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Das hilft gegen Unterleibsbeschwerden

Unterleibsbeschwerden gibt es bei Frauen häufig: Dazu gehören Scheideninfektionen, Blasenentzündungen oder Probleme beim Sex. Was hilft?

PMS (Prämenstruelles Syndrom)

Die Laune ist mies, der Busen spannt, im Kopf hämmert es... Manche Frauen merken ganz deutlich, wenn kurz vor der Regel der Hormonspiegel in den Keller geht. Aber deswegen spezielle Hormonpräparate oder auch die Pille nehmen? Für viele Frauen ist das die absolute Notlösung.

Das Alternativprogramm könnte so aussehen: Das homöopathische Mittel Aristolochia D12 hilft gegen prämenstruelle seelische Verstimmung und Wassereinlagerungen. Zunächst fünf Kügelchen oder Tropfen (oder eine Tablette) mehrmals im Abstand von einer Stunde nehmen, sobald die Beschwerden besser werden, dieselbe Dosis nur noch einmal pro Tag.

An schlechten Tagen tut außerdem ein Vollbad mit entspannendem Lavendelöl wohl und danach ein Gewürztee zum Relaxen: einen Teelöffel Schwarztee mit je einer Messerspitze Ingwerpulver, Kardamom und Nelkenpulver eine Viertelstunde lang in einem Viertelliter Wasser kochen. Durch ein Sieb gießen, Honig und Milch dazu.

Gut sind auch Yoga-Übungen, zum Beispiel das "zusammengerollte Blatt": auf die Fersen setzen, den Oberkörper langsam nach vorn sinken lassen, bis die Stirn den Boden berührt. Dabei die Arme mit den Handflächen nach oben langsam nach hinten gleiten lassen. Die Brust liegt auf den Oberschenkeln. In dieser Haltung bleiben, solange sich das gut anfühlt.

Schmerzen beim Sex

Wenn Sex weh tut, kann das seelische und körperliche Gründe haben. Kein Vertrauen zum Partner oder überhaupt der falsche Partner, Techniken, die man nicht mag, Angst vor Ansteckung oder Schwangerschaft: Das kann alles eine Rolle spielen.

Aber auch körperliche Ursachen sind gar nicht so selten. Eine zu enge Scheide ist bei gesunden Frauen allerdings so gut wie nie der Grund für Schmerzen beim Sex, eher (wiederum vorwiegend seelisch bedingte) Verkrampfungen der Muskulatur.

Wenn der Penis in der Scheide schmerzhaft anstößt, kann eine Senkung der Gebärmutter der Auslöser sein. Da hilft eine Stellung, bei der die Gebärmutter nach oben rutscht - zum Beispiel in Rückenlage mit einem Kissen unter dem Po.

Brennen und Reiben in der Scheide beim Beischlaf deuten auf eine Infektion hin: dann lieber schnell zur Frauenärztin gehen. Ein Druckgefühl im Becken kann auf Myome, Eierstockzysten oder einen Endometriose-Herd hinweisen.

Bösartige Tumoren sind selten, sollten aber auf jeden Fall ausgeschlossen werden. Oft hängen Schmerzen beim Sex auch mit Scheidentrockenheit zusammen. Wenn mangelnde Erregung nicht die Ursache ist, kann ein Hormonmangel schuld sein (oft sinkt der Hormonspiegel schon lange vor den Wechseljahren deutlich). Viele Frauen kommen dann mit östrogenhaltigen Scheidencremes (rezeptpflichtig) oder einfach mit Gleitgel (Drogerie) gut zurecht.

Scheideninfektionen

Vielen Frauen ist es peinlich, einen Pilz zu haben. Dabei sind Pilzinfekte erstens sehr häufig - drei von vier Frauen haben gelegentlich damit zu tun. Und zweitens holt man sie sich nicht unbedingt, etwa beim Sex oder im Schwimmbad.

Jede Frau hat immer einige Vaginalpilzkeime im Körper. Besonders wenn die normalen Keime in der Scheide (Vaginalflora) geschwächt sind, zum Beispiel durch Antibiotika oder auch durch die Pille, machen sie sich breit. Pilze äußern sich in Juckreiz und Scheidenbrennen, manchmal auch in krümeligem Ausfluss und können gut mit Scheidencremes oder -zäpfchen (Wirkstoffe Clotrimazol, Econazol, Miconazol) bekämpft werden. Es gibt sie auch ohne Rezept für Frauen, die immer wieder solche Infekte haben und die Symptome gut kennen. Sicherheitshalber sollte auch der Sexualpartner die Creme mehrere Tage lang auf die Eichel am Penis auftragen.

Ein dünnflüssiger, übel riechender Ausfluss spricht eher für eine bakterielle Infektion. Sie wird mit rezeptpflichtigen Tabletten behandelt. Man kann die Therapie selber durch Scheidenzäpfchen mit Vitamin C unterstützen.

Blasenentzündungen

Ständig aufs Klo, und dann kommen doch nur ein paar Tropfen. Dabei brennt es auch noch höllisch. Typische Symptome für eine Blasenentzündung, die fast jede Frau schon mal gehabt hat. Denn durch die kurze Harnröhre bei Frauen können Keime leicht eindringen. Die stammen meistens aus dem Darm - und gelangen zum Beispiel beim Sex in die Harnröhre (so genannte Honeymoon-Zystitis).

