Vegetarische Ernährung und Schwangerschaft - geht das gut?

Vegetarische Ernährung ist keine große Sache. Eigentlich. Doch wie sieht es während einer Schwangerschaft aus – ist fleischfrei dann noch klug?

"Eigentlich haben Vegetarierinnen während Schwangerschaft und Stillzeit kein Problem – und auch ihre Kinder nicht", beruhigt Dr. Babett Ramsauer, leitende Oberärztin an der Klinik für Geburtsmedizin am Vivantes-Klinikum Neukölln. Hauptproblem in dieser Lebenslage: Die Eisenversorgung. "Wenn man die Ernährung nicht so plant, dass man den Eisenbedarf gut ausgleicht, riskiert man eine Anämie, also Blutarmut", sagt Ramsauer. Dabei gilt in der Regel: Erst einmal bekommt die Mutter den Mangel zu spüren, denn der Körper tut alles, um das Kind gut zu versorgen und entzieht erst einmal dem mütterlichen Organismus Reserven. Die Frauenärztin prüft aber normalerweise in den Schwangerschaftsuntersuchungen, ob der Eisenwert in Ordnung ist.

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"Auch auf die Vitamin D-Versorgung sollten werdende Mütter verstärkt achten", sagt Ramsauer: Das steckt in Milchprodukten und wird von der Haut bei Sonnenlicht selbst gebildet. Auf der ganz sicheren Seite sind Schwangere, wenn sie Seefisch auf den Speiseplan setzen, denn darin sind nicht nur Vitamin D und Jod (das ist vor allem nach den ersten drei Schwangerschaftsmonaten wichtig), sondern auch Omega 3-Fettsäuren, die das kindliche Gehirn für die Entwicklung braucht. Wer das nicht mag, kann den Jodbedarf aber auch mit Algen (Bioladen oder Asialaden) decken. Omega 3-Fettsäuren stecken in Raps- oder Leinöl oder in Nüssen.

Eine deutsche Studie zeigte vor einigen Jahren, dass schwangere Vegetarierinnen häufig zu wenig Vitamin B12 im Blut haben, das kann die Entwicklung des kindlichen Nervensystems beeinträchtigen. Oft steckt dieses Vitamin auch in den Folsäurepräparaten, die ohnehin empfohlen werden. Mit einer wirklich gut geplanten Ernährung mit Eiern, (Mager-) Milch und (Mager-) Quark, Sauerkraut oder Camembert (in Maßen!) können sich Schwangere auch ohne Ergänzungsmittel ausreichend versorgen, allerdings muss man sich dann mit der Ernährung ein bisschen mehr als sonst beschäftigen.

"Während der Stillzeit gilt eigentlich das Gleiche wie während der Schwangerschaft – nur ist dann die Kalziumversorgung noch wichtiger als während der Schwangerschaft", sagt Babett Ramsauer. Auch hier sind fettarme Milchprodukte die beste Quelle. "Wenn man nicht gerade Veganerin ist, lässt sich der Bedarf während Schwangerschaft und Stillzeit gut über die Ernährung decken, man braucht nicht unbedingt Nahrungsergänzungsmittel", sagt Ramsauer. Gerade beim zweiten oder dritten Kind kann aber die Vitamin B12-Versorgung kritisch werden. Um ganz sicher zu gehen, die Sache am besten mit dem Arzt besprechen.

Wer hier schreibt:

Eva-Maria Schnurr
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