Ernährung bei Brustkrebs: Was gibt es zu beachten?

Muss man bei Brustkrebs auf eine besondere Ernährung achten? Gibt es Lebensmittel, die vielleicht sogar Krebszellen bekämpfen können? Neun Fragen an eine Expertin.

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Die Diagnose Brustkrebs verunsichert stark und veranlasst viele Frauen, ihren Speiseplan zu überdenken. Welche Ernährung ist bei Brustkrebs richtig? Es tauchen Fragen auf wie: Gibt es Lebensmittel, die das Tumorwachstum hemmen können oder den Heilungsprozess unterstützen? Sollte ich auf Zucker verzichten? Antworten darauf hat die Heidelberger Ernährungstherapeutin Dr. Christiane Decker-Baumann.

BRIGITTE: Sollte die Ernährung bei Brustkrebs anders sein als bei anderen Tumorarten?

Dr. Christiane Decker-Baumann: Zunächst ist zu klären, ob ein ungewollter Gewichtsverlust vorliegt und die Nahrungsaufnahme reduziert ist. Ist dies der Fall, empfehlen wir eine eiweißreiche und fettreiche Ernährung. Brustkrebspatientinnen verlieren aber deutlich seltener ungewollt an Gewicht als andere Tumorerkrankte. Nicht wenige Patientinnen nehmen unter Therapie sogar zu, so dass man die Ernährungsempfehlungen auf die individuelle Situation der Patientin abstimmen muss.

Welche Nahrungsmittel sind günstig und warum?

Da bei einer Tumorerkrankung der Eiweißbedarf höher ist, sollten mehr eiweißreiche Lebensmittel wie Milchprodukte, Käse, Fisch - auch als Zwischenmahlzeit - verzehrt werden. Wer an Gewicht verliert, sollte eher fettreich essen, das heißt Milchprodukte und Käse mit hohem Fettgehalt, also Butter, Sahne und Creme fraîche bevorzugen.

Ist es besser, auf Schweinefleisch, weißen Zucker oder Kaffee zu verzichten, weil sie angeblich "giftig" sind?

Als giftig würde ich diese Nahrungsmittel nicht einstufen. Es gibt Studien, die einen hohen Verzehr von Zucker und Fleisch mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung bringen. Deshalb lauten die Empfehlungen, Fleisch dreimal pro Woche und Süßes in Maßen zu essen. Wir verbieten aber diese Lebensmittel nicht.

Die Ernährungstherapeutin arbeitet am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg. Die Einrichtung wird u.a. unterstützt vom Deutschen Krebsforschungszentrum und bietet Patienten ein umfangreiches Programm zur Diagnose, Behandlung und Nachsorge von Krebserkrankungen auf dem neuesten Stand des medizinischen Fortschritts.

Neue Ratgeber und Kochbücher empfehlen eine "ketogene" Ernährung bei Krebs - macht die Sinn?

Bei der ketogenen Ernährung soll der Verzehr von Kohlenhydraten sehr stark eingeschränkt werden, auf höchstens 1 Gramm Kohlenhydrate pro Kilogramm Körpergewicht. Es soll vor allem fett- und eiweißreich gegessen werden. Denn die Tumorzelle ernähre sich von Zucker, also Kohlenhydraten, und man soll sie quasi aushungern können. Diese Behauptungen sind wissenschaftlich nicht belegt. Ebenfalls ist nicht nachgewiesen, dass die Tumorzelle mehr Glukose, also Zucker, aufnimmt, wenn mehr Kohlenhydrate gegessen werden. Hinzu kommt, dass die ketogene Ernährung mit vielen Einschränkungen verbunden ist, nach unseren Erfahrungen verlieren die Patientinnen häufig ungewollt an Gewicht. Bei Tumorerkrankungen kommt es zu Stoffwechselveränderungen im Körper, die je nach Tumorart und Krankeitssituation unterschiedlich ausgeprägt sein können. Leitsymptom ist der ungewollte Gewichtsverlust. Der Körper benötigt mehr Fett und Eiweiß. Wir empfehlen den Patientinnen zusätzlich Zwischenmahlzeiten, die möglichst eiweißreich sind, etwa ein Stück Käse mit Oliven. Das geht schon ein bisschen in Richtung einer ketogenen Ernährung. Wir sind bezüglich der Kohlenhydrate jedoch nicht restriktiv, raten aber nicht dazu, bei Gewichtsverlust mit Traubenzucker oder Maltodextrinpulver die Nahrung anzureichern, sondern wirklich die Fettzufuhr zu steigern.

Wäre es in Ordnung, "intuitiv" zu essen, also das, wonach einem gerade ist? Egal ob fett oder süß?

