Fragen an die Apothekerin: Warum ist bei euch eigentlich alles so teuer?

9,60 Euro für ein Deo, 3,65 für ein paar Beutel Kamillentee? Apothekerpreise! Warum beim Tee trotzdem viel dafür spricht, das Geld in die Hand zu nehmen, erklärt Apothekerin Diana Helfrich.

Manchmal glaubt man es nicht, was Apotheken so für Preise aufrufen. Ich habe zum Beispiel mal unfassbare 9 Euro 60 für ein ganz einfaches Deo bezahlt, nur weil ich im entscheidenden Moment nicht aufgepasst habe (und nicht noch zur Drogerie wollte). Ein weiteres Gebiet, wo man immer wieder geschockt ist, sind die Preise für Tee. 29 Cent für 20 Teebeutel Pfefferminz- oder Kamillentee beim Discounter, und an die vier Euro in der Apotheke. Krass.

Warum Tees aus der Apotheke besser sind als aus der Drogerie

Aber anders als beim Deo spricht trotzdem einiges dafür, die vier Euro auf den Ladentisch zu legen. Denn, und das ist ein grooooßer Unterschied, Teebeutel aus der Apotheke enthalten Heilpflanzen in sogenannter Arzneibuchqualität, also mit festgelegten Standards, was zum Beispiel den Wirkstoffgehalt angeht: Ganze Pfefferminzblätter beispielsweise müssen mindestens 1,2 Prozent ätherisches Pfefferminzöl enthalten, geschnittene Blätter 0,9 Prozent. Die Pflanzen werden also vor der Verarbeitung geprüft und gegebenenfalls so gemischt, dass der Mindestgehalt garantiert ist.

Teebeutel aus der Apotheke enthalten Heilpflanzen in Arzneibuchqualität

Es darf auch nur die Mentha piperita (die Pfefferminze) verwendet werden. Mentha arvensis (die so genannte Ackerminze) und andere Minzen sind nicht erlaubt. Und von der Pfefferminze wiederum nur die Blätter. Solche haargenauen Vorgaben gibt es für alle im Arzneibuch mit einer so genannten Monografie vertretenen Heilpflanzen.

Lebensmitteltees enthalten dagegen oft auch zum Beispiel die billigen Stiele, in denen viel weniger ätherisches Öl steckt. In punkto Qualität und Wirksamkeit kann man Arzneitees aus der Apotheke mit Tees aus dem Supermarkt also einfach nicht vergleichen.

Gut zu wissen: Einige bewährte Arzneitees (nach sogenannten Standardzulassungen) gibt es auch im Drogeriemarkt, dort allerdings auch nicht für 29 Cent.

Instanttees - Zuckerbomben oder sogar Wirkstoffwunder?

Was übrigens auch noch wenig bekannt ist, wenn wir schon von Tees in der Apotheke sprechen: Instanttees zum Auflösen haben einen schlechten Ruf, weil sie meist viel Zucker enthalten.

Aber sie haben auch einen bedeutsamen Vorteil: Die Inhaltsstoffe der verarbeiteten Pflanzen werden nicht einfach mit heißem Wasser in Eigenregie (also Zuhause, in der Teetasse) aus der Pflanze extrahiert. Sondern unter der gesetzlich geregelten engmaschigen Kontrolle eines pharmazeutischen Herstellers - meist mit einem Wasser-Alkohol-Gemisch, in dem sich viele Wirkstoffe besser lösen. Mal abgesehen davon, dass Instanttees natürlich superpraktisch sind: einrühren und fertig - einfacher geht's nicht.

Platz zwei in punkto Bequemlichkeit belegt der Teebeutel, auch in Hinblick auf das richtige Dosieren. Bei Heilkräutern mit ätherischen Ölen (wie Kamille, Fenchel oder Pfefferminz) ist es trotzdem sinnvoll, sich die Arbeit zu machen, den losen Tee aus der Tüte oder Dose in einen Filter zu löffeln. Denn die ätherischen Öle stecken unter anderem in so genannten Drüsenhaaren der Heilpflanzen - und die gehen beim Zerkleinern für die Beutelabfüllung kaputt. Dann verdunstet das wohltuende Öl, bevor es im heißen Wasser ankommt. Und das wäre doch schade.

Diana Helfrich, BRIGITTE-Redakteurin und Apothekerin, bloggt über Gesundheit unter die-apothekerin-ihres-vertrauens.de

BRIGITTE Wir 5/2018

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