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Corona aktuell Die Therapie-Nachfrage hat extrem zugenommen

Corona: Immer mehr Menschen benötigen therapeutische Hilfe
Seit dem Beginn der Coronapandemie benötigen immer mehr Menschen therapeutische Hilfe.
© fizkes / Shutterstock
Durch Corona ist die Nachfrage nach Therapieplätzen rasant gestiegen. Das große Problem: Es gibt kaum freie Plätze und Betroffene müssen immer länger auf professionelle Hilfe warten.

Am Telefon mit einem "Melden Sie sich doch bitte in ein paar Monaten noch einmal bei uns" abgespeist zu werden, hat Sarah (Name wurde geändert, Anm. d. Red.) schon oft erlebt. Die junge Frau leidet an einer Angststörung. "Die wurde zwar vor vielen Jahren therapeutisch behandelt, doch durch die Pandemie haben sich meine Symptome so stark verschlimmert, dass ich mich wieder auf die Suche nach Hilfe machen musste", erklärt sie.

So wie Sarah geht es aktuell vielen. Das zeigen alarmierende Ergebnisse: Immer mehr Menschen setzen die Corona-Maßnahmen psychisch zu. Besonders in den Lockdown-Monaten sei eine erhöhte Depressivität zu beobachten, so die Psychologische Psychotherapeutin Dr. Anne Runde. Sie leitet eine Studie zum psychischen Befinden in der Coronapandemie.

Auch "die Nachfrage nach Psychotherapie hat stark zugenommen", sagt Gebhard Hentschel, Bundesvorsitzender der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV). Das große Problem: Behandlungskapazitäten, die vorher schon viel zu knapp waren, sind nun noch rarer geworden.

Corona-Folgen: Therapie-Nachfrage steigt bei zu wenigen Behandlungsplätzen

Zwei DPtV-Blitzumfragen zeigen: Die Therapienachfrage in Praxen ist bei Erwachsenen im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent gestiegen. Auch bei Kindern und Jugendlichen lässt sich eine Zunahme von 60 Prozent beobachten.

Die Betroffenen benötigen professionelle Hilfe, doch verzweifeln bereits bei dem Versuch, einen Behandlungsplatz zu ergattern. Laut Umfrage müssen 50 Prozent länger als einen Monat auf ein Erstgespräch warten; 38 Prozent sogar länger als sechs Monate auf einen Behandlungsplatz. Das sei besonders in Großstädten der Fall.

Pandemie macht Unterversorgung psychisch Kranker sichtbar

Nicht erst jetzt gibt es einen eklatanten Mangel an Therapieplätzen. Auch schon vor der Pandemie mussten Betroffene Monate auf einen Behandlungsplatz warten. Die Coronapandemie rückt psychische Erkrankungen ins Zentrum der Aufmerksamkeit und macht die Unterversorgung Betroffener sichtbar.

Auch Sarah ist bei ihrer Suche nach einem Therapieplatz bisher nicht erfolgreich gewesen. Die Auswahl an nicht-privaten Praxen in Hamburg ist überschaubar. Und hier einen Platz zu bekommen? Kaum möglich, wenn es nicht gerade ein Notfall sei oder man bereit wäre, mindestens ein halbes Jahr auf einen Therapieplatz zu warten, stellt die Betroffene ernüchternd fest. Sie nimmt das Warten in Kauf, aber was passiert in der Zwischenzeit?

Instagram*Therapeut*innen als Therapieersatz?

Sarah muss Ausweichmöglichkeiten finden. Neben vielen Gesprächen mit ihrem Partner und einer guten Freundin nutzt sie die Hilfe von Instagram-Therapeut*innen. Bei @dasklemmbrett (Verhaltenstherapeutin Dr. Janina Selle), @diepsychotherapeutin (Psychotherapeutin Anke Glaßmeyer) und @freudmich (Psychologiestudentin Dinah-Kristin Berger) handelt es sich um professionelles Fachpersonal, das auf Instagram sein Wissen teilt und Tipps im Umgang mit psychischen Erkrankungen liefert.

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Instagram integriert.
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Sie liefern Sarah therapeutische Hilfestellung und geben ihr gleichzeitig das Gefühl, mit ihren Sorgen nicht allein zu sein. Ein großes Plus: In den Kommentaren tauschen sich Betroffene untereinander aus. "Eine richtige Community existiert dort, die sich neben den Experten-Tipps auch gegenseitig hilft", erzählt Sarah.

Weitere Hilfsstellen für Betroffene

"Wenn Symptome wie Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit und Energielosigkeit länger als zwei Wochen kontinuierlich anhalten, sollte man sich professionelle Hilfe suchen", rät Dr. Anne Runde. Ihr erster Tipp: sich an seine*n Hausärzt*in zu wenden. "Es geht darum einzuschätzen, ob es sich um eine Depression handeln könnte", so Runde. Vor Ort kann dann an einen Facharzt weitervermittelt werden.

Bei der Suche auf eigene Faust kannst du die Psychotherapiesuche des Psychotherapie-Informationsdienstes (PID) kontaktieren, die Psychotherapeutenkammern der Bundesländer oder die Arztsuchen der Kassenärztlichen Vereinigungen der Bundesländer nutzen.

Hilfe bei Depressionen

Erkennst du bei dir Anzeichen einer Depression? Beim überregionalen Krisentelefon unter 0800 1110111 wird schnell und anonym geholfen! Weiterführende Informationen gibt es außerdem bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Verwendete Quellen:eigene Interviews (Dr. Anne Runde, Sarah), Pressemitteilungen Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung e.V. (DPtV)

Brigitteonline

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