Warum bin ich ständig erkältet?

Es scheint, als würden Erkältungen immer hartnäckiger. Was hilft, wenn Sie ständig erkältet sind - und wie lange es dauert, bis Sie wieder richtig fit sind.

Nach wie vielen Tagen sollte es mir bei einer normalen Erkältung mit verstopfter Nase besser gehen?

"In der Regel nach fünf bis sieben Tagen", sagt Dr. Matthias Tisch, Professor für Hals-Nasen-OhrenHeilkunde. Das ist allerdings ein Durchschnittswert, was bedeutet: Einige sind nach zwei Tagen wieder fit, andere erst nach zwei Wochen. Und unterschiedliche Beschwerden dauern unterschiedlich lange. Am hartnäckigsten halten sie sich, wenn sie die unteren Atemwege befallen, also noch dazukommt. Laut einer Umfrage erwarten die meisten Menschen zwar, dass dieser spätestens nach neun Tagen vorüber ist, aber tatsächlich ist dies erst nach durchschnittlich fast drei Wochen der Fall, wie eine Übersichtsarbeit aus dem vergangenen Jahr zeigte.

Warum bleibt ein Infekt länger oder intensiver hängen als der andere?

Verursacht werden Erkältungen fast ausschließlich von Viren, über 200 verschiedene gibt es. Sie gehören zu unterschiedlichen Virenfamilien, wie etwa den Rhinooder den Corona-Viren, und haben auch unterschiedliches Krankheitspotenzial - manche Erreger machen also einfach kränker oder länger krank als andere. Welche Viren gerade bei uns vermehrt zirkulieren, ändert sich übrigens von Jahr zu Jahr, und so kann es durchaus sein, dass eine Erkältungswelle mit stärkeren und längeren Beschwerden verbunden ist als die andere.

Und was habe ich selbst mit der Dauer einer Erkältung zu tun?

"Ein Mensch zwischen 20 und 50 mit einem fitten Immunsystem wird nach relativ geringer Zeit wieder gesund sein", so HNO-Arzt Tisch. In jüngeren Jahren dagegen ist die körpereigene Abwehr noch nicht voll ausgereift, und in der zweiten Lebenshälfte funktioniert die Erregerabwehr zum Teil schon nicht mehr so gut; das Risiko, dass Erkältungen sich in die Länge ziehen, steigt. Auch unabhängig vom Alter können Stress, Schlafdefizit, Bewegungsmangel oder ungesunde Ernährung unser Immunsystem schwächen. In die Länge zieht sich eine Erkältung vor allem dann, wenn zusätzlich zur viralen noch eine bakterielle Entzündung der Atemwege kommt, eine so genannte Superinfektion.

Dafür sind manche Menschen allein schon aufgrund ihrer Anatomie besonders anfällig. Wenn eine schiefe Nasenscheidewand zum Beispiel die Belüftung der Nebenhöhlen verhindert, stauen sich dort wie in einem innenliegenden Bad Wärme und Feuchtigkeit - ein idealer Nährboden für Bakterien. Und da jeder Infekt eine Vernarbung des Gewebes hinterlässt, die den Abfluss von Sekret zusätzlich erschwert, steigt die Anfälligkeit für weitere Entzündungen.

Auch andere Erkrankungen können Dauerbeschwerden Vorschub leisten. Seit ein paar Jahren weiß man zum Beispiel, dass beim Sodbrennen, medizinisch Reflux genannt, Säurebestandteile aus dem Magen in die Atemwege gelangen und dort die Schleimhäute verändern, vor allem im Rachen- und Kehlkopfbereich. Ständiger Husten, ein Fremdkörpergefühl im Hals (besonders morgens) oder häufige Heiserkeit können die Folge sein. Da die Schleimhäute ja schon quasi vorgeschädigt sind, steigt auch das Risiko für Erkältungen und Komplikationen durch Bakterien. Bei Kindern mit häufiger Mittelohrentzündung wurde Magensäure sogar im Mittelohrsekret nachgewiesen.

Bringt eine Behandlung überhaupt was - und wenn ja: welche?

"Die Behauptung, dass es keinen Einfluss hat, ob und wie man eine Erkältung behandelt, ist auf jeden Fall wissenschaftlich unseriös", erklärt HNO-Spezialist Dr. Matthias Tisch. Natürlich wird unser Körper mit Erkältungen meist auch ohne Hilfe fertig. Aber: "Durch das Nichtbehandeln steigt das Risiko für Chronifizierungen; Beschwerden bleiben länger oder werden sogar zum dauerhaften Problem." Das heißt allerdings nicht, dass man immer gleich zu medizinischen Keulen wie einem Antibiotikum greifen muss. Gegen die Erkältungsviren selbst bleibt es wirkungslos, und auch eine bakterielle Superinfektion kann eine vorsorgliche Einnahme nicht verhindern.

