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Eierstockkrebs: Oft falsch behandelt


Eine neue Studie zeigt: Nur jede zweite bis dritte Patientin mit Eierstockkrebs bekommt die richtige Therapie. Dabei geht es ums Überleben. Die wichtigsten Antworten.

Wie hoch sind die Chancen auf Heilung?

Das hängt zum einen davon ab, wie weit der Eierstockkrebs vorangeschritten ist, zum anderen - leider - von der Qualität der Behandlung. Im ersten Stadium der Erkrankung liegt die Fünfjahres-Überlebensrate bei 80 bis 90 Prozent; mit zunehmender Ausbreitung der Krebszellen sinkt sie auf 30 bis 40 Prozent.

Eine aktuelle Studie der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie zeigt aber auch: Wer optimal operiert wird und dann noch die richtige Chemotherapie erhält, hat eine 60-prozentige Chance, nach vier Jahren noch zu leben. Wenn beides schlecht läuft, sinkt die Chance auf 25 Prozent.

Wichtig ist, dass der Tumor vollständig entfernt wird. Das ist, so zeigt die Studie, in 75 Prozent der Fälle möglich. Faktisch aber hinterlassen Operateure in Deutschland bei 40 Prozent der OPs größere Tumorreste im Bauch. Und auch die anschließende Chemotherapie entspricht nur in zwei Dritteln der Fälle allen fachlichen Standards.

Wie hoch ist mein Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken?

Rund 10.000 Frauen in Deutschland erkranken jedes Jahr an einem so genannten Ovarialkarzinom (zum Vergleich: bei Brustkrebs sind es 57.000). Die meisten Krankheiten treten in der zweiten Lebenshälfte, nach den Wechseljahren auf. Kinderlose Frauen haben ein etwas höheres Risiko, Eierstockkrebs zu bekommen.

Eine neue amerikanische Studie zeigt außerdem: Wer als Jugendliche übergewichtig ist, hat ein höheres Risiko, später an Eierstockkrebs zu erkranken. Mehrere Geburten, aber auch die mehrjährige Einnahme der Anti-Babypille senken das Risiko. Etwa 10 Prozent der Erkrankungen sind genetisch bedingt - oft sind es dieselben Genmutationen, die auch für Brustkrebs verantwortlich sein können.

Sind Untersuchungen zur Früherkennung sinnvoll?

Eierstockkrebs macht sich oft erst spät bemerkbar. In der Bauchhöhle kann der Krebs eine ganze Weile wachsen, bis er auf andere Organe wie Darm oder Blase drückt. Eine Früherkennung ist per Ultraschall durch die Scheide (vaginale Sonographie) allerdings ziemlich zuverlässig möglich. Diese Untersuchung wird leider von den Krankenkassen nur dann bezahlt, wenn eine Frau bereits über Beschwerden klagt.

Eine ganz neue britische Studie zeigt: Durch regelmäßige Reihenuntersuchungen mit Ultraschall können 75 Prozent der Fälle frühzeitig erkannt werden, wenn dazu noch ein Bluttest auf Tumormarker gemacht wird, sind es sogar 90 Prozent. Es ist also durchaus eine Überlegung, regelmäßig zumindest einen vaginalen Ultraschall auf eigene Kosten von der Frauenärztin oder dem Frauenarzt machen zu lassen (ab ca. 30 Euro). Die Bestimmung von Tumormarkern gilt zumindest bei jungen Frauen nicht als zuverlässige Diagnosemethode.

Wie findet man eine gute Klinik?

Auf der Website www.eierstock-krebs.de der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie gibt es viele gut verständliche Informationen und Adressen von allen Kliniken, die an einem Qualitätssicherungsprogramm und an klinischen Studien teilnehmen. Außerdem Links zu wichtigen anderen Organisationen wie Frauenselbsthilfe nach Krebs oder KID (Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums).

Wie sieht eine gute Behandlung aus?

Eine leitliniengerechte Behandlung bedeutet: Die OP muss bestimmte Kriterien erfüllen, sodass der Tumor im Eierstock und eventuell befallene Lymphknoten restlos entfernt werden.

Sehr wichtig ist es, dass durch Biopsien und Zellproben festgestellt wird, wie bösartig der Tumor ist. Das wird in immerhin 25 Prozent der Fälle versäumt! Aber erst nach diesen Untersuchungsergebnissen können Ärzte entscheiden, wie die Operation ausgeführt wird und welche weitere Behandlung darauf folgen soll.

Nach der OP, die bei einem sorgfältigen Operateur oft viele Stunden dauert, erhalten die meisten Frauen eine Chemotherapie.

Kann man an Studien zur Erprobung neuer Therapien teilnehmen?

Zurzeit werden in Studien neue, Erfolg versprechende Substanzen getestet, die ganz anders wirken als die bisher verwendeten Zytostatika. Mittel, die die Blutversorgung des Tumors stören oder die dem körpereigenen Immunsystem helfen sollen, die Tumorzellen besser zu erkennen und zu bekämpfen.

Betroffene Frauen, die erwägen, an einer solchen Studie teilzunehmen, sollten das mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin besprechen. Kontaktadressen der Studiensekretariate unter www.ago-ovar.de (auf "Studien" klicken).

Text: Dr. Sabine Thor-Wiedemann, Irene Stratenwerth Foto: Getty Images

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