Ecstasy

Nach einer Untersuchung des Max-Planck-Institutes für Psychiatrie haben rund drei Prozent der 14- bis 25-Jährigen die Pillen zumindest schon einmal probiert. Hochrechnungen verschiedener Experten haben ergeben, dass zwischen 100.000 bis 500.000 Jugendliche in Deutschland gelegentlich oder sogar regelmäßig Ecstasy nehmen.

Wie sehen die Pillen aus?

Die kleinen Tabletten sind meist gelb, rosa oder blau und mit kleinen Figuren verziert. Sie kursieren in der Techno- und Rave-Szene sowie in Discos. Der "Kick" ist relativ billig zu haben: Eine Pille kostet etwa 15 bis 25 Mark.

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Was ist drin?

Reine Chemie. Die Wirksubstanz MDMA, ein Abkömmling der aufputschenden Amphetamine, ist seit langem bekannt, wurde aber nie als Medikament auf dem Markt gebracht. Die meisten Ecstasy-Pillen stammen aus illegalen Labors in den Niederlanden. Sie enthalten im Schnitt 100 bis 130 Milligramm MDMA oder ähnliche Aufputschmittel. Im Umlauf sind aber auch "Fälschungen", von der harmlosen Zuckerpille über die getarnte Schmerztablette bis hin zu stärkeren Substanzen, die einen rauschartigen Zustand erzeugen.

Wie wirkt Ecstasy?

Das hängt von den Inhaltsstoffen ab. Wer eine reine MDMA-Pille erwischt hat, verspürt nach etwa 20 bis 60 Minuten die ersten Wirkungen, und die sind zunächst angenehm: Man hat plötzlich eine ungeheure Power und könnte die ganze Welt umarmen. "Man liebt alle Menschen, alle lieben dich", "man ist völlig angstlos", kann "alles erzählen", "tanzt ekstatisch" - und dieser Zustand hält bis zu sechs Stunden an, berichten Jugendliche, die mit Ecstasy Erfahrung haben.

Wie kommt das Glücksgefühl zustande?

Der Aufputsch-Cocktail in den bunten Pillen treibt Serotonin und andere Botenstoffe im Gehirn, die euphorisch machen, zu Höchstleistungen an: Sie werden in größeren Mengen als sonst ausgeschüttet und bleiben länger aktiv. Dafür verbrauchen sie sich auch schneller, und bis die natürlichen Vorräte wieder aufgefüllt sind, können Tage oder sogar Wochen vergehen. Durchhänger sind also programmiert.

Eine Umfrage des Sozialpädagogischen Instituts in Berlin ergab: Am Tag nach einem Ecstasy-Trip hat jeder zweite Beschwerden wie zum Beispiel depressive Verstimmungen, Angstgefühle und Antriebslosigkeit. Aus einer Studie in England geht hervor: Selbst vier Tage danach ist ein solches Stimmungstief nicht überwunden, sondern hat sich im Gegenteil weiter verstärkt. Außerdem ist in diesem Zeitraum das Gedächtnis nicht so gut wie sonst. Je häufiger und höher der Ecstasy-Konsum, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass solche unangenehmen Nebenwirkungen tatsächlich eintreten.

Wie kommt es, dass Ecstasy auch die Körperreaktionen durcheinanderbringt?

Weil der Botenstoff Serotonin, auf den das Aufputschmittel wirkt, nicht nur Gefühle steuert, sondern zum Beispiel auch Appetit und Durst, den Blutdruck und den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflusst. Ecstasy ist sozusagen ein großer Hammer, der im Gehirn nicht nur den Glücksknopf trifft, sondern alle benachbarten Schalthebel gleich mit umlegt. So werden wichtige Alarm- und Schutzfunktionen des Körpers - wie zum Beispiel das Schmerzempfinden - ausgeschaltet oder zumindest stark heruntergefahren.

Deshalb halten Jugendliche, die Ecstasy genommen haben, scheinbar mühelos tagelang durch, ohne sich auszuruhen. Dabei überfordern sie ihren Organismus, ohne es zu merken, und das kann schlimme Folgen haben.

Ist es gefährlich, mit Ecstasy tagelang durchzumachen?

Unter Umständen ja. Ecstasy kann zum Beispiel die Regulierung der Körpertemperatur durcheinander bringen: Man nimmt Durst und Erschöpfung dann nicht mehr wahr, verliert beim stundenlangen Tanzen große Mengen Flüssigkeit, und der Körper heizt sich auf mehr als 40 Grad hoch. Störungen der Blutgerinnung und Zerfall der Muskelfasern können die Folge sein. In einigen - allerdings seltenen Fällen - hat das bereits zum Tod geführt.

Macht Ecstasy abhängig?

Rein körperlich nicht. Wer die Pillen jedoch wie ein Medikament einnimmt, um mit Stimmungstiefs und Ängsten besser fertig zu werden, läuft Gefahr, psychisch abhängig zu werden: Wann immer man schlecht drauf ist, "braucht" eine Pille und muss bald die Dosis erhöhen, damit sich das Glückgefühl einstellt. Nach einiger Zeit regelmäßigen Konsums sind von den Wirkungen des Aufputschmittels - wie bei andern Drogen auch - nur noch die unangenehmen übrig geblieben (z.B. Übelkeit, Muskelkrämpfe, Schweißausbrüche, Nervosität, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen).

Mit welchen Langzeit-Folgen muß man rechnen?

Das kann im Moment noch niemand genau sagen. Da Ecstasy in Deutschland erst seit wenigen Jahren kursiert, gibt es bisher keine Erkenntnisse über mögliche Spätfolgen. Versuche an Affen deuten darauf hin, dass die Substanz bei Dauerkonsumenten möglicherweise bestimmte Areale des Gehirns schädigt, die für die Merk- und Konzentrationsfähigkeit zuständig sind.

Eine auf zwei Jahre angelegte Studie der Forschungsgruppe Designerdrogen am Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf soll jetzt Klarheit bringen. Die Forscher untersuchen den Hirnstoffwechsel bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die regelmäßigb Ecstasy nehmen, um eventuelle Veränderungen festzustellen. Außerdem wollen sie herausfinden, ob es körperliche und psychische Merkmale gibt, die besonders anfällig machen für Gesundheitsschäden durch Ecstasy.

Es ist normal, dass Jugendliche...

  • in ihren Schulleistungen unbeständig sind
  • sich von den Familienaktivitäten zurückziehen
  • in der Stimmung zwischen Anlehnung, Aggression und der alten Vertrautheit hin- und herschwanken
  • ihre Interessen häufig ändern und z.B. die Schule oder die Lehrstelle wechseln wollen

Problematisch ist es, wenn Jugendliche...

  • in der Schule auf allen Gebieten plötzlich schlechter werden
  • ihren Freundeskreis aufgeben oder ständig wechseln
  • sich in eine totale Isolation zurückziehen
  • bisherige Interessen bis zur Teilnahmslosigkeit aufgeben
  • Schule oder Ausbildung abbrechen und völlig resignieren
  • ohne jede Aktivität und Perspektive "herumgammeln"

Info-Adressen

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) Info-Telefon 10-22 Uhr: 02 21/89 20 31

ecstasy project Hamburg Telefon-Hotline 16-21 Uhr: 040/24 80 00

Buchtipps

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XTC und XXL Ecstasy: Manfred Rabes/Wolfgang Harm, Rowohlt, 7,50 Euro

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