Hausarztmodell: Sinnvoll oder nicht?

Noch in diesem Jahr wollen einige Krankenkassen die Praxisgebühr durch das "Hausarztmodell" ersetzen. Eine Erleichterung für alle, die wirklich sparen müssen. Für alle anderen ist es Zeitverschwendung, findet Susanne Arndt.

Wohin gehen Sie, wenn Sie Rückenschmerzen haben? Zum Orthopäden. Und wohin gehen Sie, wenn Sie einen verdächtigen Leberfleck auf Ihrer Haut entdecken? Richtig, zum Hautarzt. Und wenn Sie Ohrenschmerzen haben? Na ...? Zum HNO-Arzt! Richtig? Nein, falsch. Diese ganz alltäglichen Entscheidungen, die wir bislang mit unserem gesunden Menschenverstand getroffen haben, gelten mit dem "Hausarztmodell" nichts mehr. Demnach entscheidet unser Hausarzt, ob unsere Ohrenschmerzen von einem Bandscheibenvorfall herrühren oder der Leberfleck am Arm ein Fall für den Augenarzt ist. Dann stellt er eine Überweisung zum entsprechenden Facharzt aus. Als Belohnung dafür, dass wir ihn konsultiert haben, entfällt für uns die Praxisgebühr.

Wie schon lange von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt gefordert, haben sich nun einige der großen Kassen dazu entschlossen, ihren Mitgliedern das Hausarztmodell noch in diesem Jahr anzubieten: Wer immer erst zu seinem Hausarzt geht, wenn ihm etwas weh tut, bekommt am Ende des Jahres die Praxisgebühr (maximal 40 Euro) zurückerstattet. Die Teilnahme ist freiwillig.

Sicher, wenn der Hausarzt alle Untersuchungen koordiniert, mag manch unnötige Behandlung beim Spezialisten verhindert, Ärztehopping unterbunden werden. Andererseits gibt es den Hausarztbesuch auch nicht geschenkt. Der Verwaltungsaufwand wird sowieso größer. Und was die in der Gesundheitsreform so groß geschriebene "Patientensouveränität" betrifft - die fällt beim Hausarztmodell noch geringer aus als sie jetzt schon ist. Warum sonst bräuchten wir einen Hausarzt, der uns erzählt, dass unsere Muttermale beim Hautarzt am besten aufgehoben sind? Das ganze riecht nach Zeitverschwendung: Patienten, die sich für dieses Modell entscheiden, werden pro Malaise zwei Mal ihre Zeit beim Arzt absitzen müssen, einmal beim Haus- und einmal beim Facharzt. Bleibt zu hoffen, dass unsere Arbeitgeber Verständnis für diese Arzt-Odysseen aufbringen werden - sofern wir denn noch Arbeitgeber haben.

Immerhin: Patienten, die wirklich sparen müssen, haben mit dem Hausarztmodell künftig die Möglichkeit, ihre Gesundheitsversorgung ein wenig günstiger zu bekommen. Ärgerlich ist nur, dass sie die 10 Euro pro Quartal erst einmal auslegen müssen.

Foto: DAK/Schläger

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