereits vorhandene Neurodermitis verschlimmern. Nach Aufnahme von größeren Mengen in Nahrungsmitteln kann es zu Verdauungsproblemen und heuschnupfenähnlichen Symptomen kommen. Sonja bleibt also nur, diesen Konservierungsstoff zu meiden.

Die Expertin Dr. Antonie Roll

Auch Cocamidopropylbetain ist ein Kontaktallergen. Leider treten bei Allergietests häufig falsche positive Reaktionen auf Cocamidopropylbetain auf, die auf eine reizende Hautreaktion zurückzuführen sind. Das heißt, die Haut reagiert gereizt und nicht allergisch. Sie sollte Produkte mit diesem Inhaltsstoff zunächst über einige Zeit testen, zum Beispiel in ihrer Armbeuge, bevor sie sie voreilig entsorgt. Bei empfindlicher Haut sollten Pflegeprodukte generell erst an einer Hautstelle ausprobiert werden.

Möglicherweise leidet sie im Rahmen ihrer Neurodermitis-Veranlagung auch unter einer Pollensensibilisierung, die sich als Nahrungsmittelallergie äußert. Eine richtige Allergie ist das nicht, sondern eine Sonderform der allergischen Reaktion auf Nahrungsmittel, die die gleichen Allergene wie die Pollen haben. Man nennt das auch eine Kreuzallergie. Bei Pollenallergikern passiert das relativ häufig, wenn sie Stein- oder Kernobst, Nüsse oder Gemüse essen. Hier kann leider auch eine sogenannte Hyposensibilisierung nicht immer helfen, bei der einem Allergiker über drei Jahre das verantwortliche Allergen gespritzt wird. Stattdessen sollte Sonja Obst und Gemüse vor dem Verzehr schälen und kochen, um die hitzelabilen Proteine zu zerstören, und öfter auf Beeren zurückgreifen. Verschiedene Apfelsorten auszuprobieren könnte ihr auch helfen, eine Sorte zu finden, die sie gut vertragen kann.

Empfehlungen

Ihre Kortisonsalbe sollte sie so selten wie nötig verwenden und lieber kortisonfreie Präparate benutzen, zum Beispiel mit den neuen Wirkstoffen Pimecrolismus und Tacrolismus. Außerdem sind harnstoffhaltige Cremes gut. Die Haut sollte jeden Tag eingefettet und zweimal in der Woche mit einem Ölbad gepflegt werden. Gegen den Juckreiz hilft es auch, Cremes vor dem Auftragen in den Kühlschrank zu legen. Es ist wichtig, schon bei den ersten Anzeichen eines Neurodermitis-Schubes einzugreifen, um ihn möglichst klein zu halten."

Produkte

Produkte, die ich Allergikern empfehle:

  • Physiogel Creme
  • Neribas Creme
  • Optiderm Creme
  • Allergika Lipolotia Urea
Protokolle: Sonja Feldmann Fotos: Monika Herbst (1), privat (1)

Wer hier schreibt:

Monika Herbst
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.

Diesen Inhalt per E-Mail versenden

Allergie: Überraschung beim Waschen

Produkte für Allergiker und Neurodermitis-Kranke gibt es viele. Doch wie soll man sich bei den vielen Angeboten zurecht finden? Hier der Erfahrungsbericht einer Betroffenen, zu dem eine Expertin Stellung nimmt.

Du kannst mehrere E-Mail-Adressen mit Komma getrennt eingeben

Deine Mail wurde versendet
Deine Mail konnte leider nicht versendet werden