Keine Angst vor Cortison

Cortison zählt zu den wirksamsten Mitteln gegen Allergien. Viele Patienten glauben aber, dass dieser Wirkstoff ein Medikament mit bösen Nebenwirkungen ist. Hautärztin Dr. Kirsten Wiese erklärt, weshalb diese Sorge unbegründet ist - wenn das Präparat richtig angewendet wird.

Cortison gehört zu den wichtigsten Arzneimittelwirkstoffen. Es ist ein Hormon, das auch von der Nebenniere des Menschen produziert wird und den gesamten Stoffwechsel steuert. Cortison wird unter anderem in der Rheuma-Therapie und bei Organtransplantationen angewendet. Es wird auch zur Bekämpfung von allergischen Reaktionen eingesetzt - und von vielen gefürchtet.

Erschreckendes Ergebnis: Jedes zweite Putzmittel ist gesundheitsschädigend

Cortisontherapie bei Allergien

Wenn die üblichen Präparate gegen <Heuschnupfen</b> nicht ausreichen (Augentropfen, Nasenspray und Antihistaminikum), um die Symptome zu bekämpfen, etwa eine sehr starke Schwellung der Nasenschleimhaut, kommt Cortison ins Spiel - als cortisonhaltiges Nasenspray. "Über einen Zeitraum von wenigen Wochen ist so ein Spray völlig unproblematisch", sagt Kirsten Wiese. "Wenn die Beschwerden nicht zurückgehen, sollte der behandelnde Arzt allerdings abklären, ob nicht vielleicht eine Hyposensibilisierung infrage kommt." Unter einer Hyposensibilisierung versteht man die wiederholte Zufuhr eines Allergens in allmählich zunehmender Dosis, mit dem Ziel, die allergische Reaktion

Wer nur drei Wochen lang verstärkt unter Birkenpollen zu leiden hat, könne aber ohne weiteres lokal, also mit einem Cortisonspray therapiert werden. Das gleiche gelte für allergisch bedingte Asthma-Anfälle. Bei einem allergischen Schock wird Cortison gespritzt - gemeinsam mit einem Antihistaminikum.

Auch bei allergischen Reaktionen der Haut, etwa bei einer starken Nickelallergie, die Rötung, Schuppung und Juckreiz hervorruft, wird Cortison eingesetzt, und zwar in Form einer cortisonhaltigen Creme. Die wird allerdings nur kurzfristig eingesetzt, und in Kombination mit einem Antihistaminikum in Tablettenform - letzteres vermindert das Jucken und beschleunigt so die Therapie. Entscheidend ist nun, erklärt Kirsten Wiese, dass das Cortison Schritt für Schritt abgesetzt wird - "ausschleichen" nennt sie diesen Prozess.

Das Ganze funktioniert zum Beispiel so: Zunächst nimmt der Patient das Cortisonpräparat zweimal täglich, sieben Tage lang. Dann folgen sieben Tage mit einer einfachen täglichen Dosis, dann sieben Tage im Zweitagesrhythmus, und so weiter. Parallel dazu wird ein sehr schwaches Cortisonpräparat verwendet, das so genannte Hydrocortison. Wird Cortison abrupt oder zu früh abgesetzt, kehren die Symptome jedoch wieder, und eine erneute Behandlung mit Cortisonpräparaten muss durchgeführt werden.

Nebenwirkungen

Kirsten Wiese weist darauf hin, dass Cortison, richtig und kurzfristig angewendet, keine Nebenwirkungen beim Patienten hat. Richtige Anwendung bedeutet: Nur Krankheiten damit behandeln, die mit Cortison therapiert werden sollten. Und wie diese richtige Anwendung abläuft, das kann am besten der Facharzt entscheiden. Deswegen rät Kirsten Wiese, bei allergischen Beschwerden stets zum Hautarzt oder Allergologen zu gehen, und nicht zum Allgemeinmediziner.

Wird ein Cortisonpräparat über einen langen Zeitraum benutzt, kann es unter anderem zu einer Verdünnung der Haut kommen. Die Gefäße können brüchig werden, bei Anwendung im Gesicht kann es zu einer starken Rötung kommen, weil viele kleine Gefäße dicht unter der Hautoberfläche platzen. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Wassereinlagerungen im Gewebe und eine Schwächung des Immunsystems. Alle Nebenwirkungen treten jedoch nur bei einer Therapie über einen langen Zeitraum auf, oder wenn Cortison immer wieder kurzfristig eingesetzt wird.

Selbsttherapie mit Hydrocortison

Hydrocortison ist frei in Apotheken erhältlich, zum Beispiel das Präparat Ebenol, eine Creme, von der die kleine Tube nur ein paar Euro kostet. Es wird von vielen Patienten gekauft und für kleinere Hautreizungen verwendet, oder um rasch eine kosmetisch störende Hautrötung im Gesicht loszuwerden. "Das wirkt natürlich schnell, denn Cortison bekämpft umgehend die Neubildung von Hautschüppchen. Aber sobald die Creme abgesetzt wird, ist die Rötung wieder da, und das Krankheitsbild oft schlimmer als zuvor", warnt Kirsten Wiese. "Auch wenn Hydrocortison das schwächste Cortisonpräparat ist, die Nebenwirkungen sind gleich." Ihr dringender Rat: Niemals auf eigene Faust ein Cortisonpräparat nehmen, stets vorher den Arzt konsultieren.

Kann man auf Cortison verzichten?

Bei akuten allergischen Schüben, etwa bei Neurodermitis, gibt es keine Alternative zu Cortison, erklärt Kirsten Wiese. Manche Patienten fragen sie nach einer pflanzlichen Alternative. Dabei sind pflanzliche Wirkstoffe nicht nur um vieles wirkungsärmer. Sie sind im Gegensatz zu Cortison, einem Stoff, der schließlich auch vom Körper produziert wird, selbst allergen, wie die Hautärztin erläutert. Daher könnten sie eine Allergie weiter verstärken, anstatt zur Heilung beizutragen.

Dr. Kirsten Wiese ist Hautärztin und Allergologin und praktiziert in Hamburg.

Text: wp, Stand: März 2005
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