Diagnose: Pseudoallergie

Ein lauer Sommerabend. Käse, Tomaten, Rotwein - herrlich! Was aber, wenn man postwendend Hautausschlag kriegt? Bauchweh, Durchfall oder gar Atemnot? Sieht verdammt nach einer Allergie aus. Ist meist aber "nur" eine Pseudoallergie.

Während bei einer echten Allergie das Immunsystem verrückt spielt - oft schon bei geringsten Spuren zum Beispiel von Nüssen -, läuft bei Pseudoallergikern unter anderem der Stoffwechsel nicht ganz rund. Er kann beispielsweise bestimmte Substanzen in Nahrungsmitteln nicht so gut verarbeiten.

Anders als Allergiker vertragen Pseudoallergiker aber kleine Mengen des betreffenden Nahrungsmittels meist gut. Typische Auslöser einer Pseudoallergie sind "biogene Amine", Eiweißbestandteile. Sie entstehen zum Beispiel, wenn Nahrungsmittel mit lebenden Mikroorganismen hergestellt werden. Käse gehört dazu, aber auch Rotwein, Essig, Hefe und Sauerkraut. Biogene Amine stecken außerdem in Schokolade, Fischkonserven und manchen Obst- und Gemüsesorten (besonders Tomaten).

Weitere Auslöser: zum Beispiel Konservierungsmittel (Benzoesäure, Schwefeldioxid, Sorbinsäure), Färb- und Aromastoffe oder Geschmacksverstärker wie Glutamat.

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Schwierige Spurensuche

Oft ist es eine langwierige Detektivarbeit, bis der Allergologe den Auslöser für eine Pseudoallergie gefunden hat. Zunächst muss eine echte Allergie ausgeschlossen werden. Weil es für Pseudoallergien keine speziellen Labortests gibt, muss man etwa vier Wochen lang eine Diät essen, die arm an bekannten Auslösern ist (Auslassdiät). Sind dann die Beschwerden weg, werden nach und nach die heiklen Lebensmittel bzw. die Lebensmittelzusatzstoffe ausprobiert (Provokationstest). So kommt man den Verdächtigen auf die Spur.

Andere Tests wie Kinesiologie, Elektro-Akupunktur oder Bioresonanz gelten unter Experten als unseriös. Mit solchen Methoden werden oft jede Menge angebliche Unverträglichkeiten gefunden, die zum Teil zu extremen Diätempfehlungen führen. Die sind nicht nur überflüssig, sondern unter Umständen auch schädlich, weil zu einseitig. Generell ist es gut, überwiegend naturbelassene Nahrungsmittel zu essen und auf Lebensmittel mit ellenlangen Zutatenlisten zu verzichten.

Manchmal fehlen Enzyme

Bauchweh nach dem Essen kann auch auf einen Mangel an bestimmten Verdauungsenzymen hindeuten. Zum Beispiel wenn im Darm das Enzym Laktase fehlt. Dann kann Milchzucker nicht abgebaut werden, verursacht Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen. Der Fachbegriff für diese Milchzucker-Unverträglichkeit: Laktoseintoleranz.

Kleine Mengen Milch und Milchprodukte werden aber häufig vertragen. Außerdem gibt es Kautabletten (Apotheke, Reformhaus), die das Enzym Laktase enthalten, und laktosefreie Milchprodukte.

Oder ist doch das Brot schuld?

Auch eine Zöliakie macht sich im Bauch bemerkbar: Der Darm verträgt das Klebereiweiß Gluten (in Weizen, Roggen, Gerste und Hafer) nicht. Die Darmschleimhaut wird geschädigt und nimmt nicht mehr genügend Nährstoffe auf. Glutenhaltige Nahrungsmittel müssen möglichst ein Leben lang gemieden werden.

Hört sich schlimm an. Doch es gibt eine Menge schmackhafte Alternativen: Nudeln, Brot, Kuchen oder Kekse aus Buchweizen, Reis, Mais, Hirse (Reformhaus, Naturkostladen).

Und wer weiß, vielleicht schmecken im nächsten Sommer Käse, Tomaten und Rotwein schon wieder ohne Reue. Manchmal erledigen sich Pseudoallergien und Unverträglichkeiten im Laufe der Zeit von selbst. Also immer mal vorsichtig probieren, ob man die Lebensmittel inzwischen verträgt.

Mehr Infos:

www.daab.de - Deutscher Allergie- und Asthma-Bund e.V.

www.allum.de - "Allergie, Umwelt und Gesundheit", eine von Ärzten und Umweltmedizinern betreute Site.

"Was bedeuten E-Nummern?" - die Broschüre der Verbraucherzentrale Hamburg informiert über bedenkliche Zusatzstoffe; anzufordern unter www.vzhh.de ("Ernährung" - Ratgeber" anklicken).

Text: Dr. Sabine Thor-Wiedemann BRIGIITTE Heft 16/2006
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