Mein Partner ist depressiv - wie kann ich helfen?

Woran erkenne ich, ob mein Partner eine Depression hat? Wie soll ich mich verhalten? Und wo bekomme ich Hilfe? Tipps und Informationen für Angehörige.

Experten schätzen, dass rund vier Millionen Menschen in Deutschland an Depressionen leiden. Sie alle haben Angehörige, Freunde oder Partner, die mit ihnen leiden und sich oft genug schrecklich hilflos fühlen. Eine Depression lässt sich nicht ohne weiteres feststellen: Wir können nicht in den Kopf unseres Gegenübers hineinschauen, auch sind manche Symptome widersprüchlich. Die folgende Liste kann jedoch helfen, Warnsignale zu erkennen.

Auf eine Depression kann hindeuten, wenn der Partner mindestens zwei Wochen lang ...

  • teilnahmslos und lethargisch wirkt
  • sich über nichts freuen kann
  • es ablehnt, Dinge zu tun, die ihm früher Freude machten
  • viel grübelt und nicht in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen
  • über starke Schuldgefühle und Hoffnungslosigkeit spricht
  • sich selbst vernachlässigt, etwa keine Mühe mehr auf Körperhygiene und gepflegtes Aussehen verwendet
  • viel weint
  • grundlos aggressiv und reizbar reagiert
  • rastlos wirkt
  • über Schlaflosigkeit klagt, vor allem am frühen Morgen
  • ständig müde ist
  • keinen Appetit hat
  • kein Interesse an Sex hat
  • exzessiv Alkohol trinkt
  • über körperliche Beschwerden klagt, für die es keine medizinische Erklärung gibt, etwa Schwindel, Kopfschmerzen oder Magenprobleme
  • von Selbstmord spricht

Leben mit einem depressiven Partner

Ein einfühlsames Buch zu diesem Thema haben Matthew und Ainsley Johnstone geschrieben: "Mit dem schwarzen Hund leben - Wie Angehörige und Freunde depressiven Menschen helfen können, ohne sich dabei selbst zu verlieren". In seinem Buch "Mein schwarzer Hund" hatte Matthew Johnstone bereits einprägsame Bilder geschaffen, um das Leiden depressiver Menschen greifbar zu machen. Der schwarze Hund wird bei ihm zum Sinnbild für die Depression, die das Leben beherrscht.

Das neue Buch ist denen gewidmet, die ebenso mit der Depression leben müssen - und ähnlich unter ihr leiden - wie der Betroffene selbst: den Partnern, Freunden und Angehörigen des Depressiven. Auch für sie wird die Depression zur Kraftprobe: Sie müssen lernen, die Schuld für die Krankheit nicht bei sich zu suchen, die Sorge um den geliebten Menschen zu ertragen und lernen, mit einem Partner zu leben, der sich häufig zurückzieht und abweisend und fern scheint.

"Was Ihnen vielleicht aufgefallen ist", "Was man nicht sagen oder tun sollte", "Was man Gutes tun oder sagen kann", "Wie man sich selbst schützen kann" - so lauten die Kapitel, in die das Buch eingeteilt ist. Matthew und Ainsley Johnstone brauchen wenig Text, um klar zu machen: Leben mit einem depressiven Partner ist oft nicht leicht - dennoch: Es gibt wenig, was für den Betroffenen so wichtig ist wie Liebe, Verständnis und Unterstützung geliebter Menschen.

"Mit dem schwarzen Hund leben" hilft, einen depressiven Menschen besser zu verstehen. Es ist ein Buch, das Mut macht - aber auch eine Warnung: Du allein kannst den anderen nicht retten. Und du hast auch eine Verantwortung dir selbst gegenüber: Erkenne und achte deine eigenen Grenzen und Bedürfnisse.

Matthew Johnstone: "Mit dem schwarzen Hund leben - Wie Angehörige und Freunde depressiven Menschen helfen können, ohne sich dabei selbst zu verlieren". Übersetzt von Thomas Lindquist. Kunstmann Verlag. 14,90 Euro. Sie können das Buch hier bestellen.

Ebenfalls von Matthew Johnstone im Kunstmann Verlag erschienen ist das Buch "Mein schwarzer Hund - Wie ich meine Depression an die Leine legte", das wir hier vorstellen. Sie können das Buch hier bestellen.

Tipps aus "Mit dem schwarzen Hund leben"

Auszüge aus "Mit dem schwarzen Hund Leben"

Hier finden Betroffene und Angehörige Rat und Hilfe

Auf der Website des Kompetenznetz Depression gibt es unter anderem Adressen von Krisendiensten und Kliniken, Literaturtipps und ein Forum, in dem man sich mit anderen Betroffenen austauschen kann.

Angehörige können sich an den Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker (BApK) oder einen der angegliederten Landesverbände wenden.

Die Selbsthilfe-Organisation Agus - Angehörige um Suizid bietet unter anderem Informationen zum Thema Suizid und Trauer und Adressen zu Selbsthilfegruppen.

Auch der gemeinnützige Verein Deutsches Bündnis gegen Depression e.V. bietet umfassende Informationen.

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