Die wichtigsten Fakten zum Mammografie-Screening

Macht das Mammografie-Screening wirklich Sinn? Wem nutzt es, was sind die Nachteile? Wir haben die wichtigsten Fakten zusammengestellt.

Röntgen-Reihenuntersuchung: Das klingt nach Massenabfertigung. Ich würde mir meine radiologische Praxis lieber selbst aussuchen.

Verständlich - besonders, wenn dort schon frühere Mammografien vorliegen und man neue Bilder sofort damit vergleichen könnte. Doch am kassenfinanzierten Mammografie-Screening dürfen nur Einrichtungen teilnehmen, die besondere Bedingungen erfüllen. Dazu gehören z. B. die spezielle Schulung der Röntgenassistentinnen und Ärzte sowie die Dokumentation und Qualitätskontrolle durch übergeordnete Stellen. Und auch wenn noch nicht alle Geräte den strengen europäischen Leitlinien entsprechen: Anders als in einer normalen Praxis müssen sie in jedem Fall täglich geprüft werden.

Nach dem Mammografie-Screening muss man ewig auf das Ergebnis warten!

Die Röntgenaufnahmen werden in speziellen Zentren ausgewertet. Normalerweise soll es nicht länger als sieben Werktage dauern, bis Ihnen mitgeteilt wird: "Alles in Ordnung" oder - viel seltener - "Es gibt eine Auffälligkeit, bitte kommen Sie kurzfristig zur Abklärung in das Screening-Zentrum".

Doch schon diese Zeitspanne ist für manche Frauen sehr belastend. Verunsichernd ist es für viele auch, dass sie üblicherweise per Post informiert werden. In manchen Zentren gibt es aber die Möglichkeit, das Ergebnis in die Frauen- oder Hausarztpraxis schicken zu lassen - und dort im Fall der Fälle alles in Ruhe zu besprechen.

Ich möchte nicht erst mit 50 Jahren zur Mammografie gehen.

Viele Ärztinnen und Ärzte empfehlen, eine erste Mammografie schon im Alter von 35 bis 40 zu machen. Das geschieht dann allerdings auf eigene Kosten. Die Kasse bezahlt das regelmäßige Screening erst ab 50, weil Studien gezeigt haben, dass bei jungen Frauen wegen des dichteren Drüsengewebes Fehldiagnosen häufiger sind. Bei Risiko-Patientinnen oder in Verdachtsfällen wird die Mammografie auch schon vor dem 50. Geburtstag von der Krankenkasse bezahlt.

Man hört jetzt immer wieder, dass das Screening nur für ganz wenige Frauen einen Nutzen hat.

Von tausend Frauen, die nicht zum Screening gehen, sterben acht an Brustkrebs. Mit Screening sind es sechs. Das klingt nicht sehr beeindruckend. Doch hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung könnten durch das Screening in Deutschland drei- bis viertausend Frauen pro Jahr gerettet werden.

Andererseits rettet das Screening leider nicht nur Leben, sondern kann in einigen Fällen auch belastende Folgen haben: So werden auch Krebsvorstufen entdeckt und behandelt, aus denen möglicherweise nie ein bösartiger Tumor geworden wäre. Die Betroffenen nehmen also seelische und körperliche Strapazen auf sich, die ihnen ohne Früherkennung erspart geblieben wären. Das Problem dabei: Niemand kann im Einzelfall vorhersagen, ob sich aus einer Krebsvorstufe eine bedrohliche Krankheit entwickeln wird oder nicht.

Viele Verdachtsfälle entpuppen sich als harmlos - da macht man völlig umsonst große Ängste durch.

Die so genannten falsch positiven Befunde sind tatsächlich ein Problem. Fünf bis zehn Prozent der Frauen haben beim Screening einen unklaren Befund, der weiter abgeklärt werden muss.

Aber nur jede fünfte Frau mit einem auffälligen Befund hat im Endeffekt auch Krebs, alle anderen haben sich umsonst Sorgen gemacht und teilweise unangenehme Zusatzuntersuchungen über sich ergehen lassen. Andererseits bekommen 90 bis 95 Prozent der Frauen nach dem Screening die Nachricht: alles in Ordnung. Und das ist einfach ein gutes Gefühl.

Manchmal verläuft Brustkrebs unheilbar - selbst wenn er früh entdeckt wird.

Für die große Mehrheit der Fälle trifft das nicht zu. Wenn ein Tumor kleiner als ein Zentimeter ist, kann der Krebs in rund 95 Prozent geheilt werden. Ist der Tumor mehr als zwei Zentimeter groß, fällt die Heilungschance auf 70 Prozent. Beim Screening werden 70 bis 80 Prozent der Tumoren im heilbaren Stadium entdeckt.

