Ist DAS der neue Libido-Booster für die Frau?

Die amerikanische Arzneimittelbehörde hat ein neues Mittel zugelassen, das Frauen bei sexueller Unlust helfen soll. Doch wie funktioniert das?

"Heute nicht Schatz, ich habe Kopfschmerzen."

Was nach einem typischen Klischeesatz aus einer amerikanischen Komödie klingt, spielt sich so oder ähnlich tatsächlich in vielen Schlafzimmern ab. Nur, dass wahrscheinlich in den meisten Fällen Kopfschmerzen eher vorgeschoben werden, weil man sich nicht eingestehen möchte, dass man einfach keine Lust auf Sex hat. Tatsächlich ist es von Mensch zu Mensch verschieden, wie oft man "will" – doch bei manchen Betroffenen verbirgt sich hinter der Lustlosigkeit ein echtes Krankheitsbild. Mediziner sprechen dann von einer sexuellen Appetenzstörung. 

Hilfe bei sexueller Unlust

Genau hier setzt ein neues Mittel mit dem Namen Bremelanotid, das unter der Bezeichnung Vyleesi vertrieben werden soll, an. Die amerikanische Arzneimittelbehörde hat das Mittel nun für Frauen vor den Wechseljahren zugelassen – damit ist Vyleesi nach dem sogenannten Flibanserin das zweite Mittel überhaupt, das Frauen bei sexueller Unlust helfen soll. Interessant ist, dass bei keinem der beiden Medikamente ganz klar ist, wie sie eigentlich wirken. Bekannt ist nur, dass Vyleesi bestimmte Rezeptoren im Gehirn stimulieren soll, die Einfluss auf verschiedene körperliche Prozesse haben. Es wird allerdings vermutet, dass das Mittel den Spiegel des Hormons Dopamin hebt – dieses wirkt motivierend und steigert den persönlichen Antrieb.

Nichts für Spritzenphobikerinnen

"Dadurch empfinden Frauen erotische Stimulierung als motivierend", wie Sheryl Kingsberg auf dem Portal "LiveScience" berichtet. Die Forscherin untersucht die Wirkung von Bremelanotid am Cleveland Medical Center. Ein Vorteil: Vyleesi muss anders als Flibanserin nicht täglich eingenommen werden, sondern wird bei Bedarf eingesetzt. Allerdings müssen Frauen sich das Mittel selbst in den Bauch oder den Oberschenkel injizieren – und zwar etwa 45 Minuten vor dem erwarteten Sex.

Kontrolliert wurde die Wirkung von Vyleesi in einer 24-wöchigen, randomisierten Doppelblind-Studie mit 1.247 Frauen vor der Menopause, die in zwei Gruppen geteilt wurden. Eine Gruppe spritzte sich lediglich ein Placebo, die andere nutzte das Medikament. Beide Gruppen sollten den Test zwei- bis dreimal pro Monat, aber nicht öfter als einmal in der Woche einsetzen. Nach Ablauf der Studienphase beantworteten die Frauen wissenschaftliche Fragebögen über ihr sexuelles Verlangen. Das Ergebnis: 25 Prozent der Frauen, die Vyleesi verwendeten, berichteten über ein gesteigertes Lustempfinden während der Testphase. Bei den Frauen aus der Placebo-Gruppe waren es 17 Prozent.

Übelkeit als Nebenwirkung

Leider gibt es die gesteigerte Libido wohl nicht ganz ohne Nebenwirkungen: Etwa 40 Prozent der Frauen, die Vyleesi nahmen, klagten über Übelkeit, meist nach der ersten Injektion. In einigen Fällen kam es auch zu Hitzewallungen, Erbrechen und Hautausschlägen an der Injektionsstelle. Und: Das Mittel erhöht den Blutdruck für etwa zwölf Stunden, weshalb Patientinnen mit Bluthochdruck es nur nach enger Absprache mit dem Arzt verwenden sollten. Wer bereits ein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat, verzichtet besser ganz auf die Anwendung.

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