Ich suche einen guten Arzt!

Die Suche nach einem guten Arzt ist nicht einfach. Eine Checkliste hilft, einen fähigen Mediziner zu finden.

Die Erwartungen sind riesig: Sympathisch soll er sein. Vertrauenswürdig. Kompetent. Und, natürlich, uns gesund machen. Unser Arzt.

Die Realität sieht manchmal leider anders aus. Ärzte, die nicht zuhören. Die mit ihrem Fachkauderwelsch eher verunsichern als aufklären. Stundenlange Wartezeiten. Dreiminutenmedizin.

So reagierst du bei einem Zeckenbiss genau richtig

"Ich suche einen guten Arzt. Kennst du einen?" ist daher eine Frage, die im Bekannten- und Kollegenkreis oft gestellt wird. Aber woran mache ich das fest? Vor allem die medizinische Kompetenz können wir als Laien nur schwer beurteilen.

Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) hat eine Broschüre aufgelegt, die Schluss machen soll mit dieser Unsicherheit. "Woran erkennt man eine gute Arztpraxis?" - unter dieser Überschrift finden Patienten eine Checkliste mit elf Beurteilungskriterien für Arzt und Praxis.

Checkliste: Darauf müssen Sie achten

  • Nimmt der Arzt mich und mein spezielles gesundheitliches Problem ernst?
  • Erhalte ich von meinem Arzt eine ausführliche und verständliche Information und Beratung?
  • Erhalte ich von meinem Arzt Hinweise auf weiterführende Informationsquellen und Beratungsangebote?
  • Bezieht mich mein Arzt in alle Entscheidungen bezüglich meiner gesundheitlichen Situation ein?
  • Werde ich von Arzt und Praxispersonal freundlich und respektvoll behandelt?
  • Erhalte ich ohne Probleme Zugang zu meinen Patientenunterlagen?
  • Akzeptiert mein Arzt, dass ich im Zweifelsfall eine zweite Meinung einholen möchte?
  • Wird in der Praxis der Schutz meiner Person und Intimsphäre gewahrt?
  • Wird in der Praxis der Schutz meiner persönlichen Daten gewahrt?
  • Kann ich Arzt und Arztpraxis gut erreichen?
  • Kann ich erkennen, ob und wie sich Arzt und Praxispersonal um die Qualität meiner Behandlung bemühen?

Die Broschüre "Woran erkennt man eine gute Arztpraxis?" ist auch online abrufbar und enthält ausführliche Kommentare zur Checkliste und einen Leitfaden, mit dem sich Patienten auf den Arztbesuch vorbereiten können.

Interview: "Bereiten Sie sich auf einen Arztbesuch vor"

BRIGITTE.de: Herr Professor Ollenschläger, warum brauchen wir überhaupt eine Checkliste, um eine gute Arztpraxis zu erkennen?

Günter Ollenschläger: Arzt-Empfehlungen laufen auch heute noch meist über Mundpropaganda: "Kennst du nicht einen guten Arzt?". Aber je komplexer das Medizinsystem wird, umso schwieriger wird es, sich selbst eine Meinung zu bilden. Daher haben wir für die Checkliste entwickelt - in enger Zusammenarbeit mit der Ärztekammer und dem Patientenforum.

BRIGITTE.de: Welcher Punkt auf der Liste ist Ihnen der wichtigste?

Ollenschläger: Besonders wichtig ist für mich vor allem eines: Ein guter Arzt ermöglicht es, dass am Ende der Betroffene entscheiden kann - der Patient. Dazu nimmt er sich Zeit, hört gut zu und informiert geduldig und verständlich. Er gibt dem Patienten die Chance, über seine Entscheidung nachzudenken, sofern die Krankheit das zulässt. Er geht auf die Bedürfnisse des Patienten ein. In unserer Zeit der Dreiminutenmedizin wird dies leider immer schwieriger.

BRIGITTE.de: Muss man unterscheiden zwischen einem guten Arzt und einer guten Arztpraxis?

Ollenschläger: Das sollte man, schließlich kann man auch in einem miserablen organisatorischem Umfeld exzellente Medizin machen. Einige Punkte auf der Liste könnte man auch "Hotelaspekte" nennen - hier steht das Organisatorische im Mittelpunkt, etwa wenn es um die Erreichbarkeit der Praxis geht oder der Schutz der Intimsphäre. Ein hoch professionelles medizinisches Versorgungszentrum hat es da viel einfacher als etwa ein einzeln tätiger Arzt auf dem platten Land in Mecklenburg-Vorpommern. Auch der Wunsch nach einer zweiten Arztmeinung lässt sich dort viel schneller und unkomplizierter realisieren.

BRIGITTE.de: Stichwort zweite Arztmeinung: Viele Patienten trauen sich nicht, nach den dafür nötigen Unterlagen zu fragen. Sie haben Angst, ihren Arzt zu verprellen.

Ollenschläger: Ich persönlich würde den Arzt wechseln, wenn er nicht zulässt, dass ich noch eine weitere Absicherung einhole. Eine gute Arztpraxis zeichnet es aus, dass sich der Arzt um die höchste mögliche medizinische Qualität bemüht. Dazu gehört auch, sich selbst nicht als allwissend darzustellen. Natürlich müssen die Relationen gewahrt bleiben - bei einem Schnupfen brauchen Sie keine zweite Meinung einholen!

BRIGITTE.de: Patienten beraten, informieren - das kostet Zeit und bringt nicht viel Geld. Welche Rolle spielen wirtschaftlichen Interessen für Ärzte?

Ollenschläger: Leider wird die so genannte "sprechende Medizin" ungünstig entlohnt. Daher ist es immer ein Spagat zwischen dem Berufsziel und den Rahmenbedingungen. Trotzdem: Kommunikation ist das A und O für den Arzt - es sei denn, er hat nur betäubte Patienten zu behandeln.

BRIGITTE.de: Was tun, wenn ich meine Checkliste abarbeite und feststelle: Mein Arzt ist nicht gut? Den Arzt wechseln - oder mit ihm reden?

Günter Ollenschläger: Leider trauen sich viele Patienten nicht, beim Arzt Kritik anzusprechen. Es ist aber ja auch was anderes, ob man mit dem Bäcker über die Qualität der Brötchen redet oder den Arzt als Vertrauensperson in Frage stellt. Deshalb haben gute Arztpraxen ein Qualitätsmanagement, zum Beispiel anonyme Fragebögen oder einen Kummerkasten direkt in der Praxis. Viele legen auch unsere oder ähnliche Broschüren aus, um ihre Patienten zu ermutigen.

BRIGITTE.de: Können die Patienten denn auch selbst etwas tun, damit der Arztbesuch zum Erfolg wird?

Ollenschläger: Bereiten Sie sich auf einen Arztbesuch vor! Überlegen Sie sich, welche Informationen für Ihren Arzt wichtig sind: Welche Beschwerden haben Sie? Welche Medikamente nehmen Sie? Auch sollten Sie sich aufschreiben, welche Fragen Sie Ihrem Arzt stellen wollen. Das mag Ihnen vielleicht erst mal komisch vorkommen - aber wenn ich in die Oper gehe, schaue mir auch vorher das Libretto an.

Günter Ollenschläger ist Leiter des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ) in Berlin

Text: Angelika Unger Foto: iStockphoto.com

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