Die Sache mit dem Eisprung

In letzter Zeit geisterte die Meldung durch die Presse, dass Frauen mehrere Eisprünge pro Monat hätten. Eine kanadische Studie habe gezeigt, dass natürliche Verhütungsmethoden deshalb höchst unzuverlässig seien.

Das Forscherteam vom Reproduktionsbiologischen Institut der Universität Sasketchewan sollte angeblich über den Haufen geworfen haben, was 50 Jahre lang als erwiesen galt: Dass Frauen nur einen Eisprung im Monat haben.

Bislang war man davon ausgegangen, dass nur einmal zu Beginn des Zyklus mehrere Follikel heranwachsen, aus denen ein einziges befruchtungsfähiges Ei entsteht. Tatsächlich haben die kanadischen Wissenschaftler in ihrer Studie herausgefunden, dass pro Zyklus Follikel in zwei bis drei Intervallen heranreifen. Allerdings wurde nicht festgestellt, dass Frauen deshalb auch zwei bis drei Eisprünge haben. Für ihre Untersuchungen hatte das Forscherteam 63 Frauen einen Monat lang jeden Tag per Ultraschall untersucht.

Trotzdem wurde Dr. Roger Pierson, Direktor am Reproduktions- biologischen Institut der Universität Sasketchewan, mehrfach mit der Aussage zitiert, dass für 40 Prozent der Frauen eine natürliche Familienplanung nicht infrage komme, da es bei ihnen zu jedem Zeitpunkt zu einem Eisprung kommen könne. In der Studie, die in der renommierten Fachzeitschrift "Fertility and Sterility" veröffentlicht wurde, ist davon allerdings nichts zu lesen - lediglich, dass die neuen Erkenntnisse künftig die Behandlung von Unfruchtbarkeit bei Frauen erleichtern könnten. Und dass auf Basis der Studie eventuell neue, schonendere Antikonzeptiva entwickelt werden könnten.

Dr. Peter Licht, Leiter des Schwerpunkts Gynäkologische Endokrinologie & Reproduktionsmedizin an der Uniklinik Tübingen, sieht das genauso. Er hält die Studie für hochinteressant - allerdings nur, weil sie die neue Erkenntnis bringe, dass Follikel mehrere Male pro Zyklus heranreifen. Er betont aber, dass diese Erkenntnis "keine praktische Relevanz" habe, da keine Rede davon sei, dass die Frauen mehrfach ovulierten. "In seltenen Ausnahmefällen kann es vorkommen, dass Frauen zwei Eisprünge pro Monat haben - aber das ist nichts Neues." Paare brauchen aufgrund der Studie ihre Verhütungspraxis also nicht umzustellen.

sar
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