Die Pille: die wichtigsten Fragen


Rund sechs Millionen Frauen in Deutschland verhüten mit der Pille, mehr als die Hälfte von ihnen ist unter 30 Jahre alt. Nur: Über Risiken und Nebenwirkungen sind viele nicht informiert.

Nach einer repräsentativen Umfrage des Mafo-Instituts wissen 47 Prozent aller Frauen zwischen 15 und 45 Jahren nicht, dass sie schwanger werden können, wenn sie ihre Pille vergessen. Hier die Antworten auf 19 oft gestellte Fragen:

Wenn ich die Pille nehme, bin ich vom ersten Tag an geschützt?

Ja, sofern Sie innerhalb der ersten drei Tage der Regelblutung anfangen.

Welche Pillen gibt es eigentlich?

Knapp 90 Prozent aller verordneten Präparate sind Mikropillen. Sie gehören zu den Ovulationshemmern, enthalten die Hormone Östrogen sowie Gestagen und verhindern den Eisprung. Die Minipille enthält nur Gestagen. Sie verändert das Gebärmutterhalssekret. So können die Samenzellen den Schleimpfropf nicht passieren und darum nicht in die Gebärmutter aufsteigen. Zwei-Phasen-Präparate enthalten in den ersten sieben Tagen nur Östrogen, in der zweiten und dritten Woche eine Kombination aus Gestagen und Östrogen.

Was passiert, wenn ich die Pille vergessen habe?

Mikropillen wirken auch dann noch, wenn sie mit bis zu zwölf Stunden Verspätung geschluckt werden. Liegt mehr Zeit dazwischen, können Sie bis zum Zyklusende bei ungeschütztem Verkehr schwanger werden. Trotzdem sollten Sie die restlichen Pillen dieser Packung zu Ende nehmen (die vergessene einfach weglassen), um Zwischenblutungen zu vermeiden. Schützen Sie sich mit einem Kondom oder Diaphragma.

Für die Minipille gilt ein strenger Zeitplan: Man muss sie täglich nahezu zur gleichen Uhrzeit einnehmen. Wird die Zeit um mehr als drei Stunden überschritten, sind Sie in diesem Zyklus nicht geschützt. Die Packung dann zu Ende nehmen und anders verhüten. Bei den selten verschriebenen Mehrphasenpräparaten bleiben etwa sechs Stunden, um sie nachträglich einzunehmen. Die genaue Zeitspanne im Beipackzettel nachlesen oder in der Arztpraxis erfragen.

Beeinflusst die Pille die sexuelle Lust?

Einige Frauen bemerken eine Luststeigerung, andere reagieren mit nachlassendem Appetit auf Sex. Warum, ist nicht bekannt. Falls Sie unzufrieden sind, sprechen Sie mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt. Ein Wechsel des Präparates kann die Luststörung beseitigen.

Macht die Pille dick?

Nur ganz wenige Frauen reagieren sehr sensibel auf die Hormone und nehmen stark zu. Die meisten Frauen aber halten ihr Gewicht oder verändern es nur leicht. Dies könnte eine Folge des Gestagens sein: Durch die Pille spiegelt man dem Körper eine Schwangerschaft vor, auf die er sich vorbereiten will, indem er Reserven anlegt. Aber das macht normalerweise nicht mehr als ein, zwei Pfund aus. Viele Frauen geben der Pille die Schuld, wenn sie sich zu dick fühlen, obwohl sie sich die Kilos einfach angefuttert haben. Mit vernünftigem Essverhalten (nicht mit Hungerkuren) können die meisten trotz Pille ihr Gewicht halten.

Bekomme ich von der Pille Pickel oder fettige Haare?

Manche Frau reagiert in der Anfangsphase mit Pickeln und fettigen Haaren. Gynäkologen verschreiben dann ein Präparat mit anderem Gestagenanteil, das sich positiv auf den Zustand von Haut und Haaren auswirkt. Diese Präparate setzen Frauenärzte auch gezielt ein, wenn die Patientin schon vor Verordnung der Pille unter Akne leidet.

Kann die Pille Pigmentflecke verursachen?

Ja, denn die Hormone können den Körper zu einer gesteigerten Produktion des Hautfarbstoffes Melanin stimulieren. Frauen, die in einer Schwangerschaft bräunliche Hautverfärbungen hatten, bekommen diese Flecke sehr wahrscheinlich auch, wenn sie die Pille nehmen.

Kopfschmerzen - kommen die von der Pille?

Manchmal ja. Wenn Sie häufiger unter heftigen Kopfschmerzen oder Migräneanfällen leiden, sollten Sie zum Arzt gehen. Oft hilft ein anderes Präparat.

Worauf muss ich achten, wenn ich verreise?

Packen Sie genügend Pillen ein, im Ausland kann es schwierig werden, das gleiche Präparat zu bekommen. In heißen Ländern die Pille im klimatisierten Hotelzimmer oder Kühlschrank lassen. Wenn sie - zum Beispiel im Kofferraum des Autos - auch nur kurze Zeit über 50 Grad warm wird, verliert sie ihre Wirksamkeit. Bei Reisen mit Zeitverschiebung muss man beachten, dass die Pause zwischen zwei Pillen nicht zu lang wird. Stellen Sie den Rhythmus je nach Reiseziel in Absprache mit Ihrem Frauenarzt um.

Bin ich bei Erbrechen oder Durchfall noch geschützt?

