Die Allergie-Diät

Teure Bluttests sollen Lebensmittel-Unverträglichkeiten aufspüren. Ein individueller Speiseplan hilft dann beim Abnehmen. Stimmt das? Wir fragten den Allergologen Dr. Michael Körner*.

BRIGITTE: Machen Allergien denn wirklich dick?

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Dr. Michael Körner: : Klare Antwort: nein.

BRIGITTE: Können diese Bluttests überhaupt Nahrungsmittel-Allergien oder -Unverträglichkeiten aufspüren?

Dr. Michael Körner: Nein. Wir haben bei unseren Patienten die Ergebnisse dieser so genannten IgG-Tests mit gesicherten Allergietests verglichen - es gab keine Zusammenhänge.

BRIGITTE: Was leisten die Tests dann?

Dr. Michael Körner: Sie weisen nach, was jemand in letzter Zeit gegessen hat, zum Beispiel Möhren, Nüsse oder Käse. Im Blut sind dann entsprechende IgG-Antikörper (siehe Kasten) zu finden. Sind für ein Lebensmittel besonders viele Antikörper da, bedeutet das, dass das Lebensmittel häufig verzehrt wurde. Die Hersteller der Tests ziehen daraus den Schluss: Je mehr Antikörper, desto stärker wird das Immunsystem gefordert, und das macht krank und dick. Diese Behauptung entbehrt aber jeder wissenschaftlichen Grundlage. Das Immunsystem setzt sich mit allem, was wir essen, auseinander. Es ist also völlig unsinnig, für einen solchen Test mehrere hundert Euro auszugeben.

BRIGITTE: Allergologen warnen inzwischen vor solchen Tests – warum?

Dr. Michael Körner: Beim Deutschen Allergie- und Asthmabund melden sich immer mehr Betroffene, die die Tests gemacht haben und jetzt auf vierzig und mehr Lebensmittel verzichten sollen, um ihre Beschwerden zu lindern. Sie sind verzweifelt und völlig ratlos, was sie überhaupt noch essen können. Die Hersteller der Bluttests handeln hier völlig verantwortungslos, lassen die Leute allein.

BRIGITTE: Aber einige Leute nehmen offenbar ab, wenn sie ihre vermeintlichen "Dickmacher" weglassen.

Dr. Michael Körner: Das kann sein. Denn werden zum Beispiel Milchprodukte ersatzlos gestrichen, isst man schon mal weniger Fett als vorher – und nimmt ab. Mit einer Allergie hat das aber nichts zu tun. Schlimm daran: Dürfen nur noch wenige Lebensmittel gegessen werden, droht ein gefährlicher Nährstoffmangel, ganz besonders bei Kindern. Wer auf bestimmte Lebensmittel verzichten möchte, sollte dies nur mit fachlicher Begleitung tun (Arzt und/oder Ernährungsberaterin).

BRIGITTE: Die Hersteller behaupten, auch bei Asthma hätten sich die Bluttests bewährt....

Dr. Michael Körner: Das ist falsch, die Tests können keine Krankheiten nachweisen.

BRIGITTE: Wie findet man heraus, ob man wirklich unter einer Lebensmittel-Unverträglichkeit oder -Allergie leidet?

Dr. Michael Körner: Man sollte erst mal ein Ernährungstagebuch führen und da auch Beschwerden notieren. Ein Allergologe prüft dann mögliche Allergie-Auslöser mit verschiedenen Tests, die Kosten dafür übernimmt die Krankenkasse.

*Leitender Oberarzt der Hautklinik Linden, Medizinische Hoschschule Hannover, Klinikum Hannover

Allergisch oder nicht?

Bluttests, vor denen unter anderem der Ärzteverband Deutscher Allergologen warnt, sind so genannte IgG-Tests. Sie weisen bestimmte Antikörper - das Immunglobulin G - nach. Die Hersteller behaupten: je höher die Konzentration der Antikörper auf bestimmte Nahrung, desto stärker die Unverträglichkeit dagegen. Um eine echte Allergie nachweisen zu können, ist ein IgE-Test (Immunglobulin E) oder ein Prick-Hauttest erforderlich. Nur etwa drei bis vier Prozent der Erwachsenen und fünf bis acht Prozent der Kinder in Deutschland haben eine echte Nahrungsmittel-Allergie.

Fragen zu Nahrungsmittel-Allergien? Der Deutsche Allergie- und Asthmabund beantwortet sie per Website www.daab.de oder telefonisch, DAAB-Zentrale: 021 61/81 49 40.

Interview: Kirsten Khaschei BRIGITTE 17/05
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