Aber: Manchmal werden auch Tumoren gefunden, die nicht mehr heilbar sind. Dann leben die betreffenden Frauen unter Umständen nicht länger, als wenn sie den Tumor beispielsweise erst zwei Jahre später getastet hätten, müssen aber zwei Jahre länger damit fertig werden, unheilbar krebskrank zu sein.

Vom häufigen Röntgen kann man auch Krebs bekommen.

Das stimmt. Die Strahlenbelastung ist mit ein Grund, weshalb das Screening-Programm erst ab 50 startet. Berechnungen haben aber gezeigt, dass viel mehr Frauen durch die regelmäßigen Mammografien gerettet werden als statistisch gesehen durch die Röntgenstrahlung Krebs bekommen.

Ich habe gelesen, die neue digitale Mammografie ist zuverlässiger als die herkömmlichen Röntgenaufnahmen.

Beide Methoden sind bei Frauen ab 50 gleich treffsicher, das hat eine große amerikanische Studie gezeigt. In den Screening-Praxen gibt es teils herkömmliche, teils digitale Röntgengeräte.

Ich finde eine Ultraschalluntersuchung viel besser, denn dabei entsteht keine Strahlenbelastung.

Für die systematische Früherkennung von Brustkrebs ist Ultraschall allein nicht aussagekräftig genug. Ultraschall ist sinnvoll als ergänzende Methode zur Mammografie, besonders bei unklarem Röntgenbefund. In solchen Fällen wird nach dem Screening auch eine Ultraschallung durchgeführt, dann allerdings bei einem extra Termin.

Meine persönlichen Daten gehen keinen was an. Wer weiß, wo die Untersuchungsergebnisse landen.

Der Datenschutz ist beim Mammografie-Screening ein wichtiges Thema und wird kontrolliert. Mitarbeiter der Screening-Einheiten unterliegen der Schweigepflicht. Die Daten, die das amtliche Melderegister zur Verfügung stellt, werden verschlüsselt. Medizinische Befunde zur statistischen Auswertung und Qualitätssicherung werden anonym weitergegeben.

Ich habe gehört, dass man eine eventuelle Krebsbehandlung künftig selbst bezahlen muss, wenn man nicht zur Früherkennung geht. Stimmt das?

Nein. Das Screening ist nur ein Angebot und absolut freiwillig. Es wird zur Zeit lediglich diskutiert, ob bestimmte Zuzahlungen, die chronisch Kranke zu ihren Behandlungskosten leisten müssen, reduziert werden, wenn diese alle empfohlenen Untersuchungen zur Früherkennung wahrgenommen haben.

So läuft das Screening ab

Alle Frauen von 50 bis 69 werden von ihrer zuständigen Screening-Einheit alle zwei Jahre zur Mammografie in einer Praxis oder einem Röntgenbus (Mammobil) eingeladen. Dort bekommt man keine Ärztin und keinen Arzt zu Gesicht. Die Aufnahmen werden von einer speziell geschulten Röntgenassistentin gemacht, die keine Auskunft über den Befund geben darf. Die Röntgenbilder werden von zwei Ärzten unabhängig voneinander beurteilt, die pro Jahr mindestens 5000 Mammografien befunden; bei Unstimmigkeiten schaut sich noch ein dritter Arzt die Bilder an.

Das Ergebnis wird schriftlich nach Hause geschickt oder im Einzelfall auf Wunsch auch an die eigene Hausoder Frauenarztpraxis weitergegeben.

Bei einem unklaren Befund wird man kurzfristig zu einem Termin bei einer Ärztin oder einem Arzt in der Screening-Einheit eingeladen. Dort wird die Brust abgetastet, eine Ultraschalluntersuchung und eventuell eine zusätzliche Mammografie gemacht. Bestehen danach noch Zweifel, wird bei einer Biopsie Gewebe entnommen.

Das endgültige Ergebnis liegt normalerweise spätestens nach zwei Wochen vor. Alle Zusatzuntersuchungen müssen nicht zwingend in der Screening-Einheit gemacht werden, die freie Arztwahl bleibt erhalten.

Ausführliche Infos zum Mammografie-Screening gibt es im Netz unter www.Mammografie-screening.org. Eine gute Entscheidungshilfe ist die Broschüre "Brustkrebs-Früherkennung - Informationen zur Mammografie" (kostenloser Download z. B. www.nationales-netzwerk-frauengesundheit.de).

BRIGITTE Heft 16/ 2007 Text: Dr. Sabine Thor-Wiedemann Fotos: DAK/ Wigger, Kooperationsgemeinschaft Mammographie/ Gerit Godlewsky
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