Die Augen lasern lassen: Ein Erfahrungsbericht

Immer mehr Menschen lassen sich ihre Augen lasern. Doch hält die so genannte Lasik, was sie verspricht? Welche Nebenwirkungen kann es geben? Und für wen ist das Augenlasern überhaupt geeignet? Ein Erfahrungsbericht.

Jeder Mensch hat einen Schwachpunkt. Bei mir sind es die Augen; ohne meine Kontaktlinsen könnte ich kaum einen Schritt tun. Doch seit einiger Zeit leide ich unter trockenen Augen, die Linsen brennen. Stattdessen eine Brille tragen? Kann ich mir nicht vorstellen.

Wie ich sehen 60 Prozent der Menschen in Deutschland schlecht. Und immer mehr von ihnen lassen sich ihre Fehlsichtigkeit weglasern. Pro Jahr, so schätzt die Kommission für Refraktive Chirurgie (KRC), sind es 120.000. Damit ist die so genannte Laser-in-situ-Keratomileusis, kurz Lasik, mittlerweile eine der häufigsten Augenoperationen.

Dabei schneidet der Chirurg zuerst von der äußersten Schicht, der Hornhaut, einen Deckel auf und klappt ihn zur Seite. Dann verdampft ein Laserstrahl winzige Mengen des darunterliegenden Gewebes, wodurch sich die Lichtbrechung im Auge ändert. Zum Schluss wird der Deckel zurückgeklappt; er wächst von selbst wieder fest. Rund 20 Minuten dauert die OP, betäubt wird nur das Auge. Relativ neu ist die Femto-Lasik, bei der ein Infrarot-Laser den Hornhautdeckel ablöst.

Nicht jeder, der schlecht sieht, ist fürs Lasern geeignet

Das Geschäft mit der Fehlsichtigkeit boomt. Laser-Kliniken gibt es mittlerweile in jeder größeren Stadt. Sie werben mit einem unbeschwerten Leben ohne Brille, locken neue Patienten mit kostenlosen Info-Abenden und "zwei Augen zum Preis von einem". Spezielle Veranstalter bieten Lasik-Reisen nach Polen oder in die Türkei. Nebenwirkungen? Risiken? Davon ist so gut wie keine Rede.

Und doch gibt es sie: Besonders häufig sind störende Lichterscheinungen, so genannte Halos, gesteigerte Nachtblindheit und trockene Augen. Der Hornhautdeckel kann während der Heilung Falten werfen. Manchmal muss ein zweites Mal operiert werden. Und nicht jeder, der schlecht sieht, ist fürs Lasern geeignet. Es funktioniert nicht bei zu dünner Hornhaut, zu großen Pupillen, Linsentrübungen oder Krankheiten wie zum Beispiel Diabetes. Der Eingriff macht zudem wenig Sinn, bevor der Augapfel ausgewachsen ist, also bei Patienten unter 25.

Laut Ärzteverband KRC haben 90 Prozent nach der Lasik immer noch eine Fehlsichtigkeit zwischen minus ein und plus ein Dioptrien. Je stärker die Kurz- bzw. Weitsichtigkeit, umso riskanter. "Bei über minus sechs Dioptrien wird die Wahrscheinlichkeit, das gewünschte Ziel zu erreichen, deutlich geringer, und die Komplikationen nehmen zu", so der Verband. Bei minus acht oder plus vier Dioptrien ist in der Regel sowieso Schluss. Darüber hinaus müsste zu viel Hornhaut abgetragen werden. Wer seine Chancen auf Erfolg ausrechnen will, muss zu seinen Dioptrien allerdings noch die Hornhautverkrümmung dazuzählen. Bei starker Verkrümmung ist also schon eine Kurzsichtigkeit von vier bis fünf Dioptrien grenzwertig.