Beim ersten Ziehen in der Blase sollte man sich warm einpacken und möglichst eine Wärmflasche oder eine heiße Heublumenpackung (Apotheke) auf den Bauch legen. Und viel trinken - mindestens zwei Liter pro Tag, um Nieren und Blase durchzuspülen. Besonders gut gegen Blasenentzündung ist Birkenblättertee (einen Esslöffel Birkenblätter pro Tasse aufbrühen, 10 Minuten ziehen lassen, 3 Tassen pro Tag trinken). Auch Cranberry- oder Preiselbeersaft hilft - er enthält keimtötende Substanzen.

Wenn die Blasenreizung nicht nach ein bis zwei Tagen vorbei ist, sollte man zum Arzt gehen. Oft lässt sich die Entzündung schon mit einer einzigen Antibiotikumtablette in den Griff bekommen.

Gebärmuttersenkung und Blasenschwäche

Wenn beim Husten, Niesen, Lachen oder beim Sport aus Versehen Urin im Slip landet, ist die Ursache meistens eine Schwäche des Beckenbodens und/oder eine Senkung der Gebärmutter, die noch zusätzlich auf die Blase drückt. Jede zehnte Frau zwischen 25 und 40 ist betroffen, ältere noch viel häufiger.

Viele Frauen experimentieren dann lieber mit Slipeinlagen und Binden, statt zum Arzt zu gehen. Dabei lässt sich gegen eine solche Inkontinenz etwas tun. Zum Beispiel gezieltes Beckenbodentraining. Kurse werden an vielen Volkshochschulen und im Sportverein angeboten, auch eine Physiotherapeutin kann effektive Übungen zeigen.

Gegen ausgeprägte Inkontinenz gibt es seit kurzem ein Medikament mit dem Wirkstoff Duloxetin, der die Funktion des Blasenschließmuskels verbessert. Wer es lieber erst mal sanft versuchen möchte: auch homöopathische Tropfen (Aletris Oligoplex) sind einen Versuch wert. Bei den Operationsmethoden hat sich in letzter Zeit einiges getan. So kann man heute etwa ein stützendes Netz in den Beckenboden einlegen, der Eingriff ist weniger belastend als die herkömmliche Operation zur Befestigung der Gebärmutter.

Ganz neu (und nur in sehr wenigen Kliniken machbar) ist die Möglichkeit, ein kleines Stück Muskel aus dem Oberarm zu entnehmen und daraus Muskelzellen zu züchten, die später zur Verstärkung in den Blasenschließmuskel eingespritzt werden. Auch eine ziemlich neue Methode: eine kleine Schlinge, die in örtlicher Betäubung eingesetzt wird und die Harnröhre stützt, so dass sie besser schließt.

Hier bekommen Sie Hilfe

In den letzten paar Jahren ist das Beratungsangebot für Frauen mit sexuellen oder gynäkologischen Problemen zum Glück besser geworden. Praktisch jede Universitäts- Frauenklinik bietet heute Beratungssprechstunden zu Themen wie ungewollter Kinderlosigkeit, sexuellen Problemen oder Verhütung an, einige auch zu Spezialthemen wie Endometriose (zum Beispiel die Endometriose- Sprechstunde der Uni-Frauenklinik Heidelberg, Kontakt unter Tel. 062 21/56 79 34) oder PCOS (Polycystisches Ovarial-Syndrom, z. B. an der Uni Essen, persönliche Beratung unter Tel. 02 01/723 35 03). Weitere Informations-, Beratungs- und Behandlungsangebote gibt es hier:

Pro Familia, Stresemannallee 3, 60596 Frankfurt/M., Tel. 069/63 90 02. Auf www.profamilia.de findet man jede Menge Infos und Broschüren zum Herunterladen, außerdem Online-Beratung und Adressen von Beratungsstellen in ganz Deutschland. Dort gibt es psychologische und soziale Beratung rund um Sexualität und Gynäkologie, in manchen Zentren auch ärztliche Behandlung.

Deutsche Gesellschaft für psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Geschäftsstelle Heidestraße 26, 39112 Magdeburg. Auf www.dgpfg.de finden Sie eine Liste von Frauenärztinnen mit psychosomatischer Orientierung ("Wir über uns" anklicken, dann "Mitglieder").

www.femaleaffairs.de ist eine neue, unterhaltsam aufgemachte Website mit Infos über Sexualität und Verhütung (vor allem über hormonelle Verhütung; Sponsor ist der Pillenhersteller Organon). Ein tolles Angebot: die Möglichkeit, online persönliche Fragen an renommierte Expertinnen zu stellen.

www.maedchensprechstunde.de bietet Informationen über den ersten Besuch bei der Frauenärztin und Adressen von Gynäkologinnen, die eine spezielle Mädchensprechstunde anbieten.

www.gesundheitsinformation.de. Unabhängige, von Experten geprüfte Informationen und Erfahrungsberichte, unter anderem zum Thema Hormone und Wechseljahre.

Individuelle Beratung zu allen Unterleibsproblemen bieten an mehreren Orten in ganz Deutschland die Frauengesundheitszentren, www.frauengesundheitszentren.de

Text: Dr. Sabine Thor-Wiedemann BRIGITTE Heft 25/2006

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