Müssen Sie sich innerhalb von vier Stunden nach Pilleneinnahme übergeben oder tritt innerhalb von fünf Stunden Durchfall auf, besteht kein sicherer Schutz. Abhilfe: In den nächsten zwölf Stunden eine weitere Pille nehmen, den Rest der Packung wie gewohnt. Aber bei der Minipille funktioniert das nicht!

Rauchen und Hormone - ist das wirklich so schlimm?

Östrogene aktivieren das Blutgerinnungssystem. Deshalb kann es durch die Pilleneinnahme leichter zu einer Thrombose kommen. Wer außerdem auch noch raucht, erhöht das Risiko zusätzlich. Das tückische an den Pfropfen, die sich meist in den Beinvenen bilden: Sie können sich lösen, wandern mit dem Blutstrom in die Lunge und verursachen eine lebensgefährliche Lungenembolie. Weitere Gefahren: ein - leicht - zunehmendes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Wer es bis 35 nicht geschafft hat, auf die Zigaretten zu verzichten, sollte die Pille deshalb nicht mehr nehmen.

Was soll ich vor Operationen tun?

Wegen des erhöhten Thrombose-Risikos empfehlen Gynäkologen, die Pille vier bis sechs Wochen vor geplanten größeren Operationen abzusetzen. Das gilt nicht unbedingt für kleinere Eingriffe wie eine Mandeloperation. Wichtig: Hören Sie nicht auf eigene Faust mit der Pille auf, sondern sprechen Sie mit dem Haus- oder Frauenarzt über das Thrombose-Risiko und informieren Sie die Ärzte im Krankenhaus, dass Sie die Pille nehmen.

Erhöht die Pille das Krebsrisiko?

Bei Frauen, die die Pille nehmen oder genommen haben, wird Brustkrebs in der Tat etwas häufiger diagnostiziert. Allerdings können die Hormone keinen Brustkrebs verursachen, jedoch kleine Tumoren in ihrem Wachstum beschleunigen. Weil Ärzte die Brust bei der halbjährlichen Routinekontrolle sehr gründlich untersuchen, werden Tumoren meist in einem Stadium mit guten Heilungschancen entdeckt. Dagegen schützt die Pille vor Gebärmutterkrebs, wahrscheinlich auch vor Tumoren der Eierstöcke.

Macht die Pille unfruchtbar?

Die Verhütung mit Hormonen hat keinen negativen Einfluss auf die spätere Fruchtbarkeit. Allerdings kann es nach Absetzen der Pille drei bis sechs Monate dauern, bis sich Zyklus und Eisprung wieder eingependelt haben.

Brauche ich in jedem Fall ein Rezept?

In Deutschland ja. Vor der ersten Verschreibung muss der Frauenarzt überprüfen, ob medizinische Gründe dagegen sprechen. Außerdem sind Kontrollen in sechsmonatigem Abstand nötig (Kosten übernimmt die Kasse), damit ein Abstrich vom Gebärmutterhals gemacht werden kann. So lassen sich krebsverdächtige Veränderungen so früh wie möglich erkennen. Bis zum 20. Lebensjahr gibt's die Pille auf Kassenrezept.

Das erste Mal die Pille - welche ist die richtige?

Für sehr junge Frauen, zum Beispiel zwischen 15 und 18 Jahren, eignen sich Pillen mit sehr geringem Gehalt an Östrogen und Gestagen. So wird der Körper nicht unnötig mit Hormonen belastet. Sie schützen (genauso wie höher dosierte) nahezu 100prozentig, wenn sie regelmäßig jeden Tag eingenommen werden. Die erforderliche Disziplin allerdings kann zum Problem werden: Wer nachts viel auf der Rolle ist, Stress in der Schule oder mit dem Freund hat, vergisst oft ganz einfach die Pille. Am besten, man nimmt sie immer direkt vor dem Zähneputzen oder gleich nach dem Aufstehen, dann gehört sie irgendwann zum Tagesablauf. Ebenfalls hilfreich: ein kleiner Aufkleber im Portemonnaie oder Kosmetiktäschchen.

Wann ist es Zeit für eine Pause?

Auch wenn Sie die erste Pille schon mit 17 Jahren genommen haben und jetzt 35 sind: Eine Unterbrechung ist nicht notwendig. Oft führt sie nur zu einer unerwünschten Schwangerschaft. Dank der niedrigen Hormonmengen können Sie alle Pillen, die heute verschrieben werden, über Jahre, sogar Jahrzehnte ohne größere Gefahr einnehmen. Wer aber einen zunehmenden Widerwillen gegen die Pille verspürt, sollte mit der Ärztin oder dem Arzt über andere Verhütungsmethoden sprechen.

Mit 40 oder 45 immer noch die Pille?

Die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft sinkt mit zunehmendem Alter, denn der Eisprung wird unregelmäßiger und seltener. Aber eine Frau kann so lange schwanger werden, bis ihre normale Regelblutung endgültig aufhört. Wer selten Verkehr hat, kann statt der täglichen Pille Kondome benutzen. Als Verhütung im Notfall wird auch mal die "Pille danach" verschrieben (am Wochenende zum Beispiel in einer Klinikambulanz). Das rezeptpflichtige Präparat "Tetragynon" (eine Kombination aus Östrogen und Gestagen) verhindert die Einnistung des Eis und ist keine Abtreibungspille. Es muss innerhalb von 48 Stunden nach dem Verkehr eingenommen werden, die zweite Dosis zwölf Stunden später. Nur einmal in einem Zyklus anwenden, sonst besteht die Gefahr starker Blutungsstörungen. Als Routine-Methode ist die "Pille danach" nicht geeignet, aber sie ist die bessere Lösung als eine Abtreibung nach ungeschütztem Verkehr.


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