Masern-Infektion: Die Zahl der Fälle steigt wieder

Im Jahr 2011 gab es in Deutschland 1607 Masern-Infektionen - mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Warum die Zahlen so hoch sind und warum es gefährlich ist, wenn man Masern erst spät bekommt, lesen Sie im Interview.

Interview mit Dr. Jan Leidel, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (STIKO)

BRIGITTE: Bis 2015 sollten die Masern eigentlich bei uns verschwunden sein. Schaffen wir das?

Dr. Jan Leidel: Dieses Ziel wird nicht nur in Deutschland, sondern insgesamt von der WHO Europa angepeilt. Ich hoffe, dass wir es erreichen, aber ich bin skeptisch. Das Kriterium lautet: Es darf bei uns nicht mehr als 80 Masern-Fälle pro Jahr geben.

BRIGITTE: Und wie viele gab es letztes Jahr?

Dr. Jan Leidel: 1607 – mehr als doppelt so viele wie 2010. Wir haben leider immer wieder längere, regional begrenzte Ausbrüche. Zuletzt vor allem in Süddeutschland.

BRIGITTE: Warum sind die Zahlen so hoch?

Dr. Jan Leidel: Es gibt noch zu viele Menschen, die keine Immunität haben. Von den kleineren Kindern besitzen fast 95 Prozent den vollen Schutz durch zwei Impfungen. Aber bei älteren Kindern bis hin ins junge Erwachsenenalter gibt es Impf-Lücken.

BRIGITTE: Kann man die Impfung nachholen?

Dr. Jan Leidel: Ja. Die STIKO empfiehlt eine Impfung für alle, die nach 1970 geboren sind und die noch nicht oder nur einmal als Kind geimpft wurden oder bei denen unklar ist, ob sie geimpft wurden. Wer über 40 ist, scheint dagegen gut geschützt; diese Menschen haben ja meist Masern-Infektionen gehabt.

BRIGITTE: Ist es gefährlich, wenn man Masern erst spät bekommt?

Dr. Jan Leidel: Ja, eine Infektion kann schwere, zum Teil lebensbedrohliche Komplikationen verursachen. Dieses Risiko ist besonders hoch für Kinder unter 5, Menschen ab 20 und Schwangere.

Ein Interview aus BRIGITTE Heft 12/2012
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