Cannabis

Joints auf Krankenschein - das gibt's natürlich nicht. Doch der synthetisch hergestellte Hanf-Wirkstoff THC ist seit 1998 als Arznei gegen chronische Schmerzen, Schlaflosigkeit und Migräne zugelassen. Der Nachteil des Medikaments: Es ist sehr teuer. Echtes Haschisch hilft Schmerzkranken genauso gut, ist aber nach wie vor verboten.

Haschisch: Ein Medikament mit Tradition

Schon vor 5000 Jahren empfahl ein chinesisches Arzneimittelbuch Cannabis gegen Gicht, Rheuma und Verstopfung. Im 19. Jahrhundert war Hanf ein gebräuchliches Mittel zur Geburtsunterstützung, bei Migräne, Magenschmerzen, Schlaflosigkeit und Asthma. Noch bis in die 30er Jahre bestanden Hühneraugenpflaster, Muskelsalben und Rheumapackungen hauptsächlich aus Cannabis-Auszügen, obwohl der Stoff seit 1925 illegal war.

1988 wiesen amerikanische Forscher Cannabinoid-Rezeptoren beim Menschen nach, Bindungsstellen für einen körpereigenen Stoff, der dem Hanfwirkstoff THC sehr ähnlich sein musste. Vier Jahre später wurde dieser Stoff gefunden. Man nannte ihn Anandamid, nach dem Sanskritwort für Glückseligkeit. Heute vermutet man, dass Anandamide dem zentralen Nervensystem bei der Verarbeitung von Sinneseindrücken, beim Erinnern oder auch bei der Bewegungskoordination helfen.

Warum Ärzte in Kalifornien Marihuana verordnen dürfen

Aus medizinischer Sicht spricht nichts dagegen, Cannabis als Medikament einzusetzen. Um die medizinischen Wirkungen zu erzielen, sind nur geringe Dosierungen nötig, die nicht süchtig machen können. In der Datenbank Medline berichten inzwischen über hundert Studien und Einzelfallberichte über das therapeutische Potential von Cannabis. Viele davon stammen aus den USA, wo synthetisches THC seit 1985 landesweit verschrieben werden kann. Die Staaten Kalifornien und Arizona haben darüber hinaus Marihuana auf Rezept legalisiert.

Die Rechtslage in Deutschland

Der Anbau von Marihuana ist auch für medizinische Zwecke verboten. Seit dem 1. Februar 1998 dürfen Ärzte den synthetisch hergestellten Wirkstoff des Hanfes, das THC (Tetrahydrocannabinol), als Arzneimittel verschreiben. Aber das gilt nicht für den natürlichen Stoff. Wer mehr als 0,5 bis 30 Gramm - die erlaubte Menge ist je nach Bundesland unterschiedlich - Marihuana (Cannabis-Kraut) oder Haschisch (Cannabis-Harz) besitzt, macht sich weiterhin strafbar.

So wirkt Cannabis

Bei diesen Beschwerden und Krankheiten kann Cannabis helfen:

Gegen Appetitlosigkeit und Auszehrung, zwei häufige Begleiterscheinungen von Aids. Übelkeit und Erbrechen als Nebenwirkung einer Chemotherapie: 1995 bewies eine Untersuchung an krebskranken Kindern in Israel, dass Erbrechen während der Chemotherapie sogar in allen Fällen verhindert werden konnte. Depressionen: Cannabis hellt die Stimmung auf und ermöglicht eine Art "Urlaub von der Krankheit". Glaukom (Grüner Star): Der überhöhte Augeninnendruck sinkt nach Haschisch-Konsum um durchschnittlich 25 bis 30 Prozent, wie durch Zufall bei einer Cannabis-Forschung festgestellt wurde. Die Wirkung hält allerdings nur vier bis sechs Stunden an. Spastische Anfälle bei Multipler Sklerose (MS) oder Querschnittslähmung können durch Cannabis gemildert werden. In Tierversuchen hat sich Cannabis auch lindernd auf den Verlauf der MS ausgewirkt. Ob diese Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind, ist aber noch unklar.

Mögliche Nebenwirkungen: Die Konzentrationsfähigkeit lässt nach, man sollte also auf keinen Fall Auto fahren. Manche Patienten fühlen sich sediert, andere bekommen Angstgefühle oder leiden unter Schwindel.

Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin

Dr. med. Franjo Grotenhermen Maybachstr. 14 50670 Köln Tel. 02 21/912 30 33 Fax 0221/130 05 91 E-Mail: ACMed@T-online

Selbsthilfegruppe Cannabis als Medizin

c/o SEKIS Albrecht-Achilles-Str. 65 10709 Berlin Tel. 030/892 66 02 Fax 030/893 54 94

Eine - größtenteils seriöse - Linksammlung zum Thema Cannabis findet sich beim HanfBlatt.

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