Was sind die ersten Anzeichen von Krätze?

Zwar klingt Krätze nach einer Krankheit aus dem Mittelalter, doch in letzter Zeit häufen sich die Fälle. Weshalb das so ist, und was Sie über die Infektion wissen sollten.

Allein das Wort. "Krätze": Damit assoziiert man längst vergangene Zeiten, mangelnde Hygiene und ein Leben unter ärmlichsten Bedingungen – ganz sicher nicht die Kita oder die Schule um die Ecke. Aber wer Kinder hat oder Eltern kennt, weiß, dass dort neben der Warnung vor Magen-Darm-Infektionen und Läuse-Befall immer häufiger auch "Wir haben Krätze" an der Tür hängt.

Was hat es mit der Krätze auf sich? So erkennt ihr sie sofort

Tatsächlich gehen hierzulande in den letzten Jahren die Fallzahlen der stark juckenden Hauterkrankung, auch Scabies genannt, deutlich nach oben. Im Vergleich von 2016 zu 2017 stiegen laut der Barmer-Krankenkasse die Verschreibungen von Krätze-Medikamenten je nach Bundesland um 40 bis 130 Prozent. "Bei der Scabies handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die durch die Krätzmilbe ausgelöst wird", erklärt Dr. Ute Siemann-Harms, Oberärztin der Klinik für Dermatologie und Venerologie am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf.

Die Milben graben sich in die oberste Hornschicht der Haut und legen ihre Eier in Gängen ab. "Das starke Jucken entsteht, weil man eine Allergie auf den Milbenkot entwickelt." Dann bilden sich rote, manchmal schorfige Pusteln und Knötchen – meist an Körperstellen mit dünner Haut und/ oder Haut-zu-Haut-Kontakt, denn auf diesem Weg wechseln die Milben ihren menschlichen Wohnort. Betroffen sind etwa die Partien zwischen den Fingern, in den Achseln, um die Brust, im Anal- und Genitalbereich. Geübte Dermatolog*innen erkennen die Scabies meist schon an den charakteristischen Hautläsionen. "Die sehen oft kommaförmig aus, wie kleine Kratzer", so Ute Siemann-Harms. Typisch ist auch ausgeprägter Juckreiz.

Wie wird die Krankheit übertragen? Was ist bei einer Diagnose zu tun?

Zum Glück sind Händeschütteln oder kurze Umarmungen unbedenklich. "Eine Ansteckung erfolgt erst bei engem Körperkontakt über mehrere Minuten", sagt Ute Siemann-Harms. "Deshalb sind oft ganze Familien betroffen." Auch in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas oder Pflegeheimen, in denen gekuschelt wird oder durch die Versorgung häufiger Hautkontakt stattfindet, besteht ein erhöhtes Risiko für einen Ausbruch.

Ist die Diagnose gestellt, steht für alle, die mit der oder dem Betroffenen eng zusammenleben, eine Anti-Milben-Behandlung am selben Tag an. Das Schwierige: Jeder Millimeter Hautoberfläche kinnabwärts muss gründlich mit einer Milben abtötenden Salbe eingecremt werden und diese acht bis zehn Stunden einwirken. "Häufig werden allerdings nur die juckenden und sichtbar betroffenen Stellen behandelt", so die Hautärztin. Mittlerweile sind auch Tabletten zugelassen, die den Stoffwechsel der Milben blockieren. Aber da Nebenwirkungen wie Leberfunktionsstörungen auftreten können, wird in erster Linie lokal behandelt.

Weitere Maßnahmen: Bettwäsche, Handtücher, Kleidung und Kuscheltiere bei mindestens 50 Grad waschen oder für drei Tage in Plastik packen und die Fingernägel schneiden, da sich auch darunter Milben sammeln können.

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Und warum gibt es jetzt immer mehr Krätzeinfektionen?

Manche sehen einen Zusammenhang mit der Migration – die Menschen brächten die Parasiten aus ihren Heimatländern mit. "Es gab in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder größere Ausbrüche. Aber wo Menschen auf engem Raum zusammenleben, sei es in Seniorenheim oder Flüchtlingsunterkunft, verbreitet sich eine Infektion natürlich eher", erklärt Ute Siemann-Harms. Sie vermutet auch, dass viele Betroffene die Krankheit lange nicht erkennen und behandeln lassen, weil sie einen milden Verlauf erleben. "Außerdem tritt Juckreiz immer erst sechs Wochen nach der Infektion auf. Es sei denn, man war schon einmal erkrankt. In dieser Zeit hat man möglicherweise schon andere angesteckt." Und: Ärzte und Ärztinnen verwechseln die Läsionen manchmal mit einem allergischen Ekzem – und verschreiben die falschen Medikamente.

Wer bei sich oder Familienangehörigen Juckreiz oder Hautbrennen, kommaförmige Kratzer, Pusteln oder Knötchen an warmen Körperregionen bemerkt, sollte also möglichst bald medizinische Hilfe suchen. Und ein kleiner Trost ist zumindest dies: Meist genügt eine einmalige Behandlung, um die unangenehmen Parasiten loszuwerden.

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BRIGITTE 14/2019

Wer hier schreibt:

Tanja Eckes
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