Chlamydien: Kampf gegen die geheime Seuche

Chlamydien bleiben oft unerkannt - das kann böse Folgen haben. Nun bezahlen die Kassen einen Test für junge Frauen.

Geschlechtskrankheiten - ein Wort, das schmutzig klingt und irgendwie sündhaft. Tripper kennt wohl jeder, Syphilis auch. Aber Chlamydien? Die meisten Frauen haben allenfalls eine vage Vorstellung, was sich hinter dem sperrigen Begriff verbirgt. Dabei gehören Chlamydien zu den häufigsten durch Sex übertragbaren Krankheiten: 300.000 Frauen in Deutschland, schätzt man, stecken sich jedes Jahr mit den Bakterien an.

Um die Krankheit einzudämmen, hat der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen schon 2007 beschlossen, dass ein Chlamydientest für Mädchen und junge Frauen bis 25 Jahre einmal im Jahr kostenlos ist. Denn ist die Infektion erst einmal erkannt, lässt sie sich leicht mit Antibiotika behandeln. Inzwischen haben sich Ärzte und Krankenkassen auch über die Finanzierung geeinigt: Seit 1. April zahlen die Kassen die Untersuchung.

Zwar sind Chlamydien in vier von fünf Fällen harmlos. Breitet sich die Infektion aber auf Gebärmutter und Eileiter aus, droht Unfruchtbarkeit. Auch kommt es bei betroffenen Frauen häufiger zu gefährlichen Eileiter- und Bauchhöhlenschwangerschaften.

Vor allem junge Frauen sind gefährdet: Ihre Scheidenschleimhaut ist noch relativ durchlässig, auch ist ihr Immunsystem anfälliger für Erreger. Zudem wechseln sie ihre Partner meist öfter als ältere Frauen und können sich daher leichter anstecken.

Besonders tückisch: Chlamydien sind eine Gefahr, die man nicht spürt. Die meisten betroffenen Frauen haben keine Beschwerden. Und selbst wenn sich die Infektion mit Ausfluss, Bauchweh oder Zwischenblutungen zeigt, denken die wenigsten an Chlamydien als Ursache.

Der Abstrich oder die Urinprobe auf Kassen-Kosten sollen für Klarheit sorgen. Kritikern geht die jährliche Vorsorgeuntersuchung für Frauen allerdings nicht weit genug: So lange man nicht auch junge Männer untersuche, könnten diese ihre Partnerinnen immer wieder mit Chlamydien anstecken.

Text: Angelika Unger Foto: Corbis

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