Allergisch gegen Kälte

Viele Frauen reagieren sensibel auf niedrige Temperaturen - manche leiden sogar unter einer Art Kälte-Allergie.

Frische Luft ist gesund.

Eigentlich. Doch für manche Menschen hat ein Spaziergang in der Winterluft oder ein Tag im Schnee quälende Folgen: Rote, juckende Quaddeln bilden sich plötzlich im Gesicht und an den Händen, als wäre man in Brennnesseln gefallen. Die Quaddeln treten vor allem dort auf, wo Kälte an die Haut gekommen ist, sie können sich aber auch unter der Kleidung und auf den Schleimhäuten entwickeln.

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Eine Allergie auf Kälte?

"Genau genommen stimmt das nicht", sagt die Hautärztin Dr. Petra Staubach von der Universitäts-Hautklinik Mainz. Denn zu einer echten Allergie gehört, dass ein fremder Stoff auf den Körper einwirkt und der Organismus sich übermäßig wehrt, indem er Antikörper bildet. Bei der Kälte-Urtikaria (so der Fachbegriff) aber gibt es keine fremde Substanz. Es ist allein der Kältereiz, der den Körper dazu bringt, den Stoff Histamin auszuschütten. Und das Histamin sorgt genau wie bei einer Allergie für Schwellungen, Rötungen und Juckreiz.

Frauen zwischen 20 und 30 sind besonders betroffen

Frauen dieser Altersgruppe bekommen häufig eine Kälte-Urtikaria (Kälte-Nesselsucht). Warum das so ist, weiß niemand genau. Fest steht aber, dass die Krankheit nur scheinbar aus heiterem Himmel kommt. Mögliche Auslöser sind vor allem Infektionen: eine Erkältung zum Beispiel, eine bakterielle Infektion etwa nach einem Zeckenbiss, eine vielleicht nicht einmal bemerkte Viruserkrankung. Manchmal ist die Kälte-Urtikaria aber auch Begleiterscheinung einer echten Allergie. Und in seltenen Fällen stecken schwere Krankheiten dahinter, zum Beispiel Autoimmun-Erkrankungen wie Rheuma. Psychische Probleme scheinen dagegen kaum eine Rolle zu spielen: Seelische Belastung kann allenfalls bestehende Symptome verschlimmern, so erste Ergebnisse einer noch nicht abgeschlossenen Studie an der Universität Mainz.

Suche nach dem Auslöser

Den jeweiligen Auslöser zu finden dauert oft viele Monate oder sogar Jahre. Es lohnt sich aber, dranzubleiben. Denn ist die Ursache bekannt, lässt sich die Urtikaria gezielt behandeln: In mehr als einem Drittel der Fälle heilen Antibiotika die Krankheit dauerhaft. Wenn nicht klar ist, warum die Haut reagiert, müssen sich die Ärzte darauf beschränken, die Symptome zu lindern. Cortison sollte dabei Notfällen vorbehalten sein. Mit etwas Vorsicht und modernen Antihistaminika können die meisten Patienten wieder die frische Winterluft genießen.

Nur empfindliche Haut oder Kälte-Urtikaria?

Viele Frauen reagieren sensibel auf niedrige Temperaturen, nach einem längeren Winterspaziergang zum Beispiel ist die Haut gerötet und spannt. Mit einer Kälte-Urtikaria hat das aber nichts zu tun: Die Kälte regt die Durchblutung an, und winterliche Haut ist durch die Heizungsluft sowieso oft trocken. Eine reichhaltige Creme behebt das Gefühl fast immer (optimal: bereits vor dem Spaziergang damit vorbeugen). Zum Arzt sollten Sie aber gehen, wenn die Haut schon bei zehn oder 15 Grad empfindlich reagiert, stark juckt und rote Quaddeln bildet.

Mehr Infos Urtikaria-Ambulanzen finden sich meist an Universitätskliniken. Die Experten von der Urtikaria-Sprechstunde der Universität Mainz (Langenbeckstraße 1, 55101 Mainz, Tel. 06131/172903) haben unter www.urtikaria.net eine Website eingerichtet, die Nesselsucht-Patienten und deren Angehörige ausführlich informiert.

Christine Brasch
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