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Chronotypen Wolf, Löwe, Bär oder Delfin: Was bist du?

Chronotypen: Frau mit Wecker
© oatawa / Shutterstock
Es gibt verschiedene Chronotypen, die unseren Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflussen. Hier erfährst du, welcher Typ du bist und was das für dich bedeutet.

Was sind Chronotypen?

Die Chronobiologie sortiert Menschen in verschiedene Kategorien je nach ihrem sogenannten Chronotypen ein: Manche gehören zu den Morgentypen und werden eher früh am Tag wach, werden aber auch früh müde, andere gehören zu den Abendtypen und machen praktisch die Nacht zum Tag. Die ursprünglichen Chronotypen sind die sogenannten frühen Lerchen und die späten Eulen. Bestimmt wird die Einteilung individuell von der inneren Uhr und dem eigenen Schlaf-Wach-Rhythmus.

Vielen Schlafforschern geht die ursprüngliche Einteilung der Chronotypen in Lerche und Eule aber nicht weit genug – mittlerweile unterscheidet man daher die Typen Wolf, Löwe, Bär und Delphin. Und diese bestimmen nicht mehr nur, wann wir müde werden und ins Bett gehen und auf wie viel Uhr wir den Wecker stellen sollten. Tatsächlich kann es unserer Gesundheit helfen, wenn wir mehrere Aspekte unseres Lebens nach der inneren Uhr ausrichten.

US-Schlafmediziner Michael Breus im Expertentalk zu Chronotypen

Jeder Mensch ist anders – das zeigt sich auch in seinen Schlafgewohnheiten. Wir haben mit dem US-Schlafmediziner Michael Breus über vier unterschiedliche Chronotypen unter den Menschen gesprochen.

Lange Zeit wurden wir für unseren Schlaf-Rhythmus hauptsächlich als Frühaufsteher und Nachtschwärmer, also Lerche und Eule, unterschieden. Was gefiel Ihnen daran nicht?

Michael Breus: Bei meiner Arbeit als Schlafmediziner traf ich immer wieder auf Patienten mit Schlafstörungen, die von den beiden bisherigen Chronotypen nicht repräsentiert wurden. Die Klassifikation Lerche oder Eule ging mir einfach nicht weit genug. Denn sie konzentriert sich nur auf eine Komponente des Schlafs: den Schlaf-Wach-Rhythmus. Das Bedürfnis nach einer bestimmten Schlafdauer, unser physiologisch bedingter Schlaftrieb, war bisher aber nicht berücksichtigt worden. Deshalb fügte ich diese Dimension meinem Fragenkatalog und meiner Typisierung hinzu. Das macht die erweiterte Einteilung in vier Chronotypen deutlich individueller und genauer.

Bei Ihrer Typologie bedienten Sie sich wiederum aus dem Tierreich und unterscheiden nun Löwe, Wolf, Bär und Delfin. Was charakterisiert denn die einzelnen Vertreter?

Der Löwe kommt oft am besten klar, gilt als erfolgreichster Chronotyp. Er ersetzt die frühere Lerche. Löwen sind sehr produktiv und übernehmen gern eine leitende Funktion. Ihr Problem: Sie können sich kaum zu einer längeren Party aufraffen, weil sie so früh schlafen gehen. Manchmal leidet das soziale Leben ein wenig darunter; viele Löwen leben mit der Angst, etwas zu verpassen.

Nachtaktive Wölfe, meine Weiterentwicklung der Eule, haben meist einen kreativen Beruf, arbeiten etwa als Autoren, Schauspieler, Musiker. Gesellschaftlich betrachtet, gelten sie oft als schräge Vögel, manchmal auch als faul. Sie sind dann auf den Beinen, wenn die anderen schlafen, und umgekehrt.

Bären wiederum empfinden die meisten als sehr angenehme Zeitgenossen, sie präsentieren sich in der Regel gut gelaunt, beinahe überschwänglich. Ihre Arbeit kriegen sie gern zügig vom Tisch, aber sie spüren nicht immer, wann ihre produktivsten Zeiten sind, und brauchen insgesamt von allen Typen am meisten Schlaf.

Als Delfine schließlich bezeichne ich die Gruppe der Problemschläfer. Meist sehr intelligent, energiegeladen, aber mit einem Hang zur Perfektion und neurotischen Tendenzen. Sie können andere mit ihrer Pingeligkeit schier in den Wahnsinn treiben und verzetteln sich in ihrer Detail-Liebe häufig.

Sind wir der Biologie da hilflos ausgeliefert? Oder kann jeder durch veränderte Lebensgewohnheiten ein wenig an der chronobiologischen Uhr drehen?

Beides trifft zu. Unser Chronotyp wird genetisch festgelegt, und dennoch haben wir die Möglichkeit, angeborene Muster zu verändern. Aber man muss täglich dranbleiben – so wie man eine Uhr immer wieder aufziehen oder stellen muss. Lichttherapie ist beispielsweise eine effektive Maßnahme. Auch Wirkstoffe wie Koffein oder Melatonin, das Schlafhormon, beeinflussen unseren Schlaf-Wach-Rhythmus. Allerdings lässt sich die Natur nicht komplett verleugnen. Günstig wäre es, dem genetisch vorgegebenen Programm möglichst häufig zu folgen, wenn sich das mit Arbeit und Alltagsaufgaben vereinbaren lässt.

Sie sagen, dass selbst kleine Veränderungen im Alltag das Leben im Einklang mit dem eigenen Chronotypen verbessern könnten. Welche Drehs könnten das sein?

Da gibt es unzählige Möglichkeiten in ganz unterschiedlichen Lebensbereichen. Ein Beispiel: die perfekte Zeit, um eine Diskussion mit dem Partner oder den Kindern zu führen. Jeder Typ hat einen "patience peak", also einen Gedulds-Gipfel. Löwen etwa sind schon beim Frühstück in Form, um ein schwieriges Gespräch gelassen anzugehen. Ein Bär vertagt die Debatte besser auf den Nachmittag, nach einem guten Essen. Delfine und Wölfe können abends am besten ruhig kommunizieren.

Wenn einem der eigene Biorhythmus dann doch mal im Weg steht: Was halten Sie von gesellschaftlich akzeptierten Aufputsch- oder Schlafmitteln wie zum Beispiel Kaffee oder Baldriantee?

Wenn Sie genug Schlaf zur richtigen Zeit bekommen, sind keine Hilfsmittel notwendig. Früher brauchte ich bis zu drei Tassen Kaffee am Tag, heute vergeht manchmal eine Woche, in der ich nur eine einzige Tasse trinke. Und das nur, weil ich inzwischen meinen Chronotypen kenne und meinen Schlaf-Wach-Rhythmus danach ausrichte. Einzig die Delfine, die häufig viel ängstliche, nervöse Energie mitbringen, tun sich mit dem Schlafen manchmal leichter, wenn sie einen Beruhigungstee oder ein Pflanzenpräparat zur Unterstützung nehmen.

Welcher Chronotyp sind Sie denn? 

Ich bin ein Wolf und finde das prima. Zum Glück brauche ich nicht tonnenweise Schlaf, sondern gehe etwa um Mitternacht ins Bett und stehe gegen 6.30 Uhr auf, auch sonntags. Für mich funktioniert das bestens.

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