Hallo Mütter, ihr müsst eure Plazenta nicht essen!

Ist es wirklich sinnvoll, nach der Geburt die Plazenta zu essen? Wissenschaftlerinnen warnen: Weder ist der Nutzen belegt, noch sind die Risiken erforscht.

Die Plazenta - ein Wundermittel?

Viele Säugetiere fressen ihre Plazenta nach der Geburt der Jungen auf. Klar, dass da auch schon Menschen auf den Geschmack gekommen sind: Was in der Natur gut ist, kann für uns Menschenmütter ja nicht schlecht sein.

Glaubt man den Anhängerinnen der "Plazentophagie", kann das Essen des Mutterkuchens nach der Geburt Wunder wirken. Als Kapsel, Pille, Globuli, gemahlen, gekocht oder gefriergetrocknet: Die in der Plazenta enthaltenen Hormone und Nährstoffe sollen die Milchproduktion ankurbeln, für ein starkes Immunsystem und einen schönen Teint sorgen, Schmerzen lindern, verjüngen und Wochenbettdepressionen abwenden. Die Freiburger Engel-Apotheke wirbt sogar damit, dass die "ganze Familie die Plazentakräfte, von denen das Kind vor seiner Geburt gezehrt hat, zur Stärkung des Organismus und Linderung von Beschwerden nutzen" kann. Hier sollen die Plazenta-Globuli auch gleich noch bei Migräne und Neurodermitis helfen.

Blähungen, Gas

"Es gibt keine Studien, die den Nutzen belegen"

Alles Quatsch? Wissenschaftlerinnen der Northwestern University in Chicago haben sich alle verfügbaren Fachartikel zum Thema vorgenommen und festgestellt, dass es keine Anhaltspunkte für einen möglichen Nutzen gibt. Nur eine einzige Studie von 1954 hat die Auswirkungen des Plazentaessens untersucht. Doch die entspricht nicht den heutigen wissenschaftlichen Standards. Das Fazit im Fachblatt Archives of Women's Mental Health lautet: "Es gibt keine Studien, die den Nutzen für den Menschen belegen."

Auch die Risiken sind unerforscht

Wird aber schon nicht schaden, mag jetzt manch werdende Mutter denken, die etwa die euphorischen Statements von Kardashian-Schwester Kourtney bei Twitter gelesen hat ("The pills are life changing!"). Doch die Wissenschaftlerinnen warnen vor möglichen Risiken, die ebenso wenig erforscht seien wie der Nutzen. Der Mutterkuchen versorgt das ungeborene Kind zwar mit wertvollen Nährstoffen, funktioniert aber auch als Barriere, die es vor Schadstoffen und Erregern schützt. In Plazenten wurden bereits Blei und Quecksilber gefunden.

Außerdem kritisiert die an der Studie beteiligte Forscherin Cynthia Coyle: "Es gibt keine Vorschriften, wie die Plazenta gelagert, zubereitet und dosiert wird. Die Frauen wissen nicht, was sie zu sich nehmen." Dasselbe gilt für das neugeborene Baby, so es denn gestillt wird. Und auch, wenn unsere Hündin die Plazenta nach der Geburt ihrer Jungen auffrisst: Wir essen ja auch sonst nicht alles, was sie so gerne mag.

sar
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