Frozen Shoulder: So hilft Akupunktur bei steifen Schultern

Sie kommt ungebeten und bleibt lange: die steife Schulter oder auch Frozen Shoulder. Wer sie schneller loswerden will, sollte es mit Akupunktur versuchen.

Es beginnt ohne erkennbaren Grund: Man zieht den Mantel an oder holt etwas oben aus dem Regal – und plötzlich schießen Schmerzen in die Schulter. Fast jede Alltagsbewegung wird zur Qual, die Schulter wird steif und fühlt sich an wie eingefroren. Diagnose: adhäsive Kapsulitis, besser bekannt als Frozen Shoulder, was ziemlich gut beschreibt, wie man so eine Schultersteife wahrnimmt.

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Der Erfolg vieler Behandlungen ist meist nur begrenzt – es dauert Jahre, bis der Arm wieder normal beweglich ist

Frauen ab 40 sind besonders häufig davon betroffen, als weitere Risikofaktoren gelten Diabetes oder Bewegungsmangel. Dass sich die Beschwerden irgendwann spontan von selbst wieder bessern und die gefrorene Schulter wieder auftaut, ist nur ein schwacher Trost, denn in den meisten Fällen dauert es mindestens ein Jahr, manchmal sogar drei Jahre, bis der Arm wieder normal beweglich ist.

Helfen kann in der Zwischenzeit Physiotherapie; auch Schmerzmittel wie Ibuprofen oder ASS (in schweren Fällen auch stärkere) kommen zum Einsatz, um den Arm im Alltag weiter bewegen zu können und einer weiteren Versteifung vorzubeugen. Manche Ärzte spritzen auch schmerzlindernde oder entzündungshemmende Mittel direkt ins Gelenk, um die Beschwerden erträglicher zu machen. Wenn gar nichts hilft, werden in seltenen Fällen auch "lösende" operative Eingriffe gegen die Frozen Shoulder durchgeführt. Allerdings ist der Erfolg dieser Methode oft sehr begrenzt.

Eine neue Studie am UKE in Hamburg zeigt: Akupunktur reduziert die Schmerzen spürbar und sofort

Hoffnung auf eine schnellere und effektivere Lösung macht jetzt eine neue Studie des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) – und zwar mit Akupunktur. Patienten, die in der Klinik mit den üblichen Methoden therapiert wurden, bekamen am Zentrum für Traditionelle Chinesische Medizin, das ebenfalls am UKE angesiedelt ist, zusätzlich eine Akupunkturbehandlung.

Zunächst wurde diese mit speziellen, sehr kurzen Nadeln durchgeführt, die mit kleinen Pflastern auf die Haut geklebt wurden. Denn die Forscher wollten herausfinden, ob die Nadeln tatsächlich etwas bewirken könnten oder ob sich nur ein Placeboeffekt einstellen würde. Deshalb bekam die Hälfte der Patienten Pflaster mit Nadeln aufgeklebt, die andere Hälfte Pflaster ohne Nadeln. Den Unterschied konnten weder Patienten noch behandelnde Ärzte erkennen. Tatsächlich reduzierte die echte Akupunktur die Schmerzen spürbar und sofort. In einer zweiten Phase erhielten Patienten, die das wünschten, zehn Mal in wöchentlichen Abständen eine Behandlung mit klassischen Akupunkturnadeln, für jeweils 20 Minuten.

Die Akupunktur hat entscheidende Vorteile gegenüber Krankengymnastik und Schmerzmitteln

Nach einem Jahr wurden die Beschwerden der Akupunkturgruppe mit denen einer Kontrollgruppe verglichen, die nur Krankengymnastik und Schmerzmittel erhalten hatte. Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Beiden Gruppen ging es zwar nach einem Jahr ungefähr gleich gut – was nicht überrascht, da bei vielen Patienten innerhalb dieses Zeitraums ohnehin die Selbstheilung einsetzt. Doch die Akupunktur hatte einen entscheidenden Vorteil: Die Schmerzen ließen nachweislich doppelt so schnell und deutlich nach, im Schnitt schon nach 15 Wochen. Einziger Haken der Behandlung: Akupunktur ist keine übliche Kassenleistung, eine mögliche Kostenübernahme muss für die Frozen Shoulder im Voraus abgeklärt werden. Mehr Infos: www.tcm-am-uke.de

BRIGITTE WIR 2/2019

Wer hier schreibt:

Sabine Thor-Wiedemann
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