Gebärmutter

Rund 30.000 Frauen pro Jahr lassen sich die Gebärmutter herausoperieren. Viele der Eingriffe wären vermeidbar. Denn es gibt neue, schonende Behandlungsmethoden.

Bloß nicht unters Messer! Operationen machen den meisten Frauen Angst. Besonders, wenn ihre Gebärmutter entfernt werden soll, reagieren viele verunsichert. Tatsächlich kann ein solcher Eingriff sehr belastend für die Seele sein. Aber was tun, wenn Blutungen über ein Jahr andauern? Dann ist meist schon einiges versucht worden: Hormontabletten oder -pflaster in unterschiedlichen Dosierungen und die gestagenhaltige Spirale. "Doch etwa 30 Prozent der Patientinnen hilft das nicht", sagt Professor Thomas Römer, Gynäkologe an der Universität Köln. "Bei diesen Frauen muss man die Gebärmutter-Schleimhaut entfernen, damit sie endlich beschwerdefrei werden." "Entfernen der Schleimhaut" aber bedeutet für viele Ärzte, gleich das ganze Organ herauszunehmen - inklusive zehn Tagen Krankenhausaufenthalt, Vollnarkose und starken Schmerzen. Dabei sind solch radikale Maßnahmen in vielen Fällen vermeidbar. Der Hälfte der rund 30000 Frauen, die sich in Deutschland pro Jahr wegen chronischer Blutungen die Gebärmutter entfernen lassen, könnte mit sanfteren Methoden geholfen werden, schätzt Professor Römer.

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Endometrium-Ablation oder -Koagulation

In den letzten Jahren wurden neue Verfahren entwickelt, mit denen die Gebärmutter-Schleimhaut, das Endometrium, schonend abgetragen oder verödet werden kann. Mediziner sprechen von "Endometrium-Ablation oder -Koagulation". Die Patientinnen können danach zwar auch nicht mehr schwanger werden, sie brauchen aber meist nur zwei örtliche Betäubungsspritzen, dürfen am Tag des Eingriffs schon wieder nach Hause gehen - und ihre Gebärmutter bleibt erhalten.

Hydrotherm-Ablation

Ein neues Verfahren ist die Hydrotherm-Ablation (HTA), mit der in Deutschland bisher sieben Kliniken arbeiten; weltweit sind rund 800 Frauen behandelt worden. Obwohl bislang relativ wenig Erfahrungen damit gesammelt werden konnten, sind Experten von der Sicherheit der HTA überzeugt - "weil das Prinzip so einfach ist", sagt Professor Römer: Ein Katheter wird durch den Muttermund in die Gebärmutter eingeführt. Durch ihn fließt 90 Grad heiße Kochsalzlösung in das Organ, so dass die Schleimhaut verödet. Die Beschwerden hören auf oder lassen deutlich nach.

Ballon-Ablation

Häufiger angewendet als die HTA wird zur Zeit die Ballon-Ablation. Dabei führt der Arzt einen Latexballon in die Gebärmutter ein und durchspült ihn mit einer heißen Lösung. Das Problem dabei: Die Hitze gelangt nicht zuverlässig in die Ecken an den Eileitern oder in enge Winkel von ungewöhnlich geformten Organen. Das kann die HTA. Die neue Methode verursacht außerdem weniger Schmerzen, weil die Flüssigkeit mit niedrigerem Druck durchgespült wird - schließlich muss sie nicht noch einen Ballon dehnen. Weiteres Plus: Der Arzt kann während des gesamten Eingriffs durch ein Hysteroskop, das mit dem Katheter durch den Muttermund gelegt wird, genau beobachten, was an der Schleimhaut passiert. Das ganze Verfahren dauert etwa zwanzig Minuten.

Rollerball- oder Laser-Methode

Ein ebenfalls häufig praktiziertes Verfahren ist die Rollerball- oder die Laser-Methode, bei der die Schleimhaut Punkt für Punkt mit einer Elektro-Schlinge abgetragen bzw. mit Laserlicht verödet wird. Nachteil der HTA gegenüber anderen Ablationsmethoden sind allerdings mögliche Verbrennungen in der Scheide. Keine Art der Ablation kommt in Frage, wenn auch nur der Verdacht besteht, dass sich unter der Schleimhaut Krebszellen, Polypen oder Myome verbergen könnten. Außerdem können die Probleme bei zehn bis fünfzehn Prozent der Frauen nach der Behandlung wiederkehren - diesen Patientinnen bleibt die Operation dann meist nicht erspart.

Das bestärkt die Krankenkassen darin, die rund 500 Euro für Katheter oder Ballon auch bei entsprechender Diagnose nur auf persönlichen Antrag zu bezahlen. Bisher blieb es bei Einzelfällen. "Viele Patientinnen werden von ihren Ärzten nicht informiert", sagt Professor Römer. Er rät deshalb allen Frauen, denen wegen Blutungsstörungen eine Operation empfohlen wurde, eine zweite, vielleicht sogar eine dritte Expertenmeinung einzuholen. Wie wichtig das ist, zeigt auch eine Untersuchung vom Berliner Feministischen Frauen Gesundheits Zentrum (FFGZ), in der 15 Chefärzte Berliner Krankenhäuser gefragt wurden, wann sie eine Gebärmutter-Entfernung für unvermeidbar halten. "Harte Kriterien existieren nicht", sagt Brigitte Sorg, eine der Autorinnen. "Uns scheint es fast so, als würde vielfach nach Lust und Laune operiert." Ein wichtiger Hinweis gerade für Frauen mit Herzproblemen oder einer Neigung zu Thrombosen (Blutpfropfen). Denn für diese Patientinnen bedeutet eine Operation ein besonderes Risiko, sie sollten also auf jeden Fall nach den neuen Ablationsverfahren fragen. Denn vielleicht können sie ihre Beschwerden auch auf schonende Weise loswerden.

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