Beide Kliniken geben ohne Zögern grünes Licht

Obwohl ich mit minus 6,5 Dioptrien, leichter Hornhautverkrümmung und beginnender Altersweitsicht (gegen die die Lasik nicht hilft) eindeutig zur Risikogruppe gehöre, geben beide Kliniken, in die ich zur Voruntersuchung gehe, ohne Zögern grünes Licht. "Kein Problem", sagt der Mediziner in der ersten - so mancher käme hier in der Mittagspause zur Lasik und säße wenige Stunden später schon wieder im Büro.

In der zweiten Klinik schlägt mir der Chirurg vor, nur ein Auge voll zu korrigieren, beim anderen dagegen eine leichte Fehlsichtigkeit zu belassen. Ich könnte dann durch diese "Monovision" auf einer Seite in die Ferne scharf sehen, mit dem unterbelichteten Auge dagegen noch recht gut lesen - auch ohne Lesebrille. Darauf lasse ich mich ein.

Doch die OP zwei Wochen später ist weder schnell noch einfach. "Zu kleine Lidspalte", sagt der Arzt mir später. Warum war zuvor nie die Rede davon? Der Eingriff dauert doppelt so lange wie normal, 40 Minuten, in denen Metallklammern meine Lider auseinanderhalten. Die Augen brennen und beginnen trotz Betäubungstropfen zu schmerzen.

Eine Lasik ist keine To-go-Medizin

Nach der OP versinkt die Welt in dickem Nebel. Eine Woche lang habe ich Schmerzen. Und erst nach fünf Monaten verschwindet der dünne graue Schleier, durch den ich die Welt sehe wie durch eine schlecht geputzte Brille.

Mittlerweile ist ein halbes Jahr vergangen, und meine Augen haben sich stabilisiert. Bei guter Beleuchtung kann ich scharf sehen; bei schlechten Lichtverhältnissen jedoch wird die Umgebung unscharf. Außerdem muss ich mehrmals täglich künstliche Tränen eintropfen, und langes Arbeiten am PC verursacht mir immer noch einen vernebelten Blick.

Meine Sicht auf die Lasik ist dafür umso klarer: Ja, ich würde es wieder machen. Aber eine To-go-Medizin, wie oft versprochen, ist sie nicht, sondern ein ernster chirurgischer Eingriff - und der kann wie jede andere OP Komplikationen und Nebenwirkungen haben.

Die wichtigsten Infos zum Augenlasern

Was macht eine gute Klinik aus?


Die Erfahrung der Ärzte ist entscheidend - fragen Sie also direkt, wie viele Laser-OPs sie/er schon gemacht hat. Werden Sie misstrauisch, wenn viel über ein Leben ohne Brille, aber wenig über Nebenwirkungen gesprochen wird. Und eine gute Klinik bietet ein kostenloses Nach-Lasern an, wenn das Ergebnis schlechter ausfällt als erwartet.

Welche Methoden gibt es?


In Deutschland wird die Lasik mit Mikrokeratom (Messer) und die Femto-Lasik angewandt. Der Eingriff mit dem Messer ist billiger, meist aber belastender und ungenauer als mit dem Femto-Laser. Entscheidend für den Erfolg ist aber weniger die Methode als vielmehr die Erfahrung des Arztes.

Wie viel kostet es?



Da die Kliniken ihre OP-Preise frei festsetzen, gibt es große Unterschiede. Ein Eingriff mit Femto-Laser für beide Augen kostet zwischen 2500 und 5000 Euro, eine Lasik mit Mikrokeratom rund die Hälfte. Gesetzliche Krankenkassen zahlen nicht! Eine Lasik im Ausland ist meist billiger, und die Ärzte sind nicht schlechter, aber vor Ort erfolgt oft nur eine Nachkontrolle. Bei späteren Komplikationen oder starken Nebenwirkungen fallen entweder neue Reisekosten an - oder Kosten für die Nachbehandlung in einer hiesigen Klinik.

Text: Christa Friedl BRIGITTE 06/2013
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