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Emetophobie Warum die Angst vor dem Erbrechen das Leben drastisch einschränkt

Warum die Angst vor dem Erbrechen das Leben drastisch einschränkt
© SB Arts Media / Adobe Stock
Der Gang ins Flugzeug löst bereits Panik aus, aber Flugangst ist es nicht. Die meterhohe Achterbahn ist keine Option, doch Höhenangst ist es nicht. Ob Flugzeug, Höhe oder Partynächte, eines haben alle gemeinsam: Es besteht die Gefahr, dass sich Menschen übergeben könnten. Und genau das ist der Auslöser für die Angststörung Emetophobie.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Emetophobie?

Emetophobie: die Angst vor dem Erbrechen – bei einem selbst oder bei anderen. Nur der Gedanke daran, dass man sich selbst übergeben muss oder möglicherweise andere Menschen sieht, löst bei den Betroffenen Angst und Panik aus. Es ist also nicht einfach nur ein natürlicher Ekel vor dem Erbrochenem, sondern teilweise eine irrationale Angst. Nicht jede Emetophobie ist gleich. Bei einigen reicht schon der bloße Gedanke daran, sich selbst übergeben zu müssen, um Panik auszulösen.

Ursachen der Emetophobie

Die Angsterkrankung Emetophobie ist erst seit wenigen Jahre Gegenstand aktueller Forschungen. Die Ursache kann noch nicht eindeutig geklärt werden. Expert:innen gehen jedoch davon aus, dass beispielsweise traumatische Erlebnisse in Zusammenhang mit dem Übergeben Auslöser sein können. Hinzu kommt, dass höchstwahrscheinlich auch eine erhöhte Sensitivität für Ekel eine Rolle spielt.

Möglicherweise hat sich im Klassenzimmer einmal ein anderes Kind übergeben und die Lehrerin hat heftig reagiert oder man wurde als Kind gar ausgelacht, weil man sich selbst übergeben musste. Häufig bleiben die individuellen Ursachen jedoch unklar.

An diesen Symptome erkennt man Emetophobie

Die folgenden Symptome können auf eine Emetophobie hinweisen:

  • Die Angst vor dem eigenen oder fremden Erbrechen ist sehr stark ausgeprägt und dauert über einen langen Zeitraum an.
  • Den meisten Betroffenen ist bewusst, dass ihre Angst irrational ist und über den normalen Ekel vor Erbrochenem hinausgeht.
  • Situationen und Orte, an denen man sich selbst übergeben könnte oder andere sich übergeben, werden gemieden. Betroffene meiden somit große Partys, Feiermeilen, Flugzeuge, Bahnen, Busse, Schiffe und beginnen damit, nur noch für sie "sichere" Lebensmittel zu essen.
  • Entweder durch die bloße Vorstellung oder das Erleben von Erbrechen – bei einem selbst oder bei anderen – werden Symptome wie bei einer Panikattacke ausgelöst: Herzrasen, Kloßgefühl, flaues Gefühl im Magen, Atemschwierigkeiten, Beklemmungsgefühl, Schwindel, Zittern und Schweißausbrüche.

Die Folgen der Angst vor dem Übergeben

Diese starke Angst und Panik können bei Betroffenen dazu führen, dass sie sich in ihrem Leben stark einschränken, um der Situation des Erbrechens aus dem Weg zu gehen. Zum einen werden Orte gemieden, an denen die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass sich jemand übergeben könnte. Das können große Feiern sein, aber auch bereits Geburtstage oder Grillen im kleinen Kreis. Betroffene ziehen sich dann immer weiter zurück, bis es dazu kommen kann, dass sie das Haus aus Angst gar nicht mehr verlassen – denn gerade in Großstädten kann es durchaus vorkommen, dass sich am Vorabend jemand an einer Hausecke erleichtert hat.

Wer nicht nur Angst vor dem Erbrechen anderer hat, sondern auch oder vermehrt vor dem eigenen Erbrechen, beginnt meist, die Variation des Essens einzustellen. Die Ernährung wird einseitig und es wird nur noch "sicheres" Essen gegessen, was nicht dazu führt, dass man sich übergeben muss. Das kann so weit führen, dass Betroffene (nahezu) aufhören zu essen.

Sonderfall: Emetophobie und Schwangerschaft

Eine spezielle Rolle spielt die Phobie beim Kinderwunsch. Für die meisten Emetophobikerinnen ist allein die Schwangerschaft fast undenkbar. Die Angst vor der Schwangerschaftsübelkeit überwiegt massiv. In einigen Fällen brechen Betroffene sogar den Kontakt zu schwangeren Freundinnen ab, um zu verhindern, dass sie ein plötzliches Erbrechen miterleben müssen. Gerade in solchen Momenten sollte therapeutische Hilfe aufgesucht werden, denn die Angst kann währen einer Schwangerschaft zunehmen. Auch die einseitige und häufig nicht ausreichende Ernährung kann Mutter und Kind schaden.

Doch nicht nur die Schwangerschaft an sich ist ein Problem. Ist das Baby erst einmal da, kann sich die Angst noch weiter steigern. Denn: Babys spucken, sie können aufgrund ihrer Anatomie gar nicht anders. Muttersein und Emetophobikerin ist demnach eine riesige Herausforderung, für viele sogar unmöglich. Ist die Phobie weit fortgeschritten, meiden Betroffene auch Treffen, bei denen Kinder dabei sind, das Risiko ist ihnen dann oftmals zu hoch. Darunter können ebenfalls Freundschaften, aber auch Familienbeziehungen zu beispielsweise den Geschwistern, leiden.  

Diagnostik und Heilung bei Emetophobie

Eine klare Diagnose zu stellen ist im ersten Moment nicht einfach, aber wichtig. Betroffen sind sowohl Jugendliche als auch Erwachsene, häufiger sind Frauen von Emetophobie betroffen. Emetophobiker:innen leiden häufig unter einer ständigen Übelkeit, die sich noch weiter steigern kann, je mehr die Aufmerksamkeit und die Angst auf das Erbrechen gelenkt wird. Die Übelkeit selbst ist in diesem Fall häufig ein Symptom der Angst.

Durch die verminderte Nahrungsaufnahme nehmen viele Betroffene stark ab. Daher wird die Erkrankung häufig mit einer Magersucht oder einem Reizdarm verwechselt. Abzugrenzen ist die Erkrankung ebenso von der Hypochondrie. Betroffene haben nicht grundsätzlich Angst vor Erkrankungen, sondern vor einem bestimmten Symptom – dem Erbrechen. Genaue Daten, wie viele Menschen von der Angststörung betroffen sind, existieren nicht. Da viele nicht wissen, dass sie unter einer Angststörung leiden, begeben sie sich auch nicht in therapeutische Hände.

Ist die Diagnose jedoch einmal gestellt, gibt es gute Heilungschancen. Der meistverwendete Ansatz ist eine Verhaltenstherapie. Emetophobiker:innen müssen sich mit der Situation auseinandersetzen, vor der sie sich fürchten. Gearbeitet wird mit Bildern oder Videos. Zudem sollen Betroffene Situationen aufsuchen, die sie eigentlich meiden würden. So überwinden sie Stück für Stück ihre Angst und können in ein normales Leben zurückkehren.

Verwendete Quellen: schoen-klinik.de, clinicum-alpinum.com

Brigitte

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