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Drei Monate rauchfrei

Zigarette wird im Aschenbecher ausgedrückt
© leolintang / Shutterstock
Susanne Arndt hat am 1. März 2004 ihre letzte Zigarette geraucht. Doch die Freude darüber will sich nicht so recht einstellen. Hier beschreibt sie, wie es ihr nach drei Monaten ohne Glimmstängel ergeht.

Niemand hatte mir gesagt, wie viele Ecken und Kanten das Leben haben würde. Natürlich hatte ich mich auf ein paar äußerst unangenehme Tage oder Wochen eingestellt, als ich am 1. März die letzte Zigarette ausdrückte. Aber auf das, was nach dem Entzug kommen sollte, wartete ich freudig und neugierig: Ein Leben voller neu gewonnener Stärke, Schönheit, Spaß und Freiheit. Dies zumindest suggerierte mir das Buch "Endlich Nichtraucher!" von Allen Carr, das ich zur Festigung meines Entschlusses gelesen hatte. Doch auf diese wunderbare, neue Lebensqualität warte ich heute immer noch.

Ich finde das Leben ohne Zigaretten anstrengender als mit. Unangenehme Dinge sind unangenehmer als vorher, ganz so, als wäre ich ihnen stärker ausgeliefert. Stress wird stressiger, Ärger ärgerlicher und Langeweile langweiliger. Ich erlebe diese Dinge wie durch ein Vergrößerungsglas. Das heißt aber nicht, dass die schönen Seiten des Lebens auch schöner wären. Nein, sie machen weniger Spaß als früher. Das ist nicht fair und niemand hatte mich davor gewarnt.

Gewarnt hatte man mich vor dem Zunehmen, vor Stoffwechselveränderungen und Schmacht. Davon blieb ich weitgehend verschont. Ich habe ein bisschen zugenommen, musste mir aber keine neue Garderobe zulegen; gelegentlich habe ich Lust auf eine Zigarette, aber das geht immer schnell vorbei. Nur warum war nirgends die Rede davon, dass Zigaretten - wie andere Drogen auch - das Leben scheinbar leichter machen? Dass Nichtrauchen keinen Spaß macht?

Ich fragte Peter Lindinger, Diplom-Psychologe für Tabakentwöhnung beim Deutschen Krebsforschungszentrum, was es mit meinen Erfahrungen auf sich hat. Er bestätigte, dass ich damit nicht allein sei: "Bei Frauen ist es gar nicht so selten, dass sich ihre Gefühlswelt nach einem Rauchstopp verändert. Viele fühlen sich verletzlicher, 20 bis 30 Prozent der Frauen haben einen stärkeren Drang zu weinen. Bei ihnen war Rauchen ein universelles Bewältigungsmuster. Ohne Zigaretten fühlen sie sich ihren Emotionen ausgeliefert und sie haben keine Möglichkeit mehr, etwas dagegen zu tun." Fünf bis zehn Prozent der erfolgreichen Aussteigerinnen litten unter "depressiven Episoden", die oft erst mehrere Wochen nach dem Rauchstopp aufträten. Dann hieße es "nach vorne schauen" - mit etwas Glück verschwänden diese Episoden von selbst.

Und dann sagte er noch etwas von Antriebsschwäche. Fensterputzen, Steuererklärung machen, Schuhe kaufen? Solche Dinge schiebe ich neuerdings vor mir her. Während ich diese Alltäglichkeiten früher möglichst schnell erledigt habe, weil ich erst dann richtig entspannen konnte, versetzt mich heute bereits der Gedanke daran in ein untätiges Schaudern. So stapelt sich jetzt unerledigte Post auf meinem Schreibtisch und mein Blick durchs Fenster ist auch im Juni noch wintergetrübt.

Ich werde trotzdem weitermachen: Ich stinke nicht mehr, meine Wohnung stinkt nicht mehr, ich kann tiefer durchatmen, ich spare Aspirin und Rouge, denn die häufigen Kopfschmerzen sind weg und mein Spiegelbild sieht jetzt deutlich frischer aus. Ich mache statt einmal zwei- bis dreimal die Woche Sport. Und ich gebe nicht mehr jeden Tag Geld dafür aus, um eine Tabakindustrie zu beglücken, die mir zum Dank schreckliche Krankheiten an den Hals schickt. Das ist es, was mich trotz allem motiviert. Und ich bin immer noch neugierig darauf wie es ist, eine echte Nichtraucherin zu sein.

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