"Das wurde früher behauptet, ist aber ein Märchen", so Tisch. Der Experte rät stattdessen zu pflanzlichen Mitteln. Und auch traditionelle Hausmittel bringen Linderung (siehe unten). Eine Studie der University of Winconsin konnte übrigens sogar nachweisen, dass ein Mittel, dessen Wirkung wissenschaftlich gar nicht belegt ist, die Dauer der Erkältung zumindest bei denjenigen um durchschnittlich zweieinhalb Tage verkürzt, die von seiner Wirkung überzeugt sind.

Was kann ich sonst noch tun?

Eine vitaminreiche Ernährung sowie ausreichend Ruhe und Schlaf unterstützen das Immunsystem, mit dem Infekt fertig zu werden. Rauchen dagegen schädigt die Schleimhäute und kann die Heilung in die Länge ziehen. Gleiches gilt für große körperliche Belastungen. Diese beanspruchen unsere Abwehr zusätzlich, und die Gefahr steigt, dass die Erreger weitere Organe befallen, im dramatischsten Fall den Herzmuskel. Studien sprechen allerdings dafür, dass man zumindest mit einer laufenden Nase durchaus weitertrainieren kann, wenn man sich ansonsten gut fühlt und sich dabei nicht verausgabt.

Die Dauer der Beschwerden veränderte sich bei verschnupften Joggern im Vergleich zu Menschen, die eine Woche lang pausierten, nämlich nicht. Sobald auch der Bereich vom Nacken abwärts betroffen ist (geschwollene Lymphknoten, Gliederschmerzen, Fieber, Husten), wird dagegen dazu geraten, auf Sport zu verzichten. Erst einige Tage nach der Genesung sollte man wieder damit anfangen und dabei den Körper beobachten, ob er schon wieder das volle Pensum vertragen kann oder ob man besser langsamer beginnt.

Und wenn eine Erkältung bei mir immer länger dauert oder gar nicht mehr endet?

Dann sollten Sie auf jeden Fall die Gründe dafür abklären lassen, zum Beispiel mittels Röntgenaufnahmen der Nebenhöhlen. Ärzte können auch prüfen, ob hinter Dauerschnupfen oder -husten nicht doch eine Allergie steckt oder der Reflux von Magensäure. Übrigens kann Letzteres der Fall sein, auch ohne dass man tatsächlich Sodbrennen verspürt. "Dann nehmen die Patienten zwei, drei Wochen einen Säureblocker und sind selbst erstaunt, dass dadurch ihre Atemwegsprobleme verschwinden", so Dr. Matthias Tisch. Wichtig ist dem Experten allerdings:

"Es gibt nie die eine Therapie, die alle Patienten glücklich macht." Insofern warnt er auch davor, andauernde NasennebenhöhlenEntzündungen vorschnell durch eine Operation beheben zu wollen. "Natürlich gibt es Probleme, die sich nur durch einen Eingriff beseitigen lassen, etwa wenn die Nasenscheidewand extrem schief steht. Aber grundsätzlich ist eine Operation erst angezeigt, wenn die Diagnostik abgeschlossen ist und alle medikamentösen Therapie-Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Und das ist nicht nach zwei Wochen der Fall, sondern vielleicht erst nach vier Monaten."

Kurzer Prozess für die Erkältung:


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Text: Antje Kunstmann Ein Artikel aus BRIGITTE 25/2014

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Antje Kunstmann
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Kommentare (4)

Kommentare (4)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Hab meine Zweifel, dass häufiges Händewaschen so hilfreich ist. Mein Mann wäscht sich viel häufiger die Hände als ich und ist jeden Winter krank. Ich war das letzte Mal im Januar 2008 für zwei, drei Tage krank... Aber vielleicht liegts auch daran, dass ich mehr Sport mache und Wechselduschen.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Im Auto mit dicker Jacke sitzen, verhindert die Hilfe von Gurten,wenn mal kracht. schlimmstenfalsch ruscht man so sogar durch den Gurt durch. Ansonsten gilt, Händewaschen so oft es geht. Händewaschen dauert ca 30 Sek. (einmal Happy birthday singen) und dann nach dem guten Abwaschen die Hände gut trocken rubbeln. Wir fassen uns derart oft unbemerkt ins Gesicht...Es gibt auch Silbercremes gegen Neurodermitis in einem der Drogerieläden. Silber tötet Bakterien auf den Händen.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    WEniger rumgejammer, weil es kalt wird, vernünftiger anziehen statt dünne Flätterchen und mehr für die Abhärtung tun statt ständig in überheizten Räumen und AUtos zu hocken. Wenn ich das schon sehe, wenn Weiber mit dicker Jacke und Schal in ihren Autos sitzen - die eigene Abhärtung ist das beste MIttel. Ich habe seit Jahren keine Erkältung mehr gehabt, weil ich eher an kühle als an warme Temperaturen gewöhnt bin. Ist kein Hexenwerk - aber gut für die Gesundheit, schlecht allerdings für diese ganzen Pfosten, die ihren Medizinmist verkaufen wollen.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Erkältung? Nein, Danke! #winkenstattviren

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