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Führt das Coronavirus bei Kindern zum Kawasaki-Syndrom?

Coronavirus und Kawasaki-Syndrom: Kranker Junge mit MundschutzCor
© Kristina Zemskikh / Shutterstock
In mehreren europäischen Ländern und in den USA sind Kinder an schweren Entzündungen erkrankt, die an das Kawasaki-Syndrom erinnern. Ist das Coronavirus schuld?

Entzündete Blutgefäße, hohes Fieber und Hautausschlag: Sowohl in Europa als auch in den USAsind mehrere Kinder zuletzt teilweise schwer an Symptomen erkrankt, die an das sogenannte Kawasaki-Syndrom erinnern. Dabei handelt es sich um eine Gefäßerkrankung bei Säuglingen und Kleinkindern. Mitte Mai meldete New York etwa 100 Erkrankte mit entsprechenden Symptomen, in Frankreich starb ein neunjähriger Junge, auch in Großbritannien gab es einen Todesfall.

Hierzulande werden aktuell vier erkrankte Kinder in Hannover behandelt. Insgesamt sind die Fallzahlen weltweit zwar niedrig, aber die Entzündungskrankheit gilt eigentlich als selten – daher ist es seltsam, dass mehrere Kinder in unterschiedlichen Ländern fast gleichzeitig erkranken.

Löst das Coronavirus das Kawasaki-Syndrom aus?

Auffällig ist außerdem, dass bei einigen Betroffenen das Coronavirus nachgewiesen wurde. Bisher ist noch nicht klar, ob das Virus für die Entzündungen verantwortlich ist, Experten halten das aber für denkbar. "Das Virus löst einen Entzündungssturm aus, eine Überreaktion des Immunsystems", sagte der Genfer Kantonsarzt Jacques-André Romand gegenüber dem Tagesspiegel. In Genf wurden bisher drei Kinder mit entsprechenden Symptomen behandelt. Eines davon wurde mittlerweile entlassen, ein zweites liegt auf der normalen Station des Krankenhauses und das dritte auf der Intensivstation.

Studie lässt Zusammenhang mit dem Coronavirus vermuten

Eine Untersuchung von Forschern aus dem italienischen Bergamo deutet ebenfalls an, dass ein Zusammenhang zwischen beiden Krankheiten bestehen könnte. Die Forscher verglichen Fälle von Kindern, die zwischen dem 18. Februar und dem 20. April dieses Jahres Symptome des Kawasaki-Syndroms zeigten mit tatsächlichen Kawasaki-Fällen der Region aus den letzten fünf Jahren. Demnach wurden zuletzt insgesamt zehn Kinder mit entsprechenden Symptomen behandelt, 19 Kinder hatten in den letzten fünf Jahren ein diagnostiziertes Kawasaki-Syndrom. Laut den Medizinern entspricht das einer 30-fachen Zunahme.

Allerdings weisen die Experten darauf hin, dass es bei diesen geringen Fallzahlen nicht möglich ist, valide Schlussfolgerungen aus der Untersuchung zu ziehen. Und es sei auch noch nicht möglich, einen Zusammenhang zwischen dem Coronavirus und dem Kawasaki-Syndrom eindeutig zu belegen. Dem stimmt auch das Europäische Zentrum für Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zu und betont, dass das Erkrankungsrisiko insgesamt nach aktuellem Stand gering ist.


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