Frau lässt sich Gebärmutter entfernen – weil ihre Periode sie in Selbstmordgedanken trieb

Krasse Stimmungsschwankungen und Menstruationsbeschwerden plagten eine junge Frau aus England – bis sie sich zu einem radikalen Schritt entschloss.

Vor ihrer Pubertät war für Lucie alles in Ordnung: Sie sei ein ruhiges, glückliches Kind gewesen. Bis sie 13 war. Dann bekam die junge Frau aus Devon, England, ihre Periode – und ein Martyrium begann.

Zwei Wochen im Monat fühlte sie sich wie "besessen", berichtet die Britin der "BBC". Neben körperlicher Beschwerden litt sie an Angstzuständen und Panikattacken; so schlimm, dass ihre Eltern sie in eine psychiatrische Abteilung steckten. Doch die Psychopharmaka, die man ihr dort verschrieb, schlugen nur mäßig an. Vor allem, weil Lucies Beschwerden immer wieder zyklisch auftraten.

Erstmals Besserung, als sie schwanger wurde – doch nur für kurze Zeit

Als sie mit 16 schwanger wurde, änderte sich Lucies Zustand erstmals. "Meine Symptome schienen einfach verschwunden zu sein." Doch nach der Geburt von Söhnchen Toby ging alles von vorne los. Die gleiche Prozedur wiederholte sich, als die junge Frau mit 23 wieder schwanger wurde. Erneut fühlte sie sich psychisch fit – bis Töchter Bella geboren war.

Muskelschmerzen, Hyperempfindlichkeit gegenüber Gerüchen und Berührungen, extreme Müdigkeit waren die physischen Symptome – Hoffnungslosigkeit und Vergesslichkeit die psychischen. Ihre negative Stimmung trieb sie bis hin zu Selbstmordgedanken. "An einem gewissen Punkt konnte ich meine Stimme als die von jemand anderem hören – und wenn ich sprach, konnte ich meine eigene Stimme oder mein eigenes Spiegelbild nicht erkennen", erzählt Lucie.

Ehepaar erkennt Muster – und richtet danach sogar die Hochzeit aus

Irgendwann erkannten sie und ihr Ehemann Martin ein Muster in ihrem Leiden. "Auf einmal war mir ziemlich klar, was vor sich ging", sagt Lucie. "Innerhalb von Stunden nach meiner Regelblutung ging es mir gut. Ich fiel von einem Extrem ins andere. Ich wusste, dass meine Periode kommen würde und obwohl ich unter wirklich, wirklich schweren, schrecklichen Blutungen litt, fühlte ich mich in meiner besten Zeit."

Sie legte sogar extra ihren Hochzeitstag auf ein Datum, von dem sie sicher sein konnte, dass sie an diesem Tag ihre Regelblutung haben würde: "Weil ich wusste, dass es das einzige Mal war, dass ich mich OK fühlte."

Mit einer Liste ihrer Symptome konfrontierte sie schließlich auch ihren Hausarzt – der endlich die Diagnose stellte: Prämenstruelle dysphorische Störung (PMDD) – eine heftige Form des Prämenstrualen Syndroms (PMS).

Zunächst verschrieb ihr Arzt Lucie Hormonspritzen. Die führten quasi künstlich eine verfrühte Menopause herbei. Und erstmals seit Jahren erfuhr die junge Frau Linderung. "Plötzlich änderte sich alles ... alle meine Symptome verschwanden." Nach zwei Monaten konnte sie all ihre Antidepressiva absetzen – die Medikamente, die sie seit ihrer Jugendzeit eingenommen hatte.

Hormonspritzen haben Nebenwirkungen

Die Hormoninjektionen hatten allerdings eine potenzielle Nebenwirkung: Sie können die Knochendichte verringern und damit zu Osteoporose führen. Ein Risiko, das Lucie zu einer radikalen Entscheidung bewog.

Die Britin, die sich eigentlich noch ein drittes Kind gewünscht hatte, wog ab: ein weiteres Mal Mutter zu werden gegen das Leid, das ihr PMS mit sich brachte. Die Liste ihrer Symptome umfasste schließlich 42 Punkte. Und Lucie traf ihre Entscheidung.

Im Alter von nur 28 Jahren unterzog sie sich freiwillig einer Hysterektomie. Seitdem leidet sie manchmal an Migräne – das ist alles. "So fühlen sich alle anderen die ganze Zeit?", wundert sich Lucie, und fügt hinzu: "Sie wissen ja gar nicht, was für ein Glück sie haben."

Verbittert sei sie nach ihrer 15 Jahre währenden Odyssee dennoch nicht. "Ich bin einfach froh, dass ich am Ende geheilt werden konnte." Sie hätte sich nur gewünscht, dass man ihr schon viel früher besser zugehört und ihren Schilderungen mehr Bedeutung beigemessen hätte. (Dabei nehmen Ärzte Frauen oft nicht ernst.)

Seit ihrer Gebärmutterentfernung habe sich ihr Familienleben unschätzbar verbessert. Und auch wenn sie sich jetzt endlich "normal" fühlt, sagt Lucie: "Das werde ich niemals als selbstverständlich sehen."

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