Mir ist irgendwie unwohl!

Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit - manchmal fühlen wir uns einfach unwohl. Sieben verbreitete Leiden, was man selbst dagegen tun kann und wann es ratsam ist, zum Arzt zu gehen.

Rückenschmerzen

Schmerzen im Kreuz gehören ebenso wie Erkältungen zu den häufigsten Gründen, warum Menschen ihren Hausarzt aufsuchen. Und meistens sind die Ursachen leicht zu benennen: Dauerstress und zu wenig Bewegung. In neun von zehn Fällen verschwinden die Beschwerden von selbst oder durch ein gezieltes Training. Aber es gibt auch ernste Ursachen wie Osteoporose, Tumoren oder Störungen, die gar nichts mit der Wirbelsäule zu tun haben, wie etwa Nieren- oder Leberkrankheiten.

Was schafft der Körper allein? Gegen Muskelverspannungen: nicht stundenlang sitzen, sondern häufig aufstehen und immer wieder Lockerungsübungen machen. Ein- bis zweimal pro Woche (Rücken-)Schwimmen, außerdem Bauch- und Rückenmuskeltraining im Fitnessstudio oder Gymnastikkurs. Wenn Stress die Ursache der Verspannungen ist, nützen Entspannungstechniken, Yoga und Meditation.

Was hilft zusätzlich? Bei akuten Rückenbeschwerden ein oder zwei Tage lang Schmerztabletten nehmen. Das stoppt den Teufelskreis aus Schmerz und immer neuer Verspannung. Gut tun Rheumabäder (aus der Apotheke, beispielsweise mit Kampfer oder Salicylsäure) oder einige Tropfen Thymian- oder Wacholderöl im heißen Badewasser. Eine Reflexzonenmassage löst Verspannungen: Rechten Daumen mit dem linken Daumen unter spürbarem Druck je 15-mal an der Außenseite langsam von oben bis zur Handwurzel hin durchkneten, danach kommt die andere Seite dran.

Wann zum Arzt? Wenn die Schmerzen stark sind, mit Hausmitteln nicht besser werden, auch im Liegen nicht nachlassen und bei Fieber. Wenn der Schmerz bis in die Beine ausstrahlt, Lähmungen, Taubheitsgefühle oder Kribbeln in der Haut oder auch Störungen der Blasen- und Darmfunktion auftreten. Und grundsätzlich natürlich immer dann, wenn man ein ungutes Gefühl hat oder aber sich richtig krank fühlt. Internet: Viele Rückentipps gibt es unter www.agr-ev.de

Herzrasen

Mehr als 100 Herzschläge pro Minute ohne körperliche Belastung sind zu viel. Wenn das Herz ständig so schnell pocht - das Klopfen ist oft regelrecht fühlbar-, kann das unter anderem ein Zeichen von Blutarmut (siehe unter "Müdigkeit"), viel zu niedrigem Blutdruck oder einer Schilddrüsenüberfunktion sein. Es kann aber auch als Folge von zu viel Kaffeekonsum auftreten oder auf eine Angststörung hinweisen. Herzrasen ist außerdem eine verbreitete Begleiterscheinung der Wechseljahre.

Was schafft der Körper allein? Ein angemessenes Ausdauertraining (Walken, Schwimmen, Radfahren) verlangsamt generell den Puls (zuerst Arzt oder Ärztin fragen, wenn der Puls dauerhaft zu hoch ist). Falls es erkennbare äußere Ursachen gibt, die Sie unter Druck setzen: Versuchen Sie, einen Gang runterzuschalten.

Was hilft zusätzlich? Bei anfallsweisem Herzrasen ein großes Glas eiskaltes Wasser trinken. Denn das aktiviert den Vagusnerv, dessen Nervenfasern entlang der Speiseröhre verlaufen und der einen bremsenden Effekt auf den Herzschlag hat. Auch Pressen (wie auf der Toilette) oder absichtliches Husten stimuliert diesen Nerv wegen der plötzlichen Druckerhöhung im Brustkorb und verringert das Pochen.

Wann zum Arzt? Wenn der Puls dauerhaft oberhalb von 100 Schlägen in der Minute liegt und auch wenn gänzlich ohne körperliche Belastung oder Anstrengung Episoden von Herzrasen auftreten.

Schwindel

Wenn sich alles um einen dreht oder man sich wie auf einem schwankenden Schiff fühlt, kann das psychische Gründe haben - bei Frauen zwischen 30 und 50 ist Schwindel nicht selten eine spezielle Form der Angststörung. Sonst ist die Ursache häufig eine Störung im Gleichgewichtsorgan im Innenohr oder in bestimmten Arealen im Gehirn (z. B. Durchblutungsstörung, Entzündung, in seltenen Fällen ein Tumor). Viele verstehen unter "Schwindel" aber auch nur eine Benommenheit oder ein kurzes Schwarzwerden vor Augen, das liegt häufig an zu niedrigem Blutdruck.

