VG-Wort Pixel

Uaaaah! Darmbakterien auf der Zahnbürste – wie kommen die da hin?

Keime auf Zahnbürsten
© 5 second Studio / Shutterstock
Aerosole verteilen nicht nur Coronaviren in der Luft, sondern auch Darmbakterien im Bad. Wie das kommt, und wie wir unsere Zahnbürsten retten.

Zahnbürsten sollen unseren Mund erfrischen und vor allem unsere Zähne von zerstörerischen Karieserregern befreien. Doch jetzt müssen wir erfahren, dass Zahnbürsten selbst wahre Keimschleudern sind und Bakterien in unseren Mund transportieren. Das ist zwar kaum überraschend, wenn man weiß, dass Keime Feuchtigkeit und Speisereste lieben. Doch was Prof. Dirk Bockmühl von der Hochschule Rhein-Waal auf Zahnbürsten gefunden hat, erstaunt und ekelt uns dann doch.

Im Auftrag der SWR-Sendung "Marktcheck" hat der Mikrobiologe 37 Zahnbürsten im Labor untersucht. Ungefähr eine Million Keime findet man offenbar standardmäßig auf den Borsten – doch welche er gefunden hat, ist noch unerfreulicher als die bloße Zahl.

Auf den Zahnbürsten wurden Fäkalkeime gefunden

In den Borsten der Zahnbürsten fand Bockmühl nämlich Fäkalkeime, also Darmbakterien. Besonders für Menschen mit geschwächtem Immunsystem sei das nicht ganz ungefährlich. „Wenn ich tatsächlich zu viele Fäkalkeime auf der Zahnbürste finde, kann mich das krank machen“, so der Mikrobiologe.

Wie kommen die Darmbakterien auf die Bürste?

Wie bei Corona sind Aerosole schuld. Denn sobald die Toilette gespült wird, werden die Fäkalkeime in winzigen Tröpfchen im ganzen Raum verteilt – auch auf der Zahnbürste.

Das sollte man nicht tun

Die Bürste heiß auszuwaschen oder mit Mundspülung zu reinigen, bringe nichts, so der Mikrobiologe. Und wer zu einer Schutzkappe greife, verschlimmere das Problem sogar. Denn unter der Plastikhülle trocknet die Bürste schlechter und die Keime vermehren sich noch schneller.

Warum man besser zwei Zahnbürsten benutzt

Das Einzige, was laut Bockmühl wirklich hilft, ist, den Mikroorganismen die Lebensgrundlage zu entziehen, also die Feuchtigkeit. Daher die Bürsten immer gut trocknen lassen oder noch besser: zwei Zahnbürsten im Wechsel benutzen, denn so verlängert sich die Trockenzeit jeder Bürste. Übrigens, das "Medical Center" der New York University rät schon länger: Klodeckel vor dem Spülen schließen, damit sich die Aerosolwolke gar nicht erst im Raum verteilt.

Wie oft soll ich meine Zahnbürste wechseln?

Seine Zahnbürste sollte man mindestens alle drei Monate wechseln. Wer einen Infekt hatte, sollte sie direkt danach austauschen. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass man sich durch die angesammelten Bakterien ein zweites Mal ansteckt, so Bockmühl.

Sind Bambuszahnbürsten nicht hygienischer?

Nein. Denn obwohl mit der antibakteriellen Wirkung von Bambus geworben wird, unterscheidet sich die Keimbelastung nicht von Plastikzahnbürsten. Für Schimmel sind sie sogar anfälliger, weil die Borsten nicht im Bürstenkopf verschweißt werden können. Dadurch entstehen Hohlräume, in denen sich leichter Schimmel bilden kann. Deshalb ist bei Holz- und Bambuszahnbürsten das sorgfältige Trocknen besonders wichtig.


Mehr zum Thema