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Starke Schmerzen während der Regel? "Das haben doch alle Frauen"

Endometriose: Erfahrungsbericht über ein Leben mit Schmerzen: Frau sitzt mit Bauchschmerzen auf Bett
© goffkein.pro / Shutterstock
Eben nicht. Starke Schmerzen während der Regel können auf Endometriose hindeuten. Annette Auch-Schwelk, 47, über ihr Leben mit der chronischen Erkrankung.
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Schon meine ersten Regelblutungen waren sehr schmerzhaft, aber ich dachte mir nichts dabei. Die Ärzte beruhigten mich, das sei normal, das hätten alle Frauen und ich sei halt offensichtlich empfindlicher als andere. Und da ich als Kind sehr anfällig und öfters krank war, wurde ich von einigen in meinem Umfeld eh als "Sensibelchen" abgestempelt.

Ich hatte so heftige Unterleibskrämpfe und Blutungen, dass ich nicht mehr laufen konnte.

Doch mit Anfang 20 wurden die Beschwerden immer krasser. Während meiner Periode, teilweise aber auch an anderen Tagen, hatte ich so heftige Unterleibskrämpfe und Blutungen, dass ich nicht mehr laufen konnte und mich übergeben musste, einige Male wurde mir schwarz vor Augen. Als ich 29 Jahre alt war, überwies mein Hausarzt mich in eine Klinik. Dort wurde die Diagnose Endometriose gestellt, und ich hatte das erste Mal das Gefühl, wirklich ernst genommen zu werden. Ich hatte also Glück; andere Betroffene rennen jahrelang verzweifelt von Arzt zu Arzt.

Endometriose ist chronisch

Ich wurde operiert und dachte kurz, alles wird gut. Doch nach ein paar Wochen kamen die Beschwerden zurück. Es hieß, das könne immer wieder geschehen, Endometriose sei chronisch. Damals beschloss ich, mich nicht erneut operieren zu lassen, und bei dieser Entscheidung bin ich geblieben. Trotzdem hatte ich Hoffnung. Auch meine Mutter hatte Endometriose, die aber nach der Geburt ihres ersten Kindes weggegangen war. Anfangs war die Endometriose nur im Bauchraum, später wanderte sie auch in den Darm.

Die Schmerzen fühlen sich dann an, als würde ein Messer in den Darm gestochen. Meine Beschwer-den waren und sind sehr wechselhaft. Manchmal bin ich über viele Monate schmerzfrei, aber vor ein paar Jahren gab es eine Phase, in der meine Beschwerden teilweise unerträglich waren, sodass ich Morphine nehmen musste. Meine Ultraschall-Befunde waren dabei nicht auffälliger als sonst.

Das ist das Merkwürdige an dieser Krankheit: Es gibt kein "So ist es", keine einfachen Erklärungen. Manche Frauen haben nur kleine Endometrioseherde, aber große Schmerzen. Andere haben sehr viele und große Gewebewucherungen und wenig Beschwerden. Und erst vor ein paar Monaten hat die Krankheit mir noch einmal gezeigt, wie kraftvoll sie ist. Die Endometriose hatte meine Harnleiter umschlungen und der Urinstau in der Niere führte zu einer Blutvergiftung. Ich wäre fast gestorben.

Ellie Kammer/Instagram/Henry Thong/Those Creatives

Kaum jemand weiß über das Thema Bescheid

Aussagen wie "Hast du schon wieder Schmerzen? Da muss man doch was machen können!" zeigen mir, wie wenig Verständnis und Kenntnis viele Leute in meinem Umfeld haben. Endometriose ist noch total unbekannt. Selbst bei Ärztinnen und Ärzten. Wie oft musste ich mir anhören, dass ich mich anstelle oder mir die Schmerzen einbilde. Wegen solcher Sätze habe ich schon des Öfteren wütend die Praxis verlassen. Und es waren keineswegs nur männliche Ärzte, die sich anscheinend nicht dafür interessierten.

Geholfen hat mir vor allem meine Einstellung. Ich will nicht, dass der Schmerz mein Leben bestimmt. Durch meine Arbeit als Coach habe ich Techniken kennengelernt, wie ich ihm begegnen kann. Ich schreibe, meditiere und sehe trotz allem auch das Gute in der Krankheit, denn sie hat mich kraftvoll und stark gemacht.

Ich freue mich sehr darüber, dass in letzter Zeit mehr über Endometriose berichtet wird. Jeder Frauenarzt und jede Frauenärztin sollte sich auskennen, bzw. die Patientinnen an Spezialist*innen weiterleiten. Doch am Allerwichtigsten finde ich, dass Mediziner*innen ihren Patientinnen glauben, sie mit ihren Schmerzen ernst nehmen und ihnen zuhören.

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