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Kontaktlinsen Die 10 wichtigsten Fragen und Antworten zu Kontaktlinsen

Kontaktlinsen: Kontaktlinse vor Auge
© Sergey Ryzhov / Shutterstock
Sie beschlagen nicht über der Maske und rutschen nie von der Nase – Kontaktlinsen können eine geniale Alternative zur Brille sein. Aber sind sie für jede:n geeignet? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Kontaktlinsen bei Altersweitsichtigkeit – eine gute Idee?

Durchaus. Auch eine Lesebrille lässt sich durch Linsen ersetzen. Und zwar mit solchen, bei denen nur ein Teil der Linse die Sicht zum Lesen optimiert. Allerdings braucht es manchmal etwas Geduld, um ein geeignetes Produkt zu finden. Und am Augenarzt oder Optiker führt kein Weg vorbei. "Zuerst muss das Auge gründlich untersucht werden", sagt die Hamburger Augenärztin und Kontaktlinsenspezialistin Dr. Gudrun Bischoff von der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft. Denn für einige wenige kommen diese Sehhilfen nicht infrage – etwa wegen bestimmter Hornhautveränderungen. Für andere, die etwa am Arbeitsplatz viel Staub ausgesetzt sind oder die sich viel in stark klimatisierten Räumen aufhalten, sind sie meist keine Dauerlösung, sondern nur für den Sport oder zum Ausgehen eine gute Idee.

Das Alter allein ist kein Grund, auf Linsen zu verzichten. Allerdings gilt für alle Kontaktlinsenträger: Man muss trotzdem eine Brille bereithalten. Es gibt immer Situationen, in denen Linsen nicht gehen, sei es wegen einer Erkältung oder einer Bindehautentzündung.

Und statt Gleitsichtbrille: Geht das?

Grundsätzlich ja, mit Mehrstärken-Kontaktlinsen. Es gibt sie mit zwei getrennten Sehfeldern (bifokal) oder mit mehreren Sehstärken (multifokal). Anders als bei Gleitsichtbrillengläsern sind die verschiedenen Bereiche bei Multifokallinsen meist ringförmig angeordnet. Der Effekt ist aber derselbe, es entsteht gleichzeitig ein Nah- und ein Fernbild, unter denen das Gehirn sich automatisch das jeweils scharfe Bild aussucht. Dennoch kann es Wochen dauern, bis man sich mit Gleitsichtlinsen sicher fühlt. Oft muss man auch statt der ringförmigen Anordnung der Sichtbereiche eine geschichtete ausprobieren. Der Versuch lohnt sich aber: Wer das Sehen mit den Speziallinsen lernt, kann damit sowohl am Bildschirm arbeiten als auch Auto fahren. Nur die Speisekarte im Kerzenschein zu studieren funktioniert womöglich nicht. "Bei schlechtem Licht ist das Kontrastsehen mit Gleitsichtlinsen oft nicht mehr so gut", sagt Esther Adam-Pennewitz von der Vereinigung Deutscher Contactlinsen-Spezialisten und Optometristen.

Eine Alternative zu teuren Mehrstärkenlinsen ist im mittleren Alter die sogenannte Monovision: Dabei kommt auf ein Auge eine Fernsicht-, auf das andere eine Nahsicht-Linse, und wieder wählt das Gehirn nach etwas Gewöhnung vollkommen unbemerkt. "Das funktioniert gut, wenn die Alterssichtigkeit noch nicht weit fortgeschritten ist", so Esther Adam-Pennewitz. "Allerdings ist die räumliche Wahrnehmung eingeschränkt – das ist ein Problem beim Autofahren."

Hart oder weich: Welche Linsen sind besser?

Kommt darauf an. Wer nur ab und zu Kontaktlinsen nutzt, profitiert von weichen, die schon beim ersten Einsetzen kaum ein Fremdkörpergefühl bereiten. Für Langzeitträgerinnen haben dagegen harte Linsen Vorteile: Sie sind zwar gewöhnungsbedürftig, aber schonender für das Auge. Da sie klein sind und aus sehr durchlässigem Material bestehen, wird die Hornhaut immer gut mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Dieser Vorteil hat sich zuletzt allerdings relativiert. "Mittlerweile gibt es auch sehr gute weiche Kontaktlinsenmaterialien mit einer hohen Sauerstoffdurchlässigkeit", sagt die Kontaktlinsenexpertin Dörte Krüger von der Berliner Hochschule für Technik.

