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Corona aktuell Milde Erkrankung, aber wochenlang Symptome: Was steckt dahinter?

Corona: Müde Frau auf dem Sofa
© fizkes / Shutterstock
Die Omikron-Variante des Coronavirus sorgt bei vielen Menschen nur für leichte Symptome – die aber wochenlang bleiben. Ab wann spricht man von Long Covid?

Eigentlich machen die aktuellen Zahlen an Corona-Neuinfektionen Mut: Die 7-Tage-Inzidenz ist bundesweit laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) gerade unter 900 gesunken, an vielen Orten sind die Regeln zur Infektionseindämmung bereits weggefallen. Und anders als anfangs befürchtet sorgt die Omikron-Variante des Virus für eher mildere Erkrankungen als Delta. Aber: Viele der Menschen, die sich mit der Omikron-Variante infiziert haben, haben auch mehrere Wochen nach der Erkrankung noch mit Beschwerden zu kämpfen.

Müdigkeit, Erschöpfung, Kopfschmerzen und Co.

Dabei werden diese Symptome in vielen Fällen eher als lästig denn als gefährlich wahrgenommen: Neben Konzentrationsstörungen, genereller Erschöpfung und Kopfschmerzen bleiben auch Beschwerden wie Husten oder Schnupfen zum Teil über Wochen bestehen. Aber ab wann sollte ich mir über die anhaltenden Symptome Sorgen machen? "Es ist nicht ungewöhnlich, dass man vier Wochen nach dem Abklingen einer akuten Covid-19-Erkrankung noch Symptome hat", sagte Carmen Scheibenbogen vom Institut für Medizinische Immunologie an der Charité Berlin und Mitglied des dort ansässigen Post-Covid-Netzwerks gegenüber "Spiegel". Auslöser dafür sei vermutlich das Immunsystem, das bei einigen Menschen sehr stark auf das Virus reagiere.

Um die Erreger in den körpereigenen Zellen bekämpfen zu können, setzt das Immunsystem sogenannte Killerzellen und T-Zellen ein, die die befallenen Zellen zerstören. Damit wird das Virus daran gehindert, sich weiter zu vervielfältigen. Aber: Diese Immunreaktion kann eben auch genau die Symptome begünstigen, die während der Infektion auftreten – auch dann noch, wenn das Coronavirus eigentlich nicht mehr nachweisbar ist. Diesen Effekt kennt man bereits von schweren Atemwegserkrankungen, bei denen die Symptome ebenfalls noch Wochen nach der Erkrankung auftreten können. Das Coronavirus befällt allerdings nicht nur die Atemwege, sondern auch die Nervenzellen, wodurch sich Konzentrationsprobleme und Erschöpfung bemerkbar machen können.

Wann habe ich Long Covid?

Expert:innen sprechen von Long Covid, wenn die Symptome nach der Infektion länger als vier Wochen anhalten. "Die gute Nachricht ist, dass die Beschwerden bei vielen Menschen in den ersten beiden Monaten von allein verschwinden", so Scheibenbogen weiter. Bei etwa zehn Prozent der Infizierten bestehen die Symptome aber noch nach mehr als drei Monaten – in diesen Fällen spricht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dann von einem Post-Covid-Syndrom.

Das unangenehme am Post-Covid -Syndrom: Es kann sehr lange für gesundheitliche Probleme sorgen. Laut einer französischen Studie aus dem Fachmagazin "Nature Communications" litten etwa 85 Prozent aller 968 Teilnehmer:innen, die zwei Monate nach einer Coronainfektion noch Symptome hatten, zum Teil auch noch nach zwölf Monaten daran. Allerdings wurde die Studie durchgeführt, als Omikron noch keine Rolle spielte. Immerhin: Erste Daten deuten darauf hin, dass Long Covid ebenfalls milder zu verlaufen scheint, wenn es durch die Omikron-Variante verursacht wurde. Carmen Scheibenbogen empfiehlt Patient:innen, die vier Wochen nach einer Coronainfektion noch Symptome haben, dennoch vorsichtshalber eine Abklärung mit dem Hausarzt oder der Hausärztin.

Quellen: RKI, spiegel.de, Course of post COVID-19 disease symptoms over time in the ComPaRe long COVID prospective e-cohort, nature.com

Brigitte

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