Was schafft der Körper allein? Wenn es am Blutdruck liegt, hilft auf Dauer konsequentes Ausdauertraining (Walken, Radeln, Joggen). Wichtig: mindestens 1,5 bis 2 Liter am Tag trinken und beim Essen nicht mit Salz sparen, damit mehr Druck in den Blutgefäßen aufgebaut wird.

Was hilft zusätzlich? Öfter mal Lakritze essen - denn die darin enthaltene Süßholzwurzel steigert den Blutdruck. Auch Ginsterkrauttee ist bewährt, wenn der Druck öfter mal in den Keller geht (Fertigpräparat aus der Apotheke, vorher besser Ärztin oder Arzt fragen; während der Schwangerschaft nicht geeignet).

Wann zum Arzt? Bei Dreh- oder Schwankschwindel, der ohne erkennbare Ursache auftritt (oft zusammen mit Übelkeit und Erbrechen), sollte man immer zum Arzt gehen. Und auch, wenn akuter Schwindel von zusätzlichen Symptomen wie etwa Kopf- oder Brustschmerzen, Atemnot, Lähmungen oder Empfindungsstörungen im Körper begleitet wird. Wenn einem ab und zu schwarz vor Augen wird - nach zu schnellem Aufstehen oder zu langem Stehen -, steckt meist nichts Ernstes dahinter. Häufen sich solche Anfälle, sollte man aber gravierendere Herz-Kreislauf-Probleme ausschließen lassen. Und wenn der Schwindel immer wieder kommt und keine Ursache erkennbar ist, kann es Sinn machen, einen Psychotherapeuten zu Rate zu ziehen, ob es verdeckte seelische Probleme gibt.l

Ständige Müdigkeit

Viele, gerade jüngere Menschen, unterschätzen ihren Schlafbedarf - gut sieben Stunden pro Nacht sollten es schon sein. Es gibt aber auch viele körperliche und seelische Ursachen für ständige Müdigkeit und Antriebslosigkeit, zum Beispiel Blutarmut (Anämie) durch Eisenmangel, Schilddrüsenunterfunktion oder eine so genannte larvierte (versteckte) Depression.

Was schafft der Körper allein? Dreimal pro Woche mindestens 30 Minuten Sport treiben, nach dem Baden oder Duschen Arme und Beine so kalt wie möglich abduschen, höchstens einen Achtelliter Wein pro Tag genießen und nicht rauchen und am besten auch vor 23 Uhr zu Bett gehen: Das ist das bewährte Hallo-Wach-Programm, wenn der Müdigkeit keine wirkliche Krankheit zugrunde liegt.

Was hilft zusätzlich? Frauen mit starker Regelblutung sollten auf ausreichend Eisen im Essen achten: Das meiste steckt in Fleisch, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten. Vitamin C verbessert die Eisenaufnahme aus pflanzlichen Lebensmitteln - Vegetarierinnen sollten zum Essen deshalb Orangensaft trinken. Auch wichtig: Jod für die Bildung von Schilddrüsenhormonen. Jodreich sind Seefisch und Meeresfrüchte, auch gut sind Milchprodukte. Zum Würzen sollte man Jodsalz nehmen.

Wann zum Arzt? Wenn sich trotz genügend Schlaf die Müdigkeit nach zwei Wochen nicht bessert. Wenn man ungewollt Gewicht zu- oder abnimmt oder ungewöhnlich starken Durst hat. Und bei Verdacht auf eine verborgene Blutung (z. B. bei schwarzem Stuhlgang).

Kopfschmerzen

So genannte Spannungskopfschmerzen, die sich wie eine Klammer um den Kopf legen, kommen oft von zu viel Arbeit am Computer, innerer Anspannung und zu wenig Schlaf. Manchmal meldet sich der Schmerz aber leider auch nach schönen Anstrengungen wie Sport oder Sex. Gefährliche Ursachen wie zum Beispiel Blutungen oder Verschlüsse der Hirngefäße, Hirn(haut)entzündungen oder Tumoren sind dagegen zum Glück selten.

Was schafft der Körper allein? Den Kopf frei kriegen. Das heißt, mindestens eine Viertelstunde Pause: hinlegen oder wenigstens den Kopf am Schreibtisch auf die Unterarme legen, Augen schließen. Oder einen zügigen Spaziergang an der frischen Luft machen. Außerdem: im Stehen Oberkörper nach unten hängen lassen und mit dem Kopf locker in alle Richtungen baumeln.

Was hilft zusätzlich? Bei gelegentlichen Kopfschmerzen spricht nichts gegen eine Schmerztablette (ASS oder Ibuprofen, keinesfalls zu niedrig dosieren!), auch in Kombination mit Koffein. Wer's lieber natürlich mag: Pfefferminzöl, auf Stirn und Schläfen verrieben, löst die Spannung im Kopf. Akupressur hilft auch: mit beiden Daumen kräftig die Stellen drücken und massieren, wo die Augenbrauen über der Nase enden. Wunder wirkt oftmals auch ein heißes Fußbad, abends mit beruhigendem Lavendelöl, morgens mit belebendem Rosmarinöl.

