Hormontabletten in den Wechseljahren

Neue Studie: Auch gegen Depressionen, sexuelle Probleme oder Erschöpfung können Hormontabletten so gut wie nichts ausrichten.

Weniger Stimmungsschwankungen, keine Hitzewallungen, besserer Sex und insgesamt einfach gut drauf sein... Zumindest von diesen positiven Effekten der Wechseljahrs-Hormone sind nach wie vor viele Frauen und Ärzte überzeugt, nachdem sich im vergangenen Jahr gezeigt hatte: Vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützen Hormontabletten nicht.

Nun aber lassen Studienergebnisse auch daran zweifeln, dass es Frauen in den Wechseljahren mit künstlichen Hormonen generell besser geht. Für die Untersuchung befragten Wissenschaftler verschiedener US-Universitäten über 16.000 Frauen ab 50, von denen eine Hälfte ein Östrogen-Gestagen-Präparat gegen Wechseljahrsbeschwerden bekam, die andere ein Scheinmedikament.

Nackt schlafen bei Hitze: Experte rät ab

Zu Beginn der Studie mussten alle Teilnehmerinnen angeben, ob und wie sehr sie unter bestimmten Beschwerden zu leiden hatten: Depressionen, Erschöpfung, sexuelle Probleme, Schlafstörungen sowie Hitzewallungen, nächtliches Schwitzen, Stimmungsschwankungen und Konzentrationsstörungen. Nach einem und nach drei Jahren wurde überprüft, ob die Frauen, die Hormonpillen eingenommen hatten, sich besser fühlten als diejenigen, die das Placebo bekommen hatten.

Das Ergebnis kam für die Wissenschaftler völlig überraschend: Nach einem Jahr hatte die Hormontherapie, wenn überhaupt, nur minimale Vorteile gebracht. Nach drei Jahren zeigte sich gar kein positiver Effekt mehr. Mit zwei Ausnahmen: Wer Hormone einnimmt, schläft etwas besser - zumindest im ersten Jahr. Und bei Hitzewallungen und Nachtschweiß helfen die Tabletten gut.

Die Studie gibt erstmals wissenschaftlich fundiert den Frauen und ihren Ärztinnen Recht, die immer schon der Meinung waren, dass man auch ohne Hormonpillen oder -pflaster gut durch die Wechseljahre kommen kann. Dazu nahm in Deutschland vor wenigen Jahren noch jede zweite Frau Hormone. Inzwischen dürften es weniger sein. Schließlich mussten wir schon vor einigen Monaten komplett umdenken - als herauskam, dass Wechseljahrs-Hormone das Risiko, einen Infarkt oder Schlaganfall zu bekommen, sogar erhöhen. Ein erheblicher Nachteil, der zu den ohnehin bekannten Nebenwirkungen wie Thrombosegefahr und erhöhtes Brustkrebsrisiko hinzukam. Gerade der langjährige Einsatz der Präparate zur Osteoporose-Vorbeugung ist seither umstritten.

Nicht unbedingt absetzen

Also die Tabletten auf jeden Fall absetzen? Nein. Zumindest, wenn Sie Hitzewallungen und das Schwitzen in der Nacht nicht akzeptieren möchten. Allerdings sollten Sie mit einer niedrigen Dosis anfangen und diese erst steigern, wenn sich die Beschwerden nicht bessern. Bei den meisten Frauen sind die Hitzewallungen nach einigen Monaten oder wenigen Jahren ohnehin vorbei. Darum ist es sinnvoll, die Hormone alle sechs Monate nach und nach abzusetzen und auszuprobieren, ob es auch ohne geht.

Generell gilt: Überlegen Sie gemeinsam mit Ihren Ärzten, ob der Nutzen der Behandlung in Ihrem individuellen Fall das Risiko schädlicher Nebenwirkungen übersteigt.

Dr. Sabine Thor-Wiedemann
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