Unter einer Chemotherapie verändern sich Geschmacks- und Geruchssinn. Süßes wird abgelehnt, weil der Speichel süß schmeckt. Wir beobachten durchaus, dass Patientinnen intuitiv zu dem greifen, was sie gut vertragen, und was gleichzeitig auch empfehlenswert ist.

Entwickeln brustkrebskranke Frauen typische Gelüste bei ihrer Ernährung?

Ja, die Frauen haben meist Appetit auf Frisches und wasserreiche Lebensmittel. So werden gern Milchprodukte gegessen, Obst, Suppen und auch mal Salat. Rohkost eher weniger, vor allem während der Chemotherapie, weil sie die Verdauung belastet. Das typische Abendbrot wird als zu trocken empfunden. Wir empfehlen den Frauen viel Abwechslung bei Gemüse und Obst. Weil sie dann die ganze Bandbreite an gesunden sekundären Pflanzenstoffen zu sich nehmen. Diese Stoffe werden nicht im Körper gespeichert, müssen also täglich verzehrt werden.

Nützen Nahrungsergänzungsmittel etwas? Welche sind empfehlenswert bei Brustkrebs?

Wir raten in der Regel von Einzelpräparaten ab. Die Dosierungen können toxisch wirken. Antioxidanzien wie Vitamin C, E oder Betakarotin können die Wirkung einer Chemotherapie sogar herabsetzen. Als krebshemmend beworben wird zum Beispiel Curcumin, ein sekundärer Pflanzenstoff aus der Gelbwurz. Curcumin als Gewürz beim Kochen zu verwenden, ist durchaus empfehlenswert. Curminpräparate einzunehmen, davon raten wir derzeit ab, da deren Wirkung in weiteren klinischen Studien noch geprüft werden muss. Es ist völlig unklar, was passiert, wenn man Curcumin regelmäßig in höheren Dosierungen einnimmt.

Vitamin D ist auch immer wieder im Gespräch, weil es das Zellwachstum kontrolliert. Vitamin D sollte man einnehmen, wenn man zu wenig davon hat, und das kann eine Blutuntersuchung klären. Eine Kontrolle des Vitamin D-Blutspiegels ist gerade bei Frauen unter Hormontherapie sehr wichtig. Empfehlenswert sind Omega-3-Fettsäuren, wie sie in fettem Fisch vorkommen. Auch hier muss man nicht zu Präparaten greifen, sondern sollte zweimal pro Woche Fisch essen, und zwar den fetten, wie Lachs, Makrele, Hering, schwarzer Heilbutt. Leinöl, das ebenfalls eine gute Quelle für Omega-3-Fettsäuren ist, wurde hingegen keine Schutzwirkung nachgewiesen.

Kann eine gesunde Ernährung vor Brustkrebs schützen?

Es gibt Interventionsstudien, die untersucht haben, wie erkrankte Frauen sich vor einem erneuten Auftreten des Tumors schützen können. Demnach sollte die Fettaufnahme nach den Wechseljahren bei Übergewicht auf 23 Prozent der täglichen Kalorien beschränkt werden. Bei einer Tagesration von 2000 Kilokalorien wären das etwa 50 Gramm Fett. Außerdem sollte Übergewicht vermieden bzw. reduziert werden. Es spricht auch viel dafür, dass "5 am Tag", also 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst, das Brustkrebsrisiko senken. Nach der europäischen EPIC-Studie mit 370.000 Frauen in zehn europäischen Ländern gelten als Risiken: hohe Fettaufnahme, Alkoholkonsum und viele zuckerreiche Lebensmittel. Frauen, die täglich mehr als 10 Gramm Alkohol trinken, können ihr Risiko senken, indem sie viel grünes und gelbes Gemüse essen, das reichlich Betakarotin enthält. Als bester Schutz generell gilt immer noch die mediterrane Kost mit Gemüse, Nüssen, Fisch, Obst und Olivenöl.

Fasten vor einer Chemo soll günstig sein. Wie sind da Ihre Erkenntnisse?

Da ist die Datenlage noch sehr spärlich. In vielen klinischen Studien konnte jedoch gezeigt werden, dass die Chemotherapie deutlich besser vertragen wird, wenn Patienten in einem guten Ernährungsstatus sind. Es gibt weniger Nebenwirkungen, und sie haben eine bessere Lebensqualität.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema

  • auf der Website des Krebsinformationsdienstes (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg: www.krebsinformationsdienst.de
  • in der S3-Leitlinie zur Behandlung von Brustkrebs; das Dokument können Sie als pdf kostenlos herunterladen.
  • im Patientenratgeber der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e.V., den Sie kostenlos herunterladen können.
Interview: Susanne Gerlach

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