Softe Linsen sind kurzlebiger und darum auf längere Sicht kaum billiger. Die haltbarsten unter ihnen dürfen bis zu einem Jahr verwendet werden. Andere Typen werden monatlich oder wöchentlich ausgetauscht, manche sind sogar nur für einen Tag gedacht und werden abends weggeworfen. Solche Wegwerf- beziehungsweise Tauschlinsen werden nicht individuell hergestellt und stehen daher nur in bestimmten Ausführungen zur Verfügung. Das ist aber bloß dann eine Einschränkung, wenn eine Kundin sehr spezielle Probleme hat, etwa eine starke Hornhautverkrümmung. Vorteil der Kurzzeit-Linsen ist die Hygiene. Da sie so oft erneuert werden, haben Keime kaum Chancen. Nachteil: Es fällt auch mehr Müll an.

Kann ich trotz trockener Augen Linsen tragen?

Meistens schon. "Eine leichte Trockenheit lässt sich gut kompensieren", sagt Augenärztin Bischoff. Um dazu die richtige Linse zu finden, müssen spezialisierte Optiker:innen allerdings erst mal herausfinden, warum die Augen trocken sind. Je nach Ursache passen andere Kontaktlinsen. Manchmal sind etwa weiche Linsen mit Feuchtigkeitsdepots die Lösung. Hängen die trockenen Augen mit Allergien zusammen, sind Tageslinsen eine gute Option, da sich darauf kaum augenreizende Ablagerungen bilden können. Außerdem kann man sich mit Augentropfen ("künstlichen Tränen") behelfen, die Feuchtigkeitsbinder wie Hyaluronsäure enthalten. Aber auch hier gelte es, zunächst den Tränenfilm zu untersuchen, so Adam-Pennewitz. Wenn etwa die Tränenflüssigkeit zu schnell verdunstet, weil es dem Tränenfilm an Fetten mangelt, sind Lipidzusätze wichtig. Wer ohne so eine Untersuchung Benetzungstropfen kauft, sollte auf den Hinweis "für Kontaktlinsen geeignet" achten. Ohne Konservierungsstoffe sind Augentropfen generell besser verträglich, darum sollten Kontaktlinsenträger solche Präparate vorziehen.

Ist es in Ordnung, Linsen online zu kaufen?

Die ersten Kontaktlinsen sollten immer von Spezialist*innen angepasst werden. Denn wenn Linsen schlecht sitzen, etwa ganz und gar unbeweglich sind, kann das dazu führen, dass die Hornhaut nicht gut mit Sauerstoff versorgt und langfristig geschädigt wird. Ob sie sich angenehm anfühlen, besagt dabei leider wenig. "Es ist sogar so, dass man von weichen Linsen, die fest sitzen, weniger spürt als von gut beweglichen", sagt Dozentin Dörte Krüger. Kennt man seine Werte und das passende Produkt, spricht rein optisch betrachtet nichts dagegen, Tauschlinsen im Internet nachzubestellen. "Wichtig ist aber, genau dieselbe Marke zu kaufen", sagt Dörte Krüger. Je nach Hersteller hätten Linsen nämlich unterschiedliche Eigenschaften. Unerlässlich ist eine jährliche Kontrolle, bei der das Auge sowie Zustand und Sitz der Linsen untersucht werden. Augenärztin Gudrun Bischoff: "Es muss gewährleistet sein, dass die Endothel-Zellschicht der Hornhaut durch die Kontaktlinsen nicht geschädigt wird. Diese Zellen an der innersten Schicht der Hornhaut verändern sich durch chronischen Sauerstoffmangel und wachsen bei Verlust nicht nach."

Genau das beschleunigt den Alterungsprozess des Auges: "Es kann dann passieren, dass die Hornhaut trübe wird." In dem Fall sieht man verschwommen und muss zur weiteren Behandlung zum Augenarzt.

Brigitte

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