Wann zum Arzt? Wenn Kopfschmerzen länger als 24 Stunden anhalten, ungewohnt stark oder ungewohnt häufig sind oder wenn zusätzliche Symptome auftreten wie Taubheitsgefühle der Haut, Geh-, Seh- oder Sprachstörungen, Übelkeit und Erbrechen, hohes Fieber (über 39 Grad), Verwirrung oder Störungen des Bewusstseins.

Bauchweh

Meist sind die Ursachen harmlos. Gelegentliches Kneifen im gesamten Bauch ohne weitere Symptome - das sind oft nur Blähungen. Wenn aber Bauchschmerzen länger anhalten, können ganz unterschiedliche Probleme mit Magen, Darm, Bauchspeicheldrüse, Nieren, Leber, Gallenblase, Gebärmutter, Blase, Eierstöcken oder sogar mit dem Herzen dahinterstecken. Auch eine Blinddarmentzündung tut nicht immer nur unten rechts weh, sondern kann eher diffuse Schmerzen machen.

Was schafft der Körper allein? Blähungen und einen nicht zu schweren Magen-Darm-Infekt kann man selbst behandeln. Luft steigt im Darm nach oben - logisch also, dass man Blähungen eher loswird, wenn man die Körperlage systematisch wechselt und auch mal den Po nach oben reckt. Also zum Beispiel beim Lesen auf alle Viere gehen und abwechselnd auf der Seite, auf dem Rücken und dem Bauch liegen.

Was hilft zusätzlich? Zu den Mahlzeiten Tee aus Kümmel, Kamillenblüten, Pfefferminzblättern und Baldrianwurzel (Apotheke) trinken, das beugt dem Blähbauch vor. Bewährte homöopathische Mittel sind z. B. Carbo vegetabilis D6 oder China D6 (dreimal täglich 5 Kügelchen oder Tropfen). Bei Darminfekten hilft Instantbrühe besonders gut. Sie gleicht den Salzverlust aus und beruhigt mit ihrer Wärme den Aufruhr im Bauch.

Wann zum Arzt? Wenn die Schmerzen auch im Liegen nicht nachlassen oder so stark sind, dass man nur gekrümmt stehen kann. Wenn hohes Fieber (über 39 Grad) dazukommt. Wenn der Bauch sehr berührungsempfindlich ist. Wenn der Stuhlgang ganz anders ist als sonst. Wenn auch leichtere Schmerzen länger als drei Tage anhalten.

Regelbeschwerden

Viele Frauen spüren nur ein Ziehen im Unterleib, wenn sich die Gebärmutter zusammenzieht, doch einige haben schlimme Krämpfe. Dahinter kann eine Endometriose (Absiedelung von Gebärmutterschleimhaut im Bauch) stecken - oft wird sie erst nach vielen Jahren erkannt. Deshalb sollten Frauen starke Regelschmerzen nicht einfach als natürlich hinnehmen. In manchen Fällen sorgen auch Myome (gutartige Muskeltumoren) oder eine nach hinten gekippte Gebärmutter für Schmerzen.

Was schafft der Körper allein? Das muss man ausprobieren: lieber Ruhe oder Bewegung? Mal lassen die Schmerzen nach, wenn man sich auf dem Sofa zusammenrollt, mal beim Walken oder gemütlichen Joggen. Zwischen den Tagen hilft aber auf jeden Fall regelmäßiger Sport, um den lästigen Krämpfen langfristig vorzubeugen.

Was hilft zusätzlich? Wärme! Z. B. ein heißes Bad mit ätherischen Ölen (Ylang-Ylang, Neroli) oder eine Wärmflasche auf dem Unterleib. Plus Kräutertee aus krampflösendem Gänsefingerkraut oder Schneeballbaumrinde (ein bis zwei Teelöffel aufbrühen, 10 Minuten ziehen lassen, drei Tassen am Tag trinken). Außerdem gut: Magnesium. Während der Regel täglich 350 bis 600 mg einnehmen, ansonsten regelmäßig Nüsse, Fleisch, Fisch und grünes Gemüse essen. Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol wirken am besten, wenn man sie schon kurz vor oder ganz am Anfang der Blutung nimmt.

Wann zum Arzt? Wer ohne Schmerzmittel nicht klarkommt, sollte zur Frauenärztin gehen. Sie klärt ab, ob organisch alles okay ist - und kann auch die Pille verschreiben, die fast immer gut gegen Regelschmerzen hilft.

Text: Sabine Thor-Wiedemann Foto: istockphoto.com Ein Artikel aus der BRIGITTE
Themen in diesem